17. Mai 2016, 19:43 Uhr

Nie mehr Flüchtlingskrise?

Gießen (mö). Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) und die Bundesländer lernen aus der Flüchtlingskrise. In den neuen »Ankunftszentren« machen die Behörden gemeinsame Sache. Hier soll – unter einem Dach – alles schneller gehen.
17. Mai 2016, 19:43 Uhr
BAMF-Chef Frank Weise (r.) bei der Pressekonferenz im neuen »Ankunftszentrum«. Links Sozialminister Stefan Grüttner und RP Christoph Ullrich. (Foto: Schepp)

Nur noch durchschnittlich 50 Flüchtlinge kommen derzeit täglich in Hessen an. Zur Erstaufnahme dieser Menschen braucht es keine 260 Mitarbeiter und auch kein für sieben Millionen Euro grundsaniertes Gebäude mit 10 000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche. Das einzige hessische »Ankunftszentrum« ist denn auch keine Investition in die Gegenwart, sondern eine in die Zukunft und in die Vergangenheit des Krisenjahrs 2015. Denn im »Gebäude 7« im früheren US-Depot soll das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) bis Jahresende einen gewaltigen Rückstau aufarbeiten. »Das werden wir schaffen«, kündigte BAMF-Chef Frank Weise am Dienstag bei seinem Besuch auf der Baustelle in Gießen an.

Das Ankunftszentrum, das im kommenden Juni betriebsbereit sein soll, ist das 18., das die Bundesländer und das BAMF gemeinsam betreiben, sechs weitere werden noch folgen. In dem noch eingerüsteten Gebäude neben dem Alpine Club werden künftig unter einem Dach die Asylbewerber von der HEAE registriert, erkennungsdienstlich behandelt und medizinisch erstuntersucht, zudem werden sie hier ihren Erstantrag auf Asyl beim BAMF stellen. Zu diesem Zweck werden an der Rödgener Straße 160 Mitarbeiter der Bundesbehörde zusammengezogen, weitere 100 Mitarbeiter der HEAE sollen in dem Zentrum arbeiten. Bis zu 600 Asylbewerber könnten hier täglich die verschiedenen Stationen von HEAE und BAMF »kreuzungsfrei« durchlaufen, hieß es.

In dem 1935 errichteten und nun vom Gießener Depot-Eigentümer Daniel Beitlich (Revikon GmbH) sanierten Militärgebäude soll vor allem das BAMF richtig Gas geben. Nach Schätzung von Weise haben bundesweit etwa 250 000 Flüchtlinge noch gar keinen Asylantrag gestellt, weitere 430 000 Anträge seien noch nicht beschieden worden. Die HEAE wird deshalb auch Flüchtlinge aus ihren Außenstellen ins Gießener Ankunftszentrum transportieren, damit sie dort – oft nach monatelangem Warten – ihren Asylantrag stellen können. Weise: »Wir müssen die Wartezeiten verkürzen. Nur drei bis fünf Prozent dieser Zeit geht für das eigentliche Asylverfahren drauf, der Rest ist Warterei.« (Mehr in der Druckausgabe vom Mittwoch oder im E-Paper)

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