03. April 2019, 11:00 Uhr

Verkehrsgutachten

Otto-Ansiedlung und Co.: Ampel-Flut rund ums US-Depot Gießen

Mit neuen Ampeln und einem großen Kreisverkehr will die Stadt den Verkehr rund ums frühere US-Depot bändigen. Einige Aussagen und Zahlen des Verkehrsgutachtens werfen aber Fragen auf.
03. April 2019, 11:00 Uhr
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Von Burkhard Möller , 1 Kommentar
An der künftigen Zufahrt vom Oberlachweg zum Otto-Paketverteilzentrum soll ein großer Kreisverkehr gebaut werden. (Foto: Schepp)

So etwas hat es lange nicht mehr gegeben: Es sind hunderte Seiten, die das Planungsamt der Stadt Gießen am Dienstag im Rahmen der Offenlegung des Bebauungsplanentwurfs »Alter Flughafen III« veröffentlicht hat. Es geht um den Lärm, den Einfluss auf die Tierwelt der Wieseckaue, um Kaltluftströme, um eine Pufferzone mit zwei naturnah gestalteten Regenrückhaltebecken am Nordrand des AAFES-Geländes und nicht zuletzt den Verkehr.

 

Keine Aussagen zu Bussen und Radverkehr

Allein über 120 Seiten umfasst die aktualisierte und mit Spannung erwartete Verkehrsuntersuchung für das Gewerbe- und Wohngebiet »Am Alten Flughafen«. Aus der geht hervor, dass das gegenwärtige Straßennetz den Autoverkehr der Zukunft rund ums frühere US-Depot nicht bewältigen kann. Mit einem großen Kreisverkehr an der Autobahnanschlussstelle Ursulum Ost und fünf neuen Ampelanlagen an Kreuzungen und Abbiegern entlang der Rödgener Straße und der Rudolf-Diesel-Straße soll der Verkehr abgewickelt werden. Die Untersuchung enthält ausdrücklich keine Aussagen zur Anbindung des Gewerbegebiets an den Stadtbus und zur Führung des Radverkehrs. Diesbezügliche Konzepte würden von der Stadt derzeit gesondert erstellt, heißt es in der Untersuchung.

Für die Planung, die durch die bevorstehende Ansiedlung eines großen Logistikzentrums des Otto-Konzerns auf dem früheren AAFES-Areal konkret geworden ist, hat die Stadt einen langen Anlauf genommen. Bereits im Februar 2015 war der Verkehr an zehn Kreuzungen zwischen den Knoten Heyerweg/Grünberger Straße und Rödgener Straße/Udersbergstraße gezählt worden, um auf dieser Grundlage Planfälle zu erstellen und Empfehlungen zu geben.

 

Fast 6000 zusätzliche Fahrten

Ampeln werden empfohlen für die Kreuzung Udersbergstraße/Rödgener Straße, an der Kreuzung der Rudolf-Diesel-Straße und May-Eyth-Straße mit einer neuen Straße, die aus dem Gewerbegebiet kommen wird, am Abzweig Oberlachweg der Rudolf-Diesel-Straße, die auch auf Höhe des Autobahnzubringers Ursulum West mit Ampeln bestückt werden sollte. Ferner sollte auch an der früheren Depot-Hauptzufahrt (jetzt Lilienthalstraße) künftig eine Ampel stehen. Hier und an der Planstraße B soll die Feuerwehr, wenn sie zu Einsätzen aus dem neuen Stützpunkt ausrückt, sofort Grün erhalten.

Prognostiziert wurden auch die künftigen Verkehrsmengen, allerdings beschränkt sich die Prognose auf das Otto-Paketverteilzentrum, das Unternehmen Tucker, den Feuerwehrstützpunkt sowie das neue Wohngebiet. Addiert ergeben sich knapp 6000 zusätzliche Pkw- und Lkw-Fahrten pro Tag. Die Hessische Erstaufnahmeeinrichtung sowie die vielen Firmen und Dienstleister, die sich bereits angesiedelt haben und noch ansiedeln werden, wurden nicht berücksichtigt.

Interessant ist eine Projektion, die den Lieferverkehr zum und vom Otto-Lager verteilt. Nur 45 Prozent dieses Verkehrs werden demnach über die Autobahn-Anschlussstelle Ursulum Ost abgewickelt, aber 55 Prozent über die Abfahrt Grünberger Straße der A 485, den Heyerweg und die Rödgener Straße.

Info

Kritik an Verzicht von Gleisanschluss

Bereits vor drei Jahren, als die Otto-Ansiedlung noch gar nicht zur Debatte stand, hat das Regierungspräsidium Gießen darauf gedrängt, dass die Gleisanlagen im früheren US-Depot zum Güterumschlag zwischen Schiene und Straße »bedarfsgerecht« ausgebaut werden. Dies geht aus einer Stellungnahme der Oberen Landesplanungsbehörde vom Februar 2016 hervor. Damals bedauderte das RP, dass die Stadt Gießen diese Vorgabe aus dem Regionalplan Mittelhessen nicht berücksichtige und die Gleisanlagen teilweise überplant habe. Wie berichtet, plant auch Otto keinen Warenumschlag von der Schiene auf Lkw.

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