08. Juni 2017, 21:05 Uhr

Newcomer der Künstlerszene

08. Juni 2017, 21:05 Uhr
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Von Saskia Elisa Sophie Nagel
Drei Gießener Künstler arbeiten an der neuen Ausstellung im Gewölbekeller zusammen. (sis)

Wer ist die Schönste im ganzen Land? Schneewittchen! Und wer malt die schönsten Bilder? Wer spachtelt, illustriert, porträtiert am besten? Diese Frage klärt sich aktuell im Seltersweg bei der Eröffnung der neuen Ausstellung »Spieglein, Spieglein« in der Galerie 23. Deren Köpfe, Andrea Lührig und Mirko Westermayer, haben drei inspirierende Künstler zusammengeführt, die aus dem Kellergewölbe neben dem Ulenspiegel einen bunten und bis ins Detail faszinierenden Ausstellungsraum gezaubert haben. Drei Künstler, die ihren eigenen Blick auf die Gattung Mensch zeigen. Weil ihre Bilder, die sie an der Martin-Buber-Schule aushängen hatte, eine Kollegin überzeugten, kam die 16-jährige Katharina Beitz zu einem Praktikum in der Werkstatt der Lebenshilfe. »Wir haben viele Leinwände gekauft – große und kleine. Die sind jetzt alle vollgemalt«, erzählt Westermayer vom überbordenden Kreativitätsfluss der Schülerin. »Sie musste dann noch ein zweites Praktikum bei uns machen«, denn ihr Bild von Schneewittchen und den sieben Zwergen war quasi »eine halbe Auftragsarbeit« für Beitz. »Wir haben uns mit dem Titel schwergetan«, meint Organisator Westermayer. Doch wer genau schaut, erkennt, dass auch der zweite Künstler in der Runde, Ralf Weber, mit dem Prinzip der Spiegelung arbeitet. Bereits seit 2011 ist der Mittvierziger in der Lebenshilfe bekannt. Er malt ausschließlich Männer. »Wir haben ihn für die neue Ausstellung gebeten, eine Frau zu malen«, erklärt Westermayer. Ein Schneewittchen? Ob es tatsächlich eine geworden ist, bleibt dem Betrachter überlassen. Weber nutzt Ölkreide und schafft sehr farbenfrohe Abbilder von Figuren. Die »Frau« hat zwei Gesichter und greift so das Leitmotiv des Ausstellungstitels auf.

Das Faszinierende an den Bildern der Newcomerin Beitz ist neben der sehr präzisen Linienführung und einer harmonischen Farbgestaltung die kokonartige Umrandung der figürlichen Motive, die die Haarpracht der Personen darstellen.

Mit Sebastian Niepoth ist auch ein Shootingstar der Gießener Künstlerszene vertreten. Im April 2016 begann seine Erfolgsgeschichte über die Zwischenraumnutzung von Florian Seel in der Bahnhofstraße 58. Das war die erste Ausstellung des gelernten Grafikers, die kurz darauf ins Rathaus wanderte und schnell ausverkauft war. Niepoth greift für seine Arbeit auf ungewöhnliches Material zurück: Acrylfarbe aus Spraydosen. Diese wird gespachtelt und erzeugt mit speziellen Stiften, die in der Graffitikunst verwendet werden, einen unvergleichbaren Glanz. Er arbeitet abstrakt, doch für die Galerie 23 hat Niepoth auch »eher figürliche« Sachen angefertigt. Die Vernissage findet heute um 19 Uhr statt. Die Ausstellung ist bis zum 2. September zu sehen.



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