28. Januar 2016, 10:25 Uhr

Plädoyer für »Fehlerkultur« beim »Gründerstammtisch«

Gießen (mö). »Moin Moin«. Wer so am späteren Nachmittag grüßt, muss aus dem hohen Norden kommen. In der FDP ist diese Himmelsrichtung schon fast ein Markenzeichen, denn Politiker wie Wolfgang Kubicki oder Katja Suding haben die Liberalen in schwerer Zeit mit Wahlerfolgen am Leben erhalten. Am Montag war mit Lencke Steiner der dritte Star der Nord-FDP bei den Gießener Parteifreunden zu Gast.
28. Januar 2016, 10:25 Uhr
Lencke Steiner wird beim Gründerstammtisch der FDP eingerahmt von Spitzenkandidat Martin Preiß und Manuela Georgis, der Nummer zwei auf der Liste. (Foto: Oliver Schepp)

Die 30-jährige Unternehmerin und Abgeordnete der Bremer Bürgerschaft diskutierte im »Gianoli« in der Plockstraße über eine Stunde mit Jungunternehmer/innen über Existenzgründung.

Dabei plädierte die frühere Bundesvorsitzende der Jungen Unternehmer für eine »Fehlerkultur« in Deutschland. In den vornehmen Wirtschaftskreisen der Hansestadt Bremen sei bereits eine vorläufige Insolvenz eine Tragödie. »Hinfallen und wieder aufstehen gehört dazu«, sagte Steiner und beklagte, dass das Zugeben und Reden über Fehler hierzulande schwierig sei. Was »My Kolter«-Gründer Christoph Seipp spontan veranlasste, einen zuzugeben. Aus der Tasche zog er ein Etikett, das er einst in hoher Stückzahl in Auftrag gegeben hatte. »Wir hatten damals leider den Pflegehinweis und die Textilzusammensetzung vergessen.« Die Ausschussware trägt der findige Weltrekord-Organisator seitdem als Visitenkarten mit sich herum.

Die heimische FDP hatte das Aushängeschild aus Bremen im Kommunalwahlkampf hierher gelotst, weil Gießen nach dem Willen der Liberalen »eine Gründerstadt werden soll«, sagte Spitzenkandidat und Fraktionschef Dr. Martin Preiß mit Verweis auf das Wahlprogramm. Den Charakter einer Wahlveranstaltung hatte der »Gründer- und Businessstammtisch« aber nicht. Über eine Stunde diskutierte Steiner, die auch durch die TV-Gründercastingshow »Höhle des Löwen« bekannt wurde, mit der Runde. Auch Sabine Wilcken-Görich, Chefin der städtischen Wirtschaftsförderung, oder Jens Ihle vom Regionalmanagement MitteHessen, schalteten sich ein, gaben den anwesenden Firmengründern Tipps oder Anregungen. Neben dem Mut, etwas und damit auch Fehler zu riskieren, sollte man keine Angst vor Zahlen und Bilanzen haben. »Das Zahlenwerk ist kein Zauberwerk«, sagte Wilcken-Görich. Es gebe viele Stellen, wo man sich beraten lassen könne. Gefragt nach politisch günstigen Rahmenbedingungen für Unternehmensgründungen, zählte Steiner niedrige Steuersätze, die Vernetzung zwischen erfahrenen Unternehmern und Gründern sowie die zwischen Hochschulen und Wirtschaft auf. Kritisiert von der FDP-Politikerin wurde die Wirtschaftsferne vieler Schulen: Gründergeist verspüre sie häufig eher an Schulen, die von Jugendlichen mit Migrationshintergrund besucht würden. Steiner: »Da gibt es viele, die wollen ihr eigenes Ding im Leben machen. Das finde ich sehr spannend.«

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