28. Oktober 2017, 09:00 Uhr

Outlet-Center

Outlet-Center: »Frontalangriff« auf Gießen-City

In Gießen formiert sich großer Widerstand gegen Pläne der Stadt Pohlheim für ein Factory Outlet Center. Der Magistrat spricht von einem »Frontalangriff« auf die Gießener Innenstadt.
28. Oktober 2017, 09:00 Uhr
Einen vollen Seltersweg, den wollen Stadt und Handel auch künftig haben. (Foto: Schepp)



Als Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz (SPD) und Stadtrat Peter Neidel (CDU) am Dienstag in der Pressekonferenz gefragt wurden, ob sie über irgendwelche Informationen zur Planung Garbenteich-Ost verfügen, lautete die Antwort: »Wir wissen nichts.« Am Donnerstagabend und Freitagmorgen erfuhr die Gießener Stadtspitze dann aus der Lokalpresse, was dort geplant ist.

Pro und Kontra: Sind die Pläne für das Gewerbegebiet Garbenteich-Ost sinnvoll oder nicht?

Auf 14 000 Quadratmetern Verkaufsfläche will der spanische Investor Neinver 75 Läden vor allem mit hochwertigen Modemarken unterbringen. Das Sortiment Textil, Sportartikel und Schuhe indes ist auch das wichtigste im Gießener Einzelhandel.

Diese Leute wollen dem Seltersweg an den Kragen

Oberbürgermeisterin Grabe-Bolz

In einer erste Reaktion spricht der Magistrat denn auch von einem »Frontalangriff auf die Gießener Innenstadt und ihren Handel«. Die Stadt werde – wenn nötig – alles in ihrer Macht Stehende tun, um diese Pläne zu verhindern, erklärte OB Dietlind Grabe-Bolz. Gleichzeitig stellte Planungs- und Wirtschaftsförderungsdezernent Peter Neidel (CDU) klar, dass diese Pläne angesichts geltenden Rechts gar nicht genehmigungsfähig seien: »Egal, was die Stadtverordneten in Pohlheim entscheiden: Hier gilt der Regional- und der Landesentwicklungsplan. Ein Factory-Outlet-Center ist ein Einkaufszentrum und das ist aus gutem Grund nur in Oberzentren genehmigungsfähig.«

Pohlheim sei ein Grundzentrum und dürfe nur Einzelhandel für die Nahversorgung seiner Bevölkerung anbieten. Sollte ein Abweichungsverfahren von diesen regionalen Plänen und bisherigen Übereinkünften angestrebt werden, sei sich der Gießener Magistrat sicher, dass es dafür in der Region keine Mehrheit geben werde. Grabe-Bolz: »Wir in Mittelhessen sind uns da alle sehr einig: Die Region profitiert von der Stärke ihrer Oberzentren Gießen, Marburg und Wetzlar und auch der Attraktivität der mittleren Einkaufsstädte.« Es sei daher völlig unverständlich, warum Pohlheim diesen Schulterschluss aufkündige und einen Alleingang starte.

Koalition: Recht muss durchgesetzt werden

Der Magistrat könne sich auch nicht vorstellen, dass die Landesregierung von ihrer »weitsichtigen, verantwortungsvollen und nachhaltigen Planungspolitik abrückt und FOCs auf der Grünen Wiese anders bewertet als jede andere große Einzelhandelsansiedlung in der Fläche«. Gerade auch, weil Outlet Center dafür bekannt seien, Unmengen an zusätzlichem Verkehr zu produzieren. Darüber könnten auch die in blumiger Marketing-Sprache vorgetragenen angeblichen Vorteile »eines touristisches Infrastrukturprojekts für ganz Hessen« nicht hinwegtäuschen. Grabe-Bolz: »In Wahrheit gehen diese Leute unserem Seltersweg an den Kragen. Dagegen werden wir uns zur Wehr setzen.«

Eine klare Position zu »The Style Outlets« haben auch die Spitzen der Koalition im Stadtparlament. »Für uns ist ganz klar, dass die Stadt alle politischen und rechtlichen Mittel ausschöpfen muss, um ein FOC vor den Toren Gießens zu verhindern«, erklärte SPD-Fraktionschef Christopher Nübel im Namen seiner Kollegen Klaus Peter Möller (CDU) und Klaus-Dieter Grothe (Grüne). Der rechtliche Status Gießens als Oberzentrum müsse ebenso geschützt werden wie der Einzelhandel in der Innenstadt. Das Recht müsse durchgesetzt werden, entweder in der Regionalversammlung Mittelhessen oder mit einer Klage der Stadt Gießen gegen den Bebauungsplan der Stadt Pohlheim.

Zweifel an 14000 Quadratmeter Verkaufsfläche

Den Innenstadthandel dürfte diese Deutlichkeit freuen. »Wir zählen auf die Stadtpolitik und ihre Verantwortung für eine funktionierende Stadt und Region«, erklärte Heinz-Jörg Ebert, Vorsitzender des BID Seltersweg und kündigte eine »sachliche« Auseinandersetzung mit dem Thema FOC an. Als Werber für die BID-Idee komme er viel herum in Deutschland und sehe »die Not der Innenstädte«. Ebert: »Stets ist die Ursache die gleiche: Immer mehr Fläche auf immer weniger stationäre Kaufkraft verteilen.« Was Garbenteich betrifft, befürchtet Ebert, dass es bei 14 000 Quadratmeter Verkaufsfläche nicht bleiben wird. »In Zweibrücken ist dieser Investor mit 12 000 angetreten und hat letztlich 21 000 daraus gemacht.

Gießenaktiv-Vorsitzender Robert Balser wunderte sich über das Vorgehen der Investoren: »Es ist schon ganz schön ambitioniert, wie sich die Herren Fischer und Smajek über das geltende Planungsrecht hinwegsetzen.« Er habe nichts gegen großflächigen Einzelhandel, aber dann in der Stadt und nicht auf der grünen Wiese. Balser: »Die könnten doch das Neustädter Tor nehmen und ein FOC drausmachen.«

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