27. September 2019, 22:11 Uhr

Patientenakten codieren

27. September 2019, 22:11 Uhr
Alle medizinisch bedeutsamen Informationen sind in Patientenakten dokumentiert und müssen für die Abrechnungen von Leistungen codiert werden. (Foto: pm/thm)

Mit der computerbasierten Codierung medizinischer Informationen in Patientenakten befasst sich ein Forschungsprojekt an der Technischen Hochschule Mittelhessen. Solche Daten benötigen zum Beispiel Krankenkassen für die Abrechnung von Leistungen. Projektleiter an der THM sind die Professoren Michael Guckert und Christian Schulze vom Kompetenzzentrum für Informationstechnologie. Sie kooperieren dabei mit Prof. Mirjam Minor vom Fachbereich Informatik und Mathematik der Frankfurter Goethe-Universität. Weiterer Partner ist Minds-Medical aus Frankfurt. Das Unternehmen ist auf die Entwicklung künstlicher Intelligenz für die Gesundheitswirtschaft spezialisiert. Das Land Hessen fördert das Vorhaben mit knapp 370 000 Euro.

370 000 Euro vom Land

Nach Angaben des Statistischen Bundesamts werden pro Jahr in Deutschland etwa 20 Millionen Patienten im Krankenhaus behandelt. Für jeden werden alle medizinisch bedeutsamen Informationen in Patientenakten dokumentiert. Die Codierung der Daten erfordert hochqualifizierte Fachkräfte. So umfasst allein die von der Weltgesundheitsorganisation herausgegebene »Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme« mehr als 12.000 Krankheitsklassen in 22 Kapiteln.

Minds-Medical hat eine Software entwickelt, die Patientenakten und Arztbriefe automatisch codiert. Das Unternehmen nutzt dafür Techniken des maschinellen Lernens und Methoden zur maschinellen Verarbeitung natürlicher Sprache.

Ziel des Projekts ist es, mit Methoden des Transferlernens die Ergebnisse für alle Kundengruppen nutzbar zu machen. Das ist zurzeit nur eingeschränkt möglich, da sich das Vokabular zur Beschreibung der medizinischen Sachverhalte von Klinik zu Klinik unterscheidet und die Daten personenbezogene Informationen enthalten können.

Die Übertragbarkeit des vorhandenen Wissens wollen die Forscher dadurch möglich machen, dass sie vorhandene medizinische Terminologiesysteme als Basis der Klassifizierung von Patientendaten nutzen. Synonym verwendete Begriffe in verschiedenen Kliniken sollen so erkannt werden und demselben Code zugeordnet werden. Die Einführung der Codierungssoftware in einer neuen Klinik kann dadurch deutlich vereinfacht werden.

Potentielle Kunden sind die knapp 2000 Krankenhäuser in Deutschland. Laut einer Studie von Minds-Medical entstehen ihnen heute Personalkosten für die medizinische Codierung in Höhe von einer Milliarde Euro jährlich. Die neue Technologie soll auch von privaten Krankenversicherungen eingesetzt werden. Dort kann die Software bei Neukunden zur automatisierten Risikoanalyse dienen und anhand von Arztbriefen Vorerkrankungen erkennen.

Das Forschungsvorhaben läuft zwei Jahre und hat ein Gesamtvolumen von 500 000 Euro. Es wird im Rahmen der hessischen »Landes-Offensive zur Entwicklung Wissenschaftlich-ökonomischer Exzellenz« (LOEWE) unterstützt.

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