14. April 2014, 17:38 Uhr

Orchesterkonzert in der Bonifatiuskirche

Wie konstruktiv sich das schön vereinte Streben Gießener Kirchenmusiker auswirkt, das konnte eine beachtlich große Zuhörerschar am Spätnachmittag des Palmsonntags erleben.
14. April 2014, 17:38 Uhr
Marina Sagorski, Kantorin der Petruskirche, an der Orgel in St.-Bonifatius. (rw) (Foto: Dr. Olga Lappo-Danilewski)

In der Bonifatiuskirche hatten Mitglieder des Gießener Kammerorchesters unter der Stabführung von Christoph Koerber, Kantor der Johanneskirche, zusammengefunden. Marina Sagorski, Kantorin der Petruskirche, ergänzte an der englischen Chororgel das Ensemble und stand solistisch an herausragender Position. Der Hausherr des katholischen Gotteshauses, Pfarrer Hans-Joachim Wahl, begrüßte zum konfessionsübergreifenden Musikerlebnis. Auf dem Programm standen neben Corelli als einzigem Barockmeister Namen von französischen, russischen, englischen und deutschen Komponisten der Romantik und Spätromantik.

Mit Arcangelo Corellis Concerto grosso Nr. 3 c-Moll eröffneten die Streicher, allen voran die Geiger Nils Schüle und Hermann Joseph Wehner sowie Sabine Schuppe am Cello, das Konzert. In den fünf Tempi bewiesen die Musiker Professionalität. Überzeugend das Grave mit dem Ineinandergreifen der Motive; hier förderte der lange Hall im Kirchenraum das Stimmungshafte des Satzes, ebenso ansprechend fiel der Echo-Effekt im Vivace aus. Die raschen, exakt intonierten Teile wirkten in der spezifischen Akustik der Vierung allerdings irriterend verschliffen, und die begleitende Orgel war kaum zu vernehmen. Die günstigere Position im Altarraum war für den Klangkörper wohl räumlich nicht zu realisieren gewesen.

Gelungen im Hörambiente dagegen präsentierte sich Musik des 19. Jahrhunderts, beginnend mit einem Stück der französischen Romantik, »Marche Elégique« des Organisten und Komponisten Alexandre Guilmant. Hier dominiert der Orgelpart, und die verträumte, melancholische Melodie wird von den Streichern weitergetragen. Geschlossenheit und dramatischer Aufbau mit Klimax und dem Verklingen im Raum gefielen. Eingängig auch die gefällige Serenade für Streicher von 1891 des Russen Wassilij Kalinnikow mit ihrem Pizzicato-Einlagen. Hier und auch bei Edward Elgars Serenade für Streicher dominierte die elegische Note, und fließende Melodik sorgte für ein ausgewogenes Hörbild in den neogotischen Gewölben. Koerber am Pult entlockte dem dreisätzigen Opus 20 zarte Nuancen und diskretes Pathos. Und als die Abendsonne den Chorraum in strahlendes Licht tauchte, während die Streicher im Dämmer des Kirchenschiffes das Larghetto mit Dämpfer schweben ließen, da stellte sich synästhetischer Zauber ein...

In Joseph Gabriel Rheinbergers Orgelkonzert F-Dur konnte Marina Sagorski mit brillantem Spiel und beherztem Zupacken auf den beiden Manualen sowie lebhafter Beinarbeit dem interessanten Instrument majestätisches Klangbrausen ebenso wie feinste Schattierungen durch Registerwahl entlocken. Spätromantik mit geradezu wagnerschen Anklängen unterstrichen die hinzugekommenen drei Hörner (Volker Michel, Antje Ott und Vanhoc Hoang). Verträumt und mit barocken Zitaten das Andante, bewegt und plastisch der Schlussatz mit langem Orgel-solo. Das farbenreiche Werk kulminierte in einer optimistischen Coda mit Hornruf, Streicherakzenten und Orgel-Tutti. Ein effektvoller Schluss eines beeindruckenden Hörerlebnisses! Olga Lappo-Danilewski

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