23. Oktober 2011, 20:03 Uhr

Partnerschaftsverein Gießen-Netanya feierte Jubiläum

Gießen (abt). Am Ende sangen sie gemeinsam, die Gäste aus Israel und ihre Gastgeber aus Gießen. Die Hymne »Yerushalaim shel zahav« und danach des berühmte Volkslied »Hava Nagila« ertönten am Samstagabend im gut gefüllten Netanyasaal des Alten Schlosses.
23. Oktober 2011, 20:03 Uhr
Vita Gurevitch, die die Veranstaltung mit zwei Gesangstücken bereicherte, mit der Vereinsvorsitzenden Marion Balser (M.) und Übersetzerin Edvina Shilan (r.). (Foto: abt)

Nach gut zwei Stunden beendete das gemeinsame Singen die Feier zum 15-jährigen Bestehen des Partnerschaftsvereins Gießen-Netanya. Es war ein fröhlicher Abend mit nachdenklichen Zwischentönen. Für die sorgte der frühere Oberbürgermeister Gießener Manfred Mutz, der in seiner Festrede daran erinnerte, welch große Geste es gewesen sei, als die Bürger und politisch Verantwortlichen in Netanya den Gießenern 1978 die Hand zur Städtepartnerschaft und damit zur Versöhnung gereicht hätten. »Wir haben der jüdischen Seite viel zu verdanken«, sagte Mutz.

Viele bekannte Persönlichkeiten aus dem öffentlichen Leben der Universitätsstadt, die sich um die Beziehung zu Israel und den Austausch mit Netanya in den letzten Jahren verdient gemacht haben, konnte Vereinsvorsitzende Marion Balser im Netanyasaal begrüßen. So waren der TSV Klein-Linden, der VfB 1900 Gießen, die Ricarda-Huch-Schule und die städtische Musikschule im Publikum ebenso vertreten wie der deutsch-israelische Verein und die jüdische Gemeinde. Auch Balsers Vorvorgänger im Amt des Vorsitzenden, der frühere Kulturdezernent Dr. Reinhard Kaufmann, war gekommen. Die Gremien der Stadt vertraten Stadtverordnetenvorsteher Egon Fritz und Stadträtin Astrid Eibelshäuser. Die für die Städtepartnerschaften zuständige Dezernentin betonte in ihrem Grußwort das »besondere Verhältnis« zwischen Israel und Deutschland, das auch die Beziehung zu Netanya besonders mache. Ihr und dem Partnerschaftsverein wünschte die Stadträtin weitere und neue Impulse, denn, so Eibelshäuser: »Nichts ist eindrücklicher als die direkte Begegnung.«

»Ein bisschen gekaut« habe er an der Aufgabe, die Festrede zu halten, bekannte Manfred Mutz zu Beginn seiner Ausführungen. Was es für die israelische Seite bedeutet habe, die Hand zu reichen, machte Mutz anhand der Biographie des Gießener Ehrenbürgers Dr. Abraham Bar Menachem deutlich, der im kommenden Jahr seinen 100. Geburtstag feiert. Bar Menachem, als Alfred Gutsmuth in Wieseck geboren und später von den Nazis verfolgt und entrechtet, habe nach dem Krieg »30 Jahre lang kein Deutsch mehr gesprochen«, ehe ein Treffen mit dem ebenfalls in Wieseck geborenen und späteren Hessischen Ministerpräsidenten Albert Osswald das Eis gebrochen habe. Dies führte dann 1978 zur Städtepartnerschaft mit Netanya, wo Bar Menachem Oberbürgermeister war. Es war, so Mutz, der Beginn einer Entwicklung, die 1995 mit der Einweihung der Synagoge im Burggraben ihren vorläufigen Höhepunkt erreichte. Auch mit der Einführung der Begegnungswochen mit den nach Israel emigrierten Gießener Juden und der Stiftung der Hedwig-Burgheim-Medaille habe die Stadt in den 80er Jahren Zeichen gesetzt, dass »jüdisches Leben in Gießen wieder möglich ist«. Umso schlimmer sei es, dass »die neuen Braunen in Gießen wieder eine Heimstatt haben«, spielte Mutz auf die aktuellen Ereignisse rund um die Studentenverbindung Dresdensia Rugia an (die GAZ berichtete am Samstag).

Ein Grußwort kam von Dr. Dow Aviv, dem stellvertretenden Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde. Er appellierte an die Gießener Politiker, die Städtepartnerschaft mit »mehr Leben« zu erfüllen. Danach gaben Vereinsvorsitzende Balser und Vorstandsmitglied Gerd Zörb mit einem Lichtbildervortrag einen Überblick über die Aktivitäten des Vereins. »Die Städtepartnerschaft muss und kann belebt werden«, sagte Balser vor dem Hintergrund des seit einigen Jahren laufenden Jugendaustausches zwischen Schulen und Sportvereinen.

Für die fröhlichen und fast ausgelassenen Momente sorgten die Gäste aus Israel und die Tänzer der jüdischen Gemeinde. Vita Gurevitch, Leiterin des Nizan-Chors in Netanya, glänzte, begleitet von Julia Reck am Flügel, mit zwei Gesangsstücken von Edvard Grieg und aus dem Musical »Ma Fair Lady«. Gurevitch, die eine kleine Delegation aus der Partnerstadt anführte, überreichte dann auch die Gastgeschenke an Balser. Die Veranstaltung stand unter Schirmherrschaft von Ministerpräsident Volker Bouffier, der die Partnerschaft vor nunmehr 33 Jahren als Vorsitzender der Gießener Bezirksvertretung in der Stadt Lahn mit seiner Unterschrift besiegelt hatte.



0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos