02. Januar 2015, 12:43 Uhr

Neujahrskonzert macht Ja-ba-da-ba-daa

Böller, Barden und Balladen: Das muntere Neujahrskonzert mit viel Vokalmusik im Stadttheater steht unter der Leitung von Jan Hoffmann.
02. Januar 2015, 12:43 Uhr
Chöre und Orchester vereint: Nach der Pause dirigiert Jan Hoffmann sein vielköpfiges Ensemble mit deutlichen Gesten. (Foto: Regel)

Er hat das Triple geholt: Weihnachts-, Silvester- und Neujahrskonzert gehen auf das Konto von Jan Hoffmann. Bei seiner Premiere am Pult des ersten Konzertereignisses im noch jungen Jahr schöpfte der Chordirektor des Stadttheaters aus dem Vollen und zündete so viel Vokalmusik wie nie zuvor. Mehr als 20 Titel und Menschenmassen auf der Bühne – im bis auf den letzten Platz besetzten Großen Saal zeigten sich die Ausführenden am Donnerstagabend unter seiner Gesamtleitung in bester Laune: der Opern- und Extrachor des Stadttheaters, der Kinder- und Jugendchor (Leitung: Martin Gärtner), der Oberstufenchor der Liebigschule (Leitung: Peter Schmitt), das Schloss-Ensemble Ludwigsburg (Leitung: Hoffmann), die Schmachtigallen (Hoffmann, Roland Furch, Severin Geissler, Martin Ludwig und Christian Richter als Gast) sowie das Philharmonische Orchester.

Lang anhaltender Applaus war am Ende der Lohn für einen Parforceritt durch die Stile und Epochen. Musiziert wurde alles, was bei drei nicht auf den Bäumen war – von Händel über PDQ Bach bis Rammstein. Für die Moderation waren Poetry-Slammer Lars Ruppel und der 13-jährige Lukas Hasecke zuständig, der im zweiten Teil als kleiner Lord vom Ort von sich reden machte und in einem Werk von Britten das Orchester erklärte. Der Lars ruppelte reimend durch den ersten Abschnitt und erklärte seine Sicht der Chor- und GEMA-Dinge. Nach der Pause betätigte er sich postpubertär charmant als Moderator mit Hip-Hop-Genen.

»Te lucis ante terminum« von Thomas Tallis mit Knabensopran Lorenz Oehler und den Schmachtigallen eröffnete das Konzert feintönig. Dem munteren »Dubidu-Calypso-Dubidu« von Uli Führe, basierend auf einer Händel-Vorlage, folgte früh ein vokales Feuerwerk: das a cappella dargebotene »Alla turca« von Mozart. Die Schmachtigallen tirilierten leichtfüßig ihr Ja-ba-da-ba-daa – das fürs Klavier komponierte Aperçus gehört zum neuen Programm der Bardenbande.

Der Oberstufenchor der Liebigschule präsentierte Stücke von Rutter, Ray, Moore und ermunterte den »Engel« von Rammstein zu Höhenflügen. Die Damen des Haus- und Extrachors ließen »Der Gärtner«, das Schloss-Ensemble Ludwigsburg »Die Nachtwache« (beides von Brahms) transparent erklingen. »Hymn to Saint Cecilia« von Britten formte der Haus- und Extrachor zum musikalischen Höhepunkt, ehe der erste Marsch aus »Pomp and circumstance« von Elgar in einem Arrangement des Stadttheaterehrenmitglieds Herbert Gietzen alle Chöre auf den Plan rief.

Vor der Pause waren nur einzelne Musiker zu hören, im zweiten Durchgang durfte das komplette Orchester auf die Bühne. Dem Barockklang gehörte auf dem Papier die erste Hälfte dieses Abschnitts, wobei sich mit PDQ Bach ein vermeintlicher Bach-Sohn ins Programm schlich, der auf den Namen Peter Schickele hört, amerikanischer Musikprofessor ist, 1935 zur Welt kam und PDQ erfunden hat – Besucher des Neujahrskonzerts vom vergangenen Jahr haben den Namen mitsamt der schrägen Instrumentierung noch in Erinnerung. PDQ steht für pretty damn quick, was so viel bedeutet wie verdammt schnell. Also flog das Orchester durch PDQs »Classical Rap« – den Ruppel verbal aufhippte – und die »Ouverture 1712« mitsamt berstenden Luftballons. Von Händel spielte das Orchester den »Einzug der Königin von Saba« aus dem Oratorium »Salomon« und, unterstützt von den Chören, »Zadok the priest«, das erste von vier Coronation Anthems.

Am Schluss noch einmal »Pomp and Circumstance op. 39 Nr. 1« von Elgar, dahingeschmettert vom Orchester und den versammelten Chören. So viel Sangeswucht zum neuen Jahr ließ die Blutkreisläufe schneller in Schwung kommen, als es manchem lieb gewesen wäre. Am Ende überreichte Intendantin Cathérine Miville den mehr als 200 Mitwirkenden Rosen. Zu einer Zugabe kam es verblüffenderweise nicht.

Manfred Merz

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