Stadt Gießen

Party für die »Rappelkiste«

Scheine klimpern nicht. Sie rascheln höchstens. Schon wegen des Lärms solle man also zum Papiergeld greifen und Münzen lieber in der Tasche lassen, empfiehlt Ursula Bouffier, als sie um Spenden wirbt. Gesagt, getan: Die meisten der 285 Gäste bei der Sommergala im Bootshaus gehorchen der Schirmherrin am Sonntagabend aufs Wort. 85 Euro hat jeder und jede hier bereits über die Eintrittskarte zum Wiederaufbau der Heuchelheimer Kita »Rappelkiste« beigetragen. Weitere Wohltaten sind deshalb aber nicht verboten. Nur bitte nicht so laut - rappeln soll es ja vor allem auf der Bühne.
26. August 2019, 21:53 Uhr
Christian Schneebeck
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Einen ziemlich schlüpfrigen Pointenhagel hat die Travestiekünstlerin France Delon mitgebracht. (Foto: csk)

Scheine klimpern nicht. Sie rascheln höchstens. Schon wegen des Lärms solle man also zum Papiergeld greifen und Münzen lieber in der Tasche lassen, empfiehlt Ursula Bouffier, als sie um Spenden wirbt. Gesagt, getan: Die meisten der 285 Gäste bei der Sommergala im Bootshaus gehorchen der Schirmherrin am Sonntagabend aufs Wort. 85 Euro hat jeder und jede hier bereits über die Eintrittskarte zum Wiederaufbau der Heuchelheimer Kita »Rappelkiste« beigetragen. Weitere Wohltaten sind deshalb aber nicht verboten. Nur bitte nicht so laut - rappeln soll es ja vor allem auf der Bühne.

Zuvor klingelt es deutlich hörbar in der Kasse. »Ich habe einen guten Draht zum Ministerpräsidenten«, sorgt Bouffier für den ersten Lacher des Abends. Der Heuchelheimer Bürgermeister Lars Burkhard Steinz quittiert ihn noch etwas vergnügter als alle anderen. Er nimmt einen Scheck über 1000 Euro entgegen und nutzt die Gelegenheit für einen Sachstandsbericht: In rund zwei Jahren wolle die Gemeinde den Kindergarten-Neubau eröffnen, sagt er. Bis dahin seien Kinder und Mitarbeiter der »Rappelkiste«, die am Pfingstsonntag zu großen Teilen abgebrannt ist, auf Provisorien angewiesen.

Jetzt aber los, die Party im Dienste der Pädagogik kann beginnen! Den Auftakt machen die »Schmachtigallen«. Mit humoristisch wertvollen Pointen und künstlerisch anspruchsvoller Musik bringt das A Cappella-Quartett sein Publikum zum Kochen. Im übertragenen Sinne.

Neues Format im Gespräch

Tatsächlich schmachtet man im Panoramazelt bei 30 Grad eher nach Abkühlung. Zumal vor der »Refreshment-Pause« die »Gießen Show Sisters« weiter einheizen, mit Konfettikanonen und bunten Kleidern. Letztere seien übrigens nicht sonderlich hitzetauglich, verraten die Künstlerinnen im Interview mit Moderator Axel Mugler. Bei den Proben habe man den einen oder anderen Einsatz verpasst, weil Kleiderwechsel durch klebrigen Schweiß verzögert worden seien.

Zurück am Platz, beschert Johannes Scherer den Lachmuskeln eine Stunde Schwerstarbeit. Mit seiner Show verarbeitet der Comedian und FFH-Moderator das eine oder andere Kindheitstrauma. Es geht ja nun mal um Kinder bei dieser Benefizgala. Während sich die Zuhörer köstlich amüsieren, erfahren sie unter anderem, dass Scherer junior zwischen September und Mai stets lange Unterhosen zu tragen hatte. Gegen die Erkältungsgefahr. »Damals war es ja noch kalt. Die Greta Thunberg war noch nicht erfunden.« Als Travestiestar und Sängerin France Delon zur Höchstform aufläuft, bricht draußen die Dunkelheit herein. Und, deutlich wichtiger: Alle Kinder sind im Bett, wie sich die Künstlerin zunächst versichert.

Apropos Bett: »Ich freue mich, mal wieder in Gießen zu sein, der Stadt, die niemals schläft«, begrüßt Delon ihr Publikum. In der Folge wird es, naja, ziemlich schlüpfrig - und bis zur Zugabe von Minute zu Minute stimmungsvoller.

Nach drei Stunden Show betreten zum Finale furioso Gastgeber Dietmar Knöß und sein Team die Bühne. Alle Mitarbeiter verzichteten auf einen Urlaubstag, das Trinkgeld fließe in den Spendentopf, berichtet Knöß und verdrückt ein Rührungstränchen angesichts des großen Zuspruchs. Schirmherrin Bouffier freut sich schon auf die nächste Sommergala im Bootshaus, obwohl Knöß das Format eigentlich 2017 beendet hatte. Extra für die »Rappelkiste« hat er es sozusagen auferstehen lassen. »Das war heute definitiv die letzte Gala«, stellt der Bootshaus-Chef direkt vor dem abschließenden Feuerwerk klar. »Keine Gala mehr.« Wirklich keine Gala mehr, Herr Knöß? »Vielleicht gibt’s ja was Neues.«

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