22. Februar 2010, 15:20 Uhr

Orgelkonzert mit Christoph Koerber in der Johanneskirche

Ein Orgelprogramm, gerahmt von Werken Dietrich Buxtehudes (1637-1707) und Johann Sebastian Bachs (1685-1750), lockte am Sonntag spätnachmittags zahlreiche Musikfreunde in die Johanneskirche.
22. Februar 2010, 15:20 Uhr
Christoph Koerber an der Orgel. (Foto: rw)

Vor gut besetzten Reihen des Gotteshauses präsentierte Kantor Christoph Koerber neben den beiden »Giganten« des Instruments auch Stücke von hierzulande weniger geläufigen Komponisten. Umso interessanter gestaltete sich die reichliche Stunde, die unter dem Motto »Passionszeit« stand.

Mit Buxtehudes Präludium a-Moll bot Koerber einen konzentriert musizierten Einstieg, fein abgestimmt in Hand- und Fußarbeit und von einem volltönenden Dur-Schluss gekrönt. Dem berühmtesten Vertreter der Norddeutschen Orgelschule (zu dem Bach 1705 die 400 Kilometer von Arnstadt nach Lübeck zu Fuß pilgerte) folgte eine Variation des in den Niederlanden nicht weniger bedeutenden Jan Pieterszon Sweelinck (1562-1621), der den Übergang von Renaissance zum Barock markiert und auch die Norddeutsche Orgelschule beeinflusste. »Mein junges Leben hat ein End« bestach durch schlichte Melodik, die der Organist in gedämpften Farben beginnen ließ. Im Bass umspielt und in zurückhaltend verzierten Variationen, bleibt die Melodie immer durchscheinend; Koerber lockerte sie durch sparsam eingesetzte Registerwahl auf.

Mit Johann Kaspar Kerll (1627-1693) stellte der Kantor einen wenig bekannten Meister des süddeutschen Barocks vor, der mit italienischer Musik in Berührung gekommen war und in München und Wien wirkte. Koerber hatte seine Passacaglia d-Moll ausgewählt. Das Stück bestach durch einen für heutige Ohren »orgelgemäßen« Klang mit lebhaften absteigenden Figuren und kräftigen Farben.

Von besonderem Interesse war ein Totentanz aus »Trois danses« des französischen Komponisten Jehan Alain, der im Alter von 29 Jahren (1940) im Krieg fiel. Er stammte aus einer hochbegabten Musikerfamilie, war hauptsächlich in Paris tätig und hat ein beachtliches ¼uvre hinterlassen; seine Lehrer waren unter anderen Dukas und Dupré. Die 1937 entstandene Komposition lässt mit einem archaisch anmutenden, orientalisierenden Motiv aufhorchen, das in basslastiger Dunkelheit beginnt, zunehmend aufgehellt wird und mit besonderen Klangzauber-Effekten die virtuose Französische Schule eines Charles Widor verrät (dieser starb 1937 in Paris). Wer am Sonntag auf der Galerie der Kirche Platz genommen hatte, konnte hier die wahrhaft sportive Leistung Koerbers am dreimanualigen Spieltisch und die Arbeit seiner aufmerksamen Helferin an den Registerzügen der »Steuerzentrale« bewundern. Meditative Passagen, eine stürmisch bewegte Durchführung mit Lichthöhungen in Form von Tonartwechseln bis hin zum Versinken im düsteren Grundton - ein faszinierendes Stück.

Ganz der Pedalerie verschrieben hat sich William Albright (1944-1998) in seinem »Jig for the feet«. Der aus Indiana/USA stammende Musiker, u. a. Stipendiat bei Messiaen in Paris, hat mit diesem auch als »Totentanz« bezeichneten Opus ein virtuoses Werk für die Füße geschrieben, das der Johanneskirchenkantor perfekt bis hin zu den Glissandi absolvierte.

Jean Sibelius' »Sorgmusik«, ihren herben Farben und der naturhaften Echo-Wirkung am Ende verlieh Koerber romantischen Atem. Ebenso ausdrucksvoll und nuanciert intonierte er zwei Stücke für Orgel von Leos Janacek, das erste verträumt, das zweite bewegter und sehr plastisch.

Zum Abschluss durfte natürlich der Thomaskantor nicht fehlen: Bachs Präludium und Fuge a-Moll erhielt in hochkonzentriertem Spiel und beeindruckender Exaktheit des Anschlags lebendige Konturen im Vorspiel; die rhythmisch strengere Fuge gewann unter den Händen des Organisten ansprechend lichte Klarheit.

Olga Lappo-Danilewski

Schlagworte in diesem Artikel

  • Jehan Alain
  • Johann Sebastian Bach
  • Kantoren
  • Musikverein Griedel
  • Orgelkonzerte
  • a-Moll
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen