Stadt Gießen

Philosophika: Sanierung und Neubauten geplant

Gießen (si). Die Justus-Liebig-Universität setzt bei der baulichen Entwicklung ihres kultur- und geisteswissenschaftlichen Campus an der Karl-Glöckner-/Otto-Behaghel-Straße auf einen Mix aus Sanierung und Neubauten. Der Komplettabriss der beiden Philosophika, der wegen des schlechten Gebäudezustands in Erwägung gezogen worden war, sei keine Option mehr.
31. August 2010, 22:50 Uhr
Das Philosophikum I (im Hintergrund) wird wohl nicht zu halten sein - der UB-Trakt ausgenommen, der einen Anbau erhalten soll. A
Das Philosophikum I (im Hintergrund) wird wohl nicht zu halten sein - der UB-Trakt ausgenommen, der einen Anbau erhalten soll. Allerdings bietet das Areal hin zur Rathenaustraße (im Vordergrund) ohnehin noch viel Platz für Neubauten und ein Gesamtkonzept, das die Flachbauten des Philosophikum II einschließt. (Foto: Schepp)

Gießen (si). Die Justus-Liebig-Universität setzt bei der baulichen Entwicklung ihres kultur- und geisteswissenschaftlichen Campus an der Karl-Glöckner-/Otto-Behaghel-Straße auf einen Mix aus Sanierung und Neubauten. Der Komplettabriss der beiden Philosophika, der wegen des schlechten Gebäudezustands in Erwägung gezogen worden war, sei keine Option mehr. Der Bestand solle dort erhalten bleiben, wo es sinnvoll sei, teilte die Hochschule am Dienstag auf Anfrage dieser Zeitung mit. Was das im Einzelnen heißt, wird zwar erst in einem städtebaulichen Wettbewerb entschieden, für den die hessische Landesregierung Ende letzter Woche grünes Licht gab (die AZ berichtete). Allerdings zeichnet sich jetzt schon ab, dass die Hochschule die maximal dreigeschossigen Häuser im Philosophikum II erhalten, also sanieren möchte. Für die Hochhäuser im Philosophikum I - mit Ausnahme der Universitätsbibliothek - dürften die Tage dagegen gezählt sein.

Die erst Anfang der 80er Jahre errichtete UB soll nach den Vorstellungen der Universität einen Anbau bekommen - »um Streulagen zu konzentrieren« und das Bibliothekssystem »organisatorisch zu optimieren«, so die Hochschulleitung. Dieses Projekt ist auf der Prioritätenliste ausdrücklich aufgeführt. Darüber hinaus wird der Neubau von Seminar- und Institutsgebäuden verlangt, allerdings noch ohne Standortangaben. Sie könnten dort stehen, wo sich jetzt das Philosophikum I befindet, wenn es denn abgerissen würde. Anbieten würden sich auch die noch unbebauten Flächen in Richtung Alter Steinbacher Weg/Rathenaustraße - oder die Bereiche an der Zentralmensa, die nach dem noch gültigen, 2008 vorgelegten Rahmenkonzept zur langfristigen Bauplanung abgerissen werden könnte. Für die Mensa war darin ein Platz an der Rathenaustraße (zwischen Philosophikum I und II) in Erwägung gezogen worden.

Die Kosten allein für die neuen UB-, Seminar- und Institutsgebäude plus die Ausgaben für die Bestandssanierung bezifferte die Hochschule auf rund 125 Millionen Euro. Darin seien nur die Ausbaustufen bis zum Jahre 2020 berücksichtigt, noch nicht die weiteren Maßnahmen (wie möglicherweise eine neue Mensa), die die Universität ebenfalls für notwendig hält. Eine förmliche Kostenzusage des Landes gibt es auch für die erste Ausbaustufe noch nicht, trotz des angekündigten städtebaulichen Wettbewerbs. Wiesbaden kenne die Zahlen und habe »Verständnis signalisiert«, hieß es. Das Geld soll aus dem Hochschulbausonderprogramm »Heureka« kommen, das für die Justus-Liebig-Universität bis zum Jahre 2020 rund 440 Millionen Euro vorsieht. Allerdings ist dieser Topf zum Teil schon verbraucht, die vorhandenen Mittel würden für alle noch offenen Projekte sicher nicht ausreichen. Wie das Land dieses Problem lösen will, ist völlig offen.

Der städtebauliche Wettbewerb soll laut Hochschule im kommenden Jahr durchgeführt werden; nach den jetzigen Planungen würden die Auslobungsunterlagen Mitte 2011 versandt, die Vorarbeiten müssten also schon im ersten Halbjahr laufen. Mit dem ersten Spatenstich für einen Neubau rechnet die Universität frühestens im Jahre 2015.

Ganz unabhängig davon laufen in den beiden Philosophika derzeit Sanierungsarbeiten, die aus Mitteln des »Konjunktursonderprogramms II« des Bundes im vergangenen Jahr bewilligt wurden (das Programm soll die wirtschaftlichen Folgen der Finanzkrise dämpfen). Insgesamt darf die Hochschule allein im Philosophikum II rund 5,6 Millionen Euro für energetische Maßnahmen, zur Flachdachsanierung und für Investitionen ausgeben, mit denen »barrierefreie« Hauszugänge geschaffen werden sollen - und das macht sie auch. Bei einem absehbaren Gebäudeabriss wären diese Ausgaben kaum zu rechtfertigen gewesen. Für das Philosophikum I (Haus A) stehen immerhin noch 2,5 Millionen Euro bereit. Aus Sicht der Hochschule ist die Sanierung dort dringend notwendig, um den laufenden Betrieb aufrechtzuerhalten - ganz unabhängig von der Frage, ob das Hochhaus langfristig stehen bleibt.

Das Philosophikum I wurde 1971 fertiggestellt, das Phil. II kurz vorher. In den Gebäuden sind sechs Fachbereiche aus den Kultur- und Geisteswissenschaften untergebracht, sämtliche Lehramtsstudierenden der Universität absolvieren hier zumindest einen Teil ihrer Vorlesungen und Seminare. Baumängel gibt es schon seit den späten 70ern, also nicht einmal zehn Jahre nach dem Einzug. Vielfach ist der Putz abgeblättert, Treppen und Wege im Außenbereich sind teils schon seit über zwei Jahrzehnten aus Sicherheitsgründen gesperrt.

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/stadtgiessen/Stadt-Giessen-Philosophika-Sanierung-und-Neubauten-geplant;art71,50238

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