30. Dezember 2018, 19:26 Uhr

Party an der Himmelsbar

30. Dezember 2018, 19:26 Uhr
Gut beschirmt führt die Crew mit (v. l.) Florian Neuber, Volker Seidler, Carolin Weber, Karl-Heinz Weber (mit Kapitänshut) und Philipp Lampert durch den Abend. (Foto: dkl)

»Über den Himmel« – das war offensichtlich ein passendes Thema für einen besinnlichen Abend zwischen den Jahren. Carolin Weber und ihre Band hatten eingeladen und das taT war ausverkauft.

Einen lyrisch-musikalischen Themenabend hatten die Fünf versprochen und das wurde erfüllt. Weber, Schauspielerin am Stadttheater Gießen, stand im Zentrum. Aufgemacht als Edelpunkerin im Glitzerlook überraschte nicht nur ihr Anblick, sondern auch ihre Gesangstimme, die mal lyrisch verhalten im Sprechgesang erklang, mal im heftigen Deutschrocksound röhrte. Sie führte durch den Abend, moderierte und rezitierte, interpretierte und intonierte.

Vieles klang vertraut und doch fremd. Songtexte waren ins Deutsche übertragen, der Musikstil teils komplett verändert. Was besonders deutlich wurde bei Reinhard Meys Klassiker »Über den Wolken«, wo die Freiheit bekanntlich grenzenlos ist. An diesem taT-Abend nicht im gefälligen Fingerpicking der Folkgitarre dargeboten, sondern in einer heftig rockenden Version. Am ehesten dem Original entsprachen zwei Evergreens aus dem Englischen: Led Zeppelins »Stairway to Heaven« und Claptons »Tears in Heaven«.

Weber hat bei ihrer Literatursuche verschiedene, den Himmel betreffende Fragestellungen gefunden, die sie vorstellte. Was ist der Himmel überhaupt? Der Sehnsuchtsort der Liebenden, wäre eine Antwort, im christlichen Kontext der Aufenthaltsort Gottes und der himmlischen Heerscharen. Erstaunlich viele Texte beschäftigten sich mit der Frage: Wo ist der Himmel und wie komme ich dahin? Oder da rein? Oder wieder heraus? Und wie sieht’s da aus? Gibt’s eine Bar, an der die Musiker sich treffen? Um Party zu machen natürlich.

Nachdenkenswertes gab’s zu hören von dem Astrophysiker Stephen Hawking, Lyrisches von Bertolt Brecht (Baal) und Humorvolles von Erich Kästner (Frau Pichler). Köstlich waren die im Dialekt vorgetragenen Texte, etwa das »Schwyzerdütsch« im »Campari Soda«-Song oder das Bayerische in Ludwig Thomas »Ein Münchener im Himmel«. Nun gab’s auch eine Erklärung, warum der aktuelle Ministerpräsident Söder immer noch keine »göttliche Eingebung« hatte. Der von Gott gesandte Bote, der Aloysius-Engel, sitzt immer noch im Hofbräuhaus.

Zu ihren »Flugbegleitern« gehörten vier Musiker unterschiedlicher Altersgruppen. Florian Neuber ist der jüngste, er begleitet die Sängerin zuverlässig am E-Piano und an der Rhythmus- wie der Picking-Gitarre. E-Gitarrist Karl-Heinz Weber und Bassist Philipp Lampert spielen anfangs verhalten, doch beim »Heaven’s on the Backseat of my Cadillac« geht’s richtig groovy ab. Und Schlagzeuger Volker Seidler durfte zu »Ich will kein Engel sein« von Rammstein mal so richtig auf die Felle dreschen.

Im Anschluss war der allseits geäußerte Wunsch, dieser Themenabend möge keine Einzelveranstaltung bleiben. Die anwesende Intendantin strahlte Zuversicht aus.

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