04. Oktober 2019, 21:32 Uhr

»Nummer 6« lebt

04. Oktober 2019, 21:32 Uhr
Mitglieder der Fangruppe »nr6de« fahren jährlich zur »Prisoner«-Convention nach Wales, um dort die Fantasiewelt der Kultserie wieder aufleben zu lassen. Dabei wird auch schon mal ein Schachspiel mit echten Figuren nachgespielt. (Foto: pm)

Es war am 16. August 1969 als der damals 13-jährige Arno Baumgärtel ein Aha-Erlebnis der ungewöhnlichen, aber offenbar nachhaltigen Art hatte. Damals sah der Gießener im ZDF, versteckt im Nachtprogramm, die deutsch-synchronisierte Version der britischen BBC-Kultserie »The Prisoner«, die unter dem deutschen Titel »Nummer 6« ausgestrahlt wurde. Seitdem ist Baumgärtel Fan - und teilt seine Leidenschaft auch gerne mit anderen.

Er betreibt eine Website (match-cut.de/nr6de/nr6de.htm) und reist immer mal wieder mit anderen Mitstreitern zur »Prisoner«-Convention nach Wales, wo auch schon mal ein »lebendes Schachspiel« aus einer der Episoden nachgestellt wird.

Gemeinsam mit weiteren Fans der Gruppe »nr6de« - fünf Mitglieder leben in Hessen, andere in NRW - würdigt Arno Baumgärtel 50 Jahre nach der deutschen Erstausstrahlung am Samstag, 12. Oktober, ab 11 Uhr im Nordstadtzentrum (Reichenberger Straße 9) die Leistung von Hauptdarsteller, Drehbuchautor und Regisseur Patrick McGoohan und seine Kultserie mit einem ganztägigen Programm. Vor zehn Jahren hatte er schon einmal zu einer entsprechenden Veranstaltung ins Bürgerhaus Kleinlinden eingeladen. Damals reisten Anhänger der Kultserie aus ganz Deutschland an.

Diesmal Geplant sind Diskussionsrunden, eine Ausstellung, Gesprächsrunden mit interessanten Gästen und die Aufführung eines von »nr6de«-Mitglied Jürgen Staeder geschriebenen und inszenierten Theaterstück. Dieses wird über den Tag verteilt von der Theatergruppe des »Touring Theatre« in einzelnen Episoden aufgeführt. Bemerkenswert: Bis auf den Autor und einen weiteren Mitspieler hatte keiner der Darsteller vorher irgendetwas mit der Serie »Nummer 6« zu tun.

Theaterstück und Fan-Gespräche

Eingeladen ins Nordstadtzentrum ist auch Eric Mival aus England. Er war 1967 an der Produktion der Originalserie »The Prisoner« als assistant editor und music editor beteiligt und mit Patrick McGoohan befreundet. McGoohan war Schauspieler, Derhbuchautor, Regisseur und produzent. In den 1960er jahren war er durch die Rolle als »John Drake« Großbrittaniens bestbezahlter Schauspieler, galt es Anwärter auf die Rolle des James Bond. Doch McGoohan lehnte aus moralischen Gründen ab.

Ins Nordstadtzentrum kommen sollte auch Bernd Rumpf, die deutsche Synchronstimme von McGoohan in vier von ARTE 2010 synchronisierten Episoden. Doch er musste erkrankt absagen. Aber Alan N. Shapiro, US-Mediensoziologe, Computerwissenschaftler und Philosoph mit Wohnsitz in Frankfurt, wird berichten, warum er erklärter Fan der Serie ist.

»Nummer 6« (Originaltitel: »The Prisoner«) ist eine britische Fernsehserie aus dem Jahr 1967 von Patrick McGoohan, der auch die Hauptrolle eines hochrangigen Regierungsangestellten spielte. Die Serie hat international Kultstatus erlangt und gilt als Vorläufer zu späteren Mystery-Erfolgen wie »Twin Peaks« oder »Akte X«.

»Bei der Beschäftigung mit ›Nummer 6‹ geht es nicht nur um die surrealistische Handlung, es kommt auch ein persönliches, individuelles Element ins Spiel«, schwärmt Arno Baumgärtel. »Damals, 1969, war Fernsehen als solches neu. Jede Sendung hatte einen gesellschaftlichen Stellenwert. Ich erinnere mich daran, dass die Leute wochenlang über ›Die Gentlemen bitten zur Kasse‹ geredet haben, ›Auf der Flucht‹ oder auch, vorher schon im Kino, über Hitchcocks ›Psycho‹.«

Der Inhalt von »Nummer 6«, das als Meilenstein der Fernsehunterhaltung gilt und Erzähl- und, Sehgewohnheiten der Zeit aufbrach, ist hochspannend und mysteriös, ausgeflippt und allegorisch. Es tauchen in den einzelnen Folgen immer wieder Dinge mit Wiedererkennungswert auf: ein Hochrad, ein weißer Ballon oder ein Schachspiel. Als die namenlose Hauptperson ihre Agententätigkeit beim britischen Geheimdienst beendet, wird sie an einen abgelegenen Ort verschleppt und dort als »Nummer 6« festgehalten. Alle Bewohner des Ortes bleiben namenlos, tragen lediglich Nummern. Der oft wechselnde Leiter des Ortes, »Nummer 2«, versucht in jeder Folge, den Grund für die Kündigung von »Nummer 6« herauszufinden. Im Gegenzug versucht »Nummer 6«, die Identität des Oberhauptes, »Nummer 1«, zu lüften und dem Ort zu entkommen.

Übrigens: Die letzte Folge der Originalserie löste wegen des vielfach interpretierbaren Schlusses stürmische Proteste bei den englischen Zuschauern aus. Patrick McGoohan musste zeitweise sogar untertauchen, da ihm Fans vor seinem Haus auflauerten. Er zog mit seiner Familie nach Kalifornien, wo er bis zu seinem Tod 2009 lebte.

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