Stadt Gießen

Nokia-Schelte, Merkel-Lob und flotte Sohlen

Gießen (elo). Büttenreden sind das Salz in der Suppe bei einer Fassenachtssitzung. Da können Tanz und Gesang noch so mitreißend sein - wenn es den Rednern nicht gelingt, das Publikum zu gewinnen, drückt das die Stimmung erheblich. Umso mehr dürfen sich Gießens Narren freuen, mit »Schlammbeiser« Axel Pfeffer (siehe unten) und »Till« Hans-Peter Gumtz seit vielen Jahren zwei versierte Männer in der Bütt zu haben, deren Auftritte zu den Höhepunkten der Großen Prunksitzung der Gießener Fassenachts-Vereinigung (GFV) zählen. Das war auch Samstagabend nicht anders. Doch beide hatten dieses Mal prominente Verstärkung erhalten, nämlich »Opa« Heinz Meller und »Landarzt« Klaus Freier.
04. Februar 2008, 09:16 Uhr
AZ-Redakteur Hans-Peter Gumtz
AZ-Redakteur Hans-Peter Gumtz

Gießen (elo). Büttenreden sind das Salz in der Suppe bei einer Fassenachtssitzung. Da können Tanz und Gesang noch so mitreißend sein - wenn es den Rednern nicht gelingt, das Publikum zu gewinnen, drückt das die Stimmung erheblich. Umso mehr dürfen sich Gießens Narren freuen, mit »Schlammbeiser« Axel Pfeffer (siehe unten) und »Till« Hans-Peter Gumtz seit vielen Jahren zwei versierte Männer in der Bütt zu haben, deren Auftritte zu den Höhepunkten der Großen Prunksitzung der Gießener Fassenachts-Vereinigung (GFV) zählen. Das war auch Samstagabend nicht anders. Doch beide hatten dieses Mal prominente Verstärkung erhalten, nämlich »Opa« Heinz Meller und »Landarzt« Klaus Freier.

Beide verfügen über reichlich Fernseh-Erfahrung, wie man ihren gelungenen Beiträgen anmerkte. Ansonsten bot die Prunksitzung in der mit über 400 Gästen sehr gut gefüllten Kongresshalle den bewährten Mix aus Tanz und Gesang und hielt wie immer die eine oder andere Überraschung bereit. So vergingen die insgesamt viereinhalb Stunden wie im Fluge. Seinen Beitrag dazu leistete Sitzungspräsident Werner Nohl, der routiniert und mit manch lockerem Spruch auf den Lippen das Kommando führte.

Wie schon in der bisherigen Kampagne zeigte der von Prinzessin Anja I., Hofstaat und Artilleriekorps begleitete Prinz Günter I., dass in ihm ein echter Fassenachter steckt, als er die Gäste begrüßte. Doch bevor es richtig losgehen konnte, galt es, einige Ehrungen vorzunehmen. So wurden Ellen Drescher und der nicht anwesende Walter Steinbrecher von Burghardt Hofmann und GFV-Präsident Franz Koch mit dem Großen Verdienstorden der Interessengemeinschaft Mittelrheinischer Karneval bedacht, während Susi Vollmöller für 44-jährige Vereinszugehörigkeit geehrt und Thomas Hofmann zum Generalhofmarschall befördert wurde.

Nach den viel umjubelten Auftritten von Ari, Kadetten, Möhnen und den »Proseccos«, die vom Prinzen Günter Helmchen als Dieter-Thomas-Heck-Duplikat verstärkt wurden, betrat »Till« Hans-Peter Gumtz als Erster die Bütt. Er widmete sich aktuellen Themen wie Rauchverbot, Dschungelcamp und Hessenwahl. »Wer zu heiß kocht, der liefert Rauch«, war seine Begründung für die enormen CDU-Verluste. »Seitdem weiß Koch, dass er nicht überhitzen darf. « Dem Handy-Hersteller Nokia las der Till ebenfalls die Leviten: »Arbeitsplätze sind den Finnen egal, die sind wie von Sinnen.« Unterstützung bekam dagegen die Bundeskanzlerin, der er zur Ablehnung eines Afghanistan-Kampfeinsatzes gratulierte. »Lady Merkel, bleibe eisern«, rief er ihr zu, während er von den Lokführer-Streiks genug hatte und der Bahn »Null Service« vorwarf: »Ein ganzer Zug, und gar kein Lokus.«

Nach einem Auftritt der GFV-Midis erfuhr das Publikum von »Landarzt« Klaus Freier, nicht gerade standesgerecht kostümiert mit Perücke und roter Nase, wie es einem Mediziner in der Provinz ergeht, wobei er mit pikanten Details nicht zurückhielt. Wie sein Vorredner für reichlich Lachsalven sorgte auch »Opa« Heinz Meller aus Mainz, der als Stimmenimitator glänzte und von Brandt über Kohl bis Strauß sowie Carrell und Erhardt allerlei Prominenz aus Politik- und Showleben »mitgebracht« hatte. Zwischendurch hatten die »Chocolates« der GFV sowie das Tanzpaar Lena Preis und Marco Hofmann eine flotte Sohle aufs Parkett gelegt. Das galt ebenso für die drei Tanzmariechen Elena Fischer, Anika Hain und Sarah Weissner, während die Mitglieder von »Voices Eleven« in Seemanns-Tracht und unterstützt durch »Till« Gumtz als Gastsänger ein Hochlied auf die Prunksitzung anstimmten.

Längst nicht so elegant, dafür aber umso spektakulärer war der Auftritt der GFV-»All-Stars«. In ihren Cheerleader-Outfits waren die unter den Perücken steckenden Ex-Prinzen erst auf den zweiten Blick zu erkennen. Ihre Darbietung kam so gut an, dass sie als Zugabe den gesamten Tanz wiederholten. Was professionelle Anfeuerinnen draufhaben, zeigten etwas später die »Galaxy Dancers«, bis vor kurzem Einheizer des Football-Teams Frankfurt Galaxy. Sexy gekleidet und mit lasziven Bewegungen wurden sie erst nach einer Zugabe von der Bühne gelassen. Diese betrat schließlich Bärbel Nohl und läutete damit das Finale ein, zu dem sich noch einmal alle Beteiligten ihrem begeisterten Publikum präsentierten.

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