17. Juni 2019, 21:28 Uhr

Oh là là statt Schniposa

17. Juni 2019, 21:28 Uhr
Im »Global Village« rund um die Theke im »Lokal International« informieren 50 Initiativen über ihre Projekte. (Foto: csk)

Interkulturalität geht gerne mal durch den Magen. Als vor zehn Jahren die ehemalige Abendmensa im Eichendorff-ring wieder eröffnet wurde, waren viele Stammgäste aber zunächst enttäuscht. So erinnert sich Julia Dinslage. Sie leitet das »Lokal International«, das internationale Begegnungszentrum der Justus-Liebig-Universität und des Studentenwerks Gießen, das 2009 in das frühere Mensagebäude mitten im Studentendorf einzog. Statt Schnitzel mit Pommes und Salat (»Schniposa«) gab es nämlich fortan Sprachkurse, Länderabende und Livemusik. Eines war bei der Geburtstagsfeier des Lokals am Donnerstagabend allerdings nur schwer zu übersehen: Essen und Trinken spielten hier auch nach der Umwidmung stets eine wichtige Rolle.

Das offenbarten Olga Nikolaeva, Tarik Mouhib und Narcisse Kenta. In einer Talkrunde plauderten die ehemaligen studentischen Mitarbeiter mit Dinslage unter anderem über marokkanische Kochabende, nepalesische Feiern samt Zubereitung von fünf kompletten Schafen und die Anfänge als »Bar mit Brettspielen und ein paar Büchern« (Nikolaeva). Einig waren sich alle drei, dass sie dabei mehr als einen Arbeitsplatz beschrieben. So nannte Mouhib das Lokal »einen der wichtigsten Orte« in seinem Studium. Und Kenta erzählte, wie der einst »sehr schüchterne« Student aus Kamerun an den Begegnungen mit Menschen aus aller Herren Länder nach und nach gereift sei: »Alle diese Erfahrungen kamen nur, weil ich zugesagt habe, abends hinter der Theke zu stehen.«

Bis heute waren laut Dinslage 50 Studenten für das »Lokal International« tätig. Aktuell kümmern sich 14 Mitarbeiter, darunter neun studentische, um das Zentrum, das jährlich von rund 10.000 Gästen besucht wird. Eine »große Herausforderung« sei nach wie vor, alle »Communitys« internationaler Studenten gleichermaßen zu erreichen, erklärte die Leiterin. »Das ist für uns ein Lernprozess, der nie endet.« JLU-Präsident Prof. Joybrato Mukherjee betonte in seinem Grußwort, dass Internationalisierung an der Uni einen immer höheren Stellenwert genieße. Sei sie bei der Lokal-Eröffnung 2009 noch »sozusagen ein Gedöns-Thema« gewesen, so gelte sie mittlerweile als »ernste Sache«. Zu Recht, meinte Mukherjee: »Was Sie hier machen, hat enorme Auswirkungen.« Für das Studentenwerk gratulierte der stellvertretende Geschäftsführer Tilman Dabelow.

Nach dem offiziellen Teil der Feier folgte ein »Global Village« genanntes Informations- und Vernetzungsprogramm. Rund um die Theke im Lokal präsentierten sich 50 Initiativen von der Universität, aus der Studentenschaft und aus der gesamten Stadt - von Arbeiterkind.de über die Muslimische Hochschulgemeinde bis hin zur Giennale und der Aidshilfe. Natürlich musste man das Thema »Internationalität« auch dort nicht lange suchen. Inmitten des Trubels warben beispielsweise Boris Pavlovic, Younis Zobi und Assli Demircan für die Ausländische Studierendenvertretung beim AStA. Ein paar Meter weiter berichteten Sarah Schaller und Helina Schäfer als Vertreterinnen der studentischen Austauschorganisation AIESEC über die ehrenamtliche Arbeit in sozialen und Umweltprojekten rund um den Globus.

Schließlich mündete der Abend in ein musikalisches Open-Stage-Programm mit zahlreichen Bands. Am Samstag stieg Teil zwei der Feierlichkeiten. Bei einem »Do-it-yourself-Festival« gab es rund um das »Lokal International« diverse Workshops, eine Kreativolympiade sowie Livemusik.

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