01. November 2011, 09:53 Uhr

Philosophikum wird neu gestaltet

Gießen (si). Ein zentraler Platz an der Rathenaustraße mit mehreren Neubauten soll das Herz des kultur- und geisteswissenschaftlichen Campus der Justus-Liebig-Universität werden.
01. November 2011, 09:53 Uhr
So könnte der Campusplatz vom Philosophikum II aus betrachtet aussehen. Neu gebaut werden: Ein Seminargebäude, die Mensa, die Zentralbibliothek links, vor deren Front die verkehrsberuhigte Rathenaustraße verlaufen soll. (pv)

Das sieht der Entwurf der Büros Ferdinand Heide Architekt (Frankfurt) und Topos Stadtplanung (Berlin) vor, die den städtebaulichen Wettbewerb zur Neugestaltung des Philosophikums gewonnen haben. Ihr Konzept rückt die bisher voneinander getrennten Areale näher zusammen und gleicht sie auch optisch an. Das Ende der 60er Jahre bezogene Phil II würde nach einer grundlegenden Sanierung erhalten bleiben. Die etwas jüngeren Hochhäuser im Phil I, die in einem schlechteren Zustand sind, würden langfristig abgerissen, hier sind kleinere Neubauten vorgesehen. Allein für die erste Ausbaustufe bis 2020 stellt das Land 125 Millionen Euro aus seinem Hochschulbausonderprogramm »Heureka« bereit.

Der Entwurf von Heide/Topos, der sich in einem europaweiten Wettbewerb gegen 22 Konkurrenten durchsetzte, konkretisiert Erkenntnisse und Zielsetzungen, die die Hochschule in den vergangenen Jahren gewonnen hat. Dazu gehört beispielsweise die Empfehlung eines Expertengremiums (»Consilium«), dass sich die Universität an drei Standorten konzentrieren und diese aufwerten solle. Neben den Lebenswissenschaften im Heinrich-Buff-Ring und der Verwaltung im Bereich Uni-Hauptgebäude war dabei immer an einen kultur- und geisteswissenschaftlichen Campus (samt Wirtschaft und Recht) zwischen Karl-Glöckner- und Licher Straße gedacht.

Als ein Gutachten für die Philosophika vor zwei Jahren einen noch schlechteren baulichen Zustand als gedacht feststellte, schien dort kurzfristig sogar ein Komplettabriss möglich. Bis sich dann schließlich ein Mix aus Neubau und Sanierung als machbar herausstellte – zum Glück, weil das die schrittweise Neugestaltung im laufenden Betrieb ermöglichte. Über 10 000 Studierende besuchen hier Vorlesungen und Seminare.

Nach Ansicht des Preisgerichts, das unter dem Vorsitz des Stuttgarter Architekten Prof. Franz Pesch tagte, gab der Entwurf von Heidi/Topos auf die vielen Fragen die überzeugendsten Antworten. Die Entscheidung fiel einstimmig. Wissenschaftsministerin Eva Kühne-Hörmann, die zur Präsentation des Wettbewerbsergebnisses am Montagmorgen ins Audimax kam, sprach von einer »dringend notwendigen Investition«, die den Hochschulstandort stärken werde. Der JLU-Baubeauftragte, Kanzler Dr. Michael Breitbach, und Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz bekräftigten gemeinsam, dass die gesamte Universität und die Stadt profitierten. Alle Seiten hätten sehr gut zusammengearbeitet, betonten sie.

Zeitplan noch unklar

Den zentralen Campusplatz verankert der jetzt preisgekrönte Entwurf direkt an der Rathenaustraße (siehe Computersimulation oben), auf der Phil-I-Seite gegenüber der Bushaltestelle, wo sich jetzt Parkplätze bzw. ein künstlicher Hügel mit einem Kunstwerk befinden (der Wall wird vermutlich verschwinden). Darum werden sich mehrere Einzelgebäude gruppieren. Ganz vorne auf der Dringlichkeitsliste stehen zwei Seminargebäude, von denen eins in Richtung Alter Steinbacher Weg entstehen soll, wo sich derzeit eine Grünfläche befindet. Das andere soll auf dem Phil-II-Gelände ungefähr im Bereich Eingangstor/Fußweg gebaut werden. Die Planung werde in Kürze beginnen, sagte Kanzler Breitbach. Dass es 2014 bereits einen ersten Spatenstich gebe könne – wie die Hochschule noch im Januar bekräftigt hatte – sei möglich, sagte Breitbach, der sich auf ein genaues Zeitraster jetzt allerdings nicht festlegen wollte.

Der Entwurf hebt noch drei weitere Projekte hervor, die für die Hochschule besonders wichtig sind, ohne dass es hierzu nähere zeitliche Angaben gibt. Dazu gehören das A-Gebäude im Philosophikum II, in dem das Audimax untergebracht ist und das grundlegend saniert werden soll, sowie zwei echte Neubauten. Herausragend ist die Mensa, die auf der Phil-II-Seite in Höhe der Bushaltestelle in Richtung des jetzigen Gästehauses entstehen soll. Und schließlich gehört auch eine neue Universitätsbibliothek dazu. Hier ist zunächst ein Anbau an die bestehende UB in Richtung des Campusplatzes vorgesehen.

Die Fertigstellung dieser beiden Großbauten könnte sich ins nächste Jahrzehnt verschieben – dann finanziert durch ein neues Heureka-Programm, über das in Wiesbaden schon nachgedacht wird. Klar ist, dass sich mit den bereitgestellten 125 Millionen Euro nicht alle Wunschmaßnahmen finanzieren lassen.

Rathenaustraße verkehrsberuhigt

Die Rathenaustraße soll bestehen bleiben, allerdings vorrangig als An- und Zuliefererstraße, mit einer Tempo-30-Beschränkung. Völlig offen blieb gestern, was das für den Verkehrsfluss heißt – laut einer Zählung rollen dort täglich bis zu knapp 6000 Autos entlang. Die Hochschule verwies darauf, dass neue Parkplätze vorgesehen seien, zum Beispiel auf den Flächen in Richtung Osthalle, die nach einem Phil-I-Abriss frei würden. Das werde den Alten Steinbacher Weg bzw. die Rathenaustraße vom Verkehr aus der Licher Straße entlasten, so die Erwartung.

Das Philosophikum I soll demnach Schritt für Schritt abgetragen werden, und zwar auch im laufenden Betrieb. In die »Nischen« könnten dann neue, kleinere Gebäude gesetzt werden, sagte Breitbach. Das gesamte Gelände entlang des Klingelbachs wird laut Entwurf begrünt und parkähnlich gestaltet.

Die Entwürfe sind im Audimax (erster Stock) noch bis 13. November zu sehen, und zwar montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr sowie samstags und sonntags von 11 bis 17 Uhr.

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