02. Januar 2012, 19:48 Uhr

Neujahrskonzert im Stadttheater macht Laune

Mit »Satellite« in den Orbit gestartet: Das Neujahrskonzert im Stadttheater begeistert unter dem Motto Crossover. Christoph Pauli moderiert und sitzt als Tausendsassa am Flügel.
02. Januar 2012, 19:48 Uhr
Applaus, Applaus, Applaus: Veronika Todorova, Herbert Gietzen, Christoph Pauli, Kerstin Heiles und Pat Lawson (v. l.) genießen gemeinsam mit dem Orchester die Ovationen des Publikums. (Foto: Rolf K. Wegst)

Wie gut so ein Jahreswechsel tut: Beethoven und Tschaikowsky mit Orchester, E-Gitarre, E-Bass und Schlagzeug, ein italienischer Tango, Piazzolla-Grandezza und weitere rhythmische Bluthochdruckvariationen – die musikalische Mischung des Neujahrskonzerts am Sonntag im Stadttheater war so bunt wie die Akteure auf der Bühne mit Power bedacht. Unter dem Motto Crossover luden Generalmusikdirektor Herbert Gietzen und sein Philharmonisches Orchester sowie Christoph Pauli und seine dreiköpfige Late Night Band im Großen Haus zu einem prickelnden Parforceritt durch die Gattungen und Stile. Unterstützt wurden sie von den Sängern Kerstin Heiles und Pat Lawson. Veronika Todorova zeigte am Akkordeon ihr Können.

Nachdem Intendantin Cathérine Miville das Publikum begrüßt hatte, sorgte der in Gießen gut bekannte Pauli mit launigen Moderationen für die Lacher, das gelang Gietzen ein ums andere Mal ebenso.

Der Beginn des 1. Satzes aus Tschaikows-kys erstem Klavierkonzert, den Pauli, unterstützt von Band und Orchester, aus dem Flügel bollerte, brachte den voll besetzten Großen Saal in Fahrt. Bei den »Sinfonischen Tänzen« aus Bernsteins »West Side Story« stimulierte das Orchester beim treibenden Mambo erfolgreich nicht nur die Beckenmuskulatur des Publikums.

Die Crossover-Revue von Pauli und Band mauserte sich zum musikalischen Höhepunkt. Der Muntermacherpianist und Arrangeur präsentierte den »Türkischen Marsch« von Mozart in seiner eigenen Lesart – ein bisschen Dave Brubeck gesellte sich dazu. Bei Bach ließ das Jacques-Loussier-Trio grüßen. Auch Dvorak und Chopin mischten mit; immer dabei: der Jazz von Pauli.

Keinen leichten Stand hatte danach Gershwins »Rhapsody in Blue«, die Pauli mit dem Orchester zelebrierte. Dazwischen streuten Gietzen und der Pianist einen Abriss aus Beethovens Fünfter in der »Saturday Night«-Fassung ein.

Ravels »Bolero« brachte den pulsierenden Hype nach der Pause – das Orchester markierte einen Glanzpunkt. Veronika Todorova zog den dritten Satz, das Presto, aus Piazzollas »Concerto Aconcagua«; die Philharmoniker begleiteten souverän. Wer sich nicht entscheiden konnte, welches sein Lieblingsstück des Abends war, der wurde – bitte anschnallen! – nach einem italienischen Tango von Gietzens Version des Lena-Hits »Satellite« – à la Bach, Mozart und Brahms – in den Orbit katapultiert. Am Flügel: Evgeni Ganev; am Mikrofon: Kerstin Heiles.

Das Adagio von Tomaso Albinoni erfuhr in der Heiles-Version jede Menge Groove dank der charismatischen Sängerin. Noch eins drauf setzte sie mit dem Joe-Cocker-und-Jennifer-Warnes-Hit »Up where we belong«, bei dem sie sich gemeinsam mit Pat Lawson in die Herzen der Zuschauer sang.

John Miles »Music«, interpretiert von Heiles und Lawson, der mit zu viel Hall ausgesteuert war, setzte den euphorisierenden Schlusspunkt – das Orchester ging im Sound von Schlagzeug, Elektrobass und Elektro-
gitarre unter. Das frenetisch applaudierende Publikum erklatschte sich eine Zugabe aus dem Hause Johann Strauß und Sohn, von Gietzen rhythmisch aufgepeppt und gleich zweimal zum Besten gegeben. Rauschender Applaus, Standing Ovations und prickelnde Laune allenthalben.

Manfred Merz

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