03. April 2011, 19:00 Uhr

Ostereiermarkt zwischen Tradition und Moderne

Gießen (csk). Zwischen traditionellen Basteltechniken und modernen Airbrush-Arbeiten lagen in der Kongresshalle am Wochenende nur wenige Meter. Der 24. Gießener Ostereiermarkt zeigte auch in diesem Jahr wieder vielfältige Kunsttechniken rund um die bunten Eier.
03. April 2011, 19:00 Uhr
Elisabeth Groch arbeitet mit schlesischer Kratztechnik. (Fotos: csk)

Die frühlingshaft-lockere Atmosphäre konnte allerdings nicht über sinkende Ausstellerzahlen hinwegtäuschen.

Bereits wenige Minuten nach der Eröffnung durch Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz und Armin Gebauer, den Präsidenten des Lions Club Gießen - Justus von Liebig, auch dieses Jahr Ausrichter des Marktes, sitzt Karl Heller an seinem Stand und fertigt Steckkugeln und Orchideenstangen. In mühevoller Kleinarbeit formt der Marburger über seinem Bunsenbrenner die gläsernen Rohlinge, die nach fünf Minuten Abkühlzeit bemalt werden. Unweit der Glaskunstwerke bietet Hannelore Benner mit Klöppelarbeiten verzierte Eier an, ohne sicher zu wissen, wie ihre Werke beim Publikum ankommen. »Meist ist das, was im vorherigen Jahr stark nachgefragt wurde, ein Jahr später der größte Ladenhüter«, fasst sie ihre Skepsis in Worte - und bedient umgehend die nächste Kundin.

Obwohl die bunten Ostereier unter den Exponaten klar in der Mehrheit sind, finden sich auch etliche weitere Produkte auf den Auslagetischen. Von Porzellanfiguren über Schmuck und Kerzen bis zu Taschen und Handtüchern reicht das Angebot der knapp 40 anwesenden Aussteller. Schon unmittelbar nach der Eröffnung drängen viele Osterfreunde in die Kongresshalle, in der diesmal aber mehr Tische als üblich frei bleiben. Ulrike Dalla-Bona, seit vielen Jahren mit ihren Produkten auf dem Markt vertreten, bietet dafür und für die ihrer Ansicht nach im Vergleich zu früher nicht mehr ganz so familiäre Atmosphäre eine eingängige Erklärung: »Die heimischen Vertreter konkurrieren von Jahr zu Jahr mit immer mehr Anbietern, die ihre Produkte nur weiterverkaufen, ohne mit Herz dabei zu sein.« Gegen »moderne« und zugleich handgefertigte Produkte hat die Gießenerin nichts einzuwenden, gehören doch ihre per Airbrush - mit Spraydose oder Spritzpistole - bemalten Eier in genau diese Kategorie.

Die ganze Bandbreite der Arbeiten offenbart sich nur wenige Schritte weiter. Hier erklärt gerade Elisabeth Groch einer Kundin die schlesische Kratztechnik, mit der die Pfälzerin unterschiedlichste Muster auf die Schalen zaubert. »Früher wurden in Schlesien unter Freunden oder in der Nachbarschaft auf diese Weise behandelte gekochte Eier verschenkt, die je nach Farbe und Muster häufig auch eine Botschaft besaßen«, erläutert sie. Weil immer mehr Menschen die symbolträchtigen Mitbringsel aufbewahrten, statt sie zu verzehren, entwickelte sich aus der netten Geste allmählich ein eigenes Kunsthandwerk. Als die Bläserklasse 5 a der Gesamtschule Busecker Tal aufspielt, halten die meisten Besucher im weiten Rund kurzzeitig inne. Seit einigen Jahren haben acht Schulen aus Stadt und Kreis einen festen Platz im Programm des Ostereiermarktes. Die Anna-Freud-Schule etwa bietet österliches Basteln an.

Der Erlös aus Standgebühren und Eintrittspreis fließt erneut in Musikprojekte der beteiligten Schulen. Dafür sowie für das Aufrechterhalten der hiesigen österlichen Tradition dankte Grabe-Bolz dem Lions Club in ihrem Grußwort, nicht ohne den besonders passenden Zeitpunkt der Veranstaltung zu erwähnen. »Dass Petrus uns diesmal derart Pate steht und zusätzlich noch das Frühlingserwachen-Wochenende viele Menschen in die Stadt lockt, macht uns natürlich besonders froh«, erklärte Gebauer, der als Grund für den Termin des gewöhnlich im März stattfindenden Marktes auf das in diesem Jahr besonders späte Osterfest verwies.



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