18. Oktober 2018, 22:06 Uhr

Partnerin misshandelt – Bewährung »trotz Bedenken«

18. Oktober 2018, 22:06 Uhr

Jürgen Seichter ist ein Richter, der mit seiner freundlichen, humorvollen Art dafür sorgen kann, dass nahezu jeder Prozess unter seinem Vorsitz in einer entspannten Atmosphäre stattfindet. So auch am Donnerstag im Amtsgericht, wo sich ein 30-Jähriger für eine Reihe von Straftaten zu verantworten hatte. Bei seinen Vergehen von Diebstahl über Bedrohung bis hin zu schwerer Körperverletzung hatte der Angeklagte einen kleinen Streifzug durch das Strafgesetzbuch unternommen. Am Ende wurde er zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und neun Monaten verurteilt. Diese Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt; vier Jahre lang muss er die damit verbundenen Auflagen erfüllen bzw. darf sich nichts weiter zuschulden kommen lassen.

Bei der Urteilsbegründung wurde Seichter ernst: »Die Strafe wird unter Zurückstellung erheblicher Bedenken ausgesprochen, denn ich habe gute Gründe dafür, dass Sie ins Gefängnis gehen«, erklärte er. Allerdings hatte der Angeklagte die Taten eingeräumt, damit wurde dem als Nebenklägerin auftretenden Opfer »ein schneller Durchgang des Verfahrens ermöglicht«. Noch deutlicher hatte es zuvor Staatsanwalt Mike Hahn in seinem Plädoyer zum Ausdruck gebracht: »Das, was Sie getan haben, ist charakterlos«, bewertete er die Gewalttaten des Angeklagten gegenüber seiner ehemaligen Partnerin, mit der er gemeinsam eine inzwischen zweijährige Tochter hat. »Ab jetzt ist Feierabend. Bei jeder Ohrfeige, jedem Schlag oder verbalen Entgleisung marschieren Sie ein!«

Etliche Straftaten begangen

Die Liste der Taten des Angeklagten, begangen zwischen Mai und August 2017, ist lang. Einbruch in eine Gießener Bar und Diebstahl von 100 Euro wurde zuerst genannt. Außerdem hatte der Deutsche mit Migrationshintergrund seiner ehemaligen Partnerin zweimal gegen den Kopf geschlagen, sodass sie die Besinnung verlor. Als sie diese wiedererlangt hatte, wurde sie von ihrem inzwischen ehemaligen Partner gewürgt, bis sie wieder das Bewusstsein verlor. Das Opfer hatte auch in der Folgezeit unter weitere Misshandlungen (Schläge mit der flachen Hand gegen den Kopf) und auch Drohungen (»Ich bring dich um«) zu leiden. Der Täter fügte der Frau erhebliche Verletzungen zu und muss ihr dafür 3000 Euro Schmerzensgeld zahlen, zu leisten in Monatsraten a 100 Euro.

Therapie ist Bedingung

Für den Angeklagten sprach zunächst wenig. Immerhin zeigte er sich geständig und nimmt seit August an einer Entwöhnungstherapie teil. Bis dahin hatte er Cannabis, Kokain und Alkohol konsumiert. Welchen Einfluss dieser Konsum auf seine Taten hatte, blieb ungeprüft, da sich die Parteien – Anklage, Nebenklage sowie Verteidigung – verständigten. So zogen Staatsanwaltschaft Hahn und Verteidiger Henner Maaß die Berufung gegen ein vorangegangenes Urteil gegen den Gießener zurück und machten den Weg frei für eine Übereinkunft. Allerdings steht noch ein weiterer Prozess vor einem anderen Gericht aus.

Positive Signale des Angeklagten (neue Partnerin, positive Bewertung der Therapie, sein Wunsch, sich mehr um die Tochter zu kümmern) sorgten dafür, dass er nicht in Haft muss. Allerdings, unabdingbar in das Urteil eingebunden ist die Anordnung, dass er die Therapie fortsetzen muss.

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