09. Juni 2009, 21:30 Uhr

Pascoe konzentriert sich auf Schiffenberger Tal

Gießen (mö). Das Gießener Traditionsunternehmen Pascoe bleibt langfristig an seinem bisherigen Standort im Schiffenberger Tal. Endgültig vom Tisch ist die vor Jahren ins Auge gefasste strategische Erweiterung im Gewerbegebiet Europaviertel.
09. Juni 2009, 21:30 Uhr

Gießen (mö). Das Gießener Traditionsunternehmen Pascoe bleibt langfristig an seinem bisherigen Standort im Schiffenberger Tal. Endgültig vom Tisch ist die vor Jahren ins Auge gefasste strategische Erweiterung im Gewerbegebiet Europaviertel. Dort hatte das Unternehmen, das Naturmedizin herstellt, vor sechs Jahren von der Stadt ein 3,2 Hektar großes Grundstück erworben, das nun zum Verkauf steht. Die Entscheidung, sich von der Fläche zu trennen, sei »Ausdruck soliden Wirtschaftens«, sagte Pascoe-Geschäftsführer Jürgen F. Pascoe am Dienstag im Gespräch mit dieser Zeitung. Gründe für den Verkauf seien die gesundheitspolitischen Rahmenbedingungen sowie die allgemeine Wirtschaftsentwicklung. Daher, so Pascoe, habe sich sein Unternehmen vor geraumer Zeit entschieden, den Standort am Schiffenberger Weg in vielerlei Hinsicht zu optimieren.

Die Absage an die Erweiterung im Europaviertel ist somit zugleich ein Bekenntnis für den Standort Gießen, an dem zuletzt eine Million Euro in die Produktionsanlagen und die Haustechnik gesteckt wurden. Der technische Fortschritt der letzten Jahre habe es Pascoe ermöglicht, die Gebäude am Schiffenberger Weg so zu sanieren, dass auch dort die Chargenmengen erhöht werden können. »Es ist zwar eng hier, aber das ermöglicht auch sehr effizientes Arbeiten«, erläuterten Pascoe und Produktionsleiter Dr. Rudolf Unger bei einem Rundgang. Mehr Bewegungsspielraum auf dem ein Hektar großen Grundstück verschaffte sich das Unternehmen durch die Verlagerung des eigenen Lagers in Räume des im Europaviertel beheimateten Logistikunternehmens Rhenus. Da die 200 Produkte bislang im Ein-Schicht-Betrieb hergestellt würden, habe man auch diesbezüglich noch Luft nach oben.

Zwar war das Unternehmen, das 180 Mitarbeiter beschäftigt, Ende 2006 noch von einer Erweiterung am neuen Standort ausgegangen, aber bereits damals hatte dies Geschäftsführer Pascoe von verbesserten gesundheitspolitischen Rahmenbedingungen abhängig gemacht, nachdem die homöopathischen Arzneimittel zwei Jahre zuvor aus der Kostenerstattung durch die Krankenkassen herausgenommen worden waren. Für Pascoe, der auf Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) nicht gut zu sprechen ist, war dies seinerzeit »eine rein ordnungspolitische Maßnahme, die nichts mit der Wirksamkeit von Arzneimitteln oder der Volksgesundheit zu tun hatte.« Inzwischen sei er aber »fast froh«, nicht mehr im staatlichen System zu sein. Pharmafirmen seien mittlerweile nämlich von kurzfristigen Rabattverträgen mit den Kassen abhängig, was jede größere Investition zum Risiko mache. Da sei die reine Orientierung am Markt berechenbarer. Der sei seit dem Ankauf des Grundstücks an der Licher Straße zwar geschrumpft, aber Naturmedizin werde nach wie vor stark nachgefragt. Dennoch hätte ein Neubau »90 Jahre solide Unternehmensentwicklung unnötig gefährdet«, unterstrich Pascoe.

Das unbebaute Grundstück am Südrand des Europaviertels soll mit Unterstützung der städtischen Wirtschaftsförderung nun veräußert werden, was in diesen Zeiten allerdings auch kein leichtes Unterfangen ist.

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