24. März 2013, 21:23 Uhr

Neues Zahlen-Buch von Beutelspacher

Gießen (kw). »Eins, zwei, viele« – was das heißt, wissen sogar manche Tiere. Wie kam der Mensch auf »drei, vier« und immer weiter? Vielleicht beim Musikmachen und Tanzen? Warum findet sich auf einem 20 000 Jahre alten Knochen eine Reihe von eingekerbten Primzahlen? Wozu ist die »Eulersche Zahl« oder das unendliche Pi gut?
24. März 2013, 21:23 Uhr
Sein Fach vermittelt Prof. Albrecht Beutelspacher nicht nur als Direktor des Mathematikums, sondern immer wieder auch in Büchern. Sein neuestes Werk widmet sich den »Zahlen«. (Foto: Schepp)

Antworten sucht Prof. Albrecht Beutelspacher in seinem neuen Buch »Zahlen. Geschichte, Gesetze, Geheimnisse«. In der Reihe »Wissen« des Verlags C.H. Beck erschienen, ist es nicht ganz so allgemeinverständlich wie die Bestseller des Direktors des Gießener Mathematikums. Aber auch Laien könnten beim Lesen erfahren, »welche wahnsinnigen geistigen Abenteuer in der Welt der Zahlen stecken«, sagte Beutelspacher im Gespräch mit der Gießener Allgemeinen Zeitung.

»Was ist eigentlich eine Zahl?« Das sollte ein Mathematiker wissen, möchte man meinen. Doch gerade für Experten sei »diese Frage richtig schwer zu beantworten«, stellte Beutelspacher bei der Arbeit an dem Band fest. »Hört das eigentlich nie auf? Braucht man all diese Zahlen?« – diese Stoßseufzer hat er selbst im Vorwort formuliert. Für ihn steht fest: Zahlen sind »besonders faszinierend«, bieten einen wahren Reichtum an Erfahrungsmöglichkeiten und beschreiben unterschiedlichste Sachverhalte. Manche ihrer Geheimnisse seien bis heute ungelöst.

Wie kam der Mensch auf die Zahlen? Vielleicht zuerst, um Dinge zu zählen. Außerdem, um Preise für Waren festzulegen – Kaufleute des Mittelalters jonglierten täglich mit Brüchen. Schließlich, um Prozesse abstrakten Denkens festzuhalten. Das Buch schildert, wie Thales und Pythagoras vor rund 2500 Jahren Figuren aus Steinchen legten, um Gesetze wie »Ungerade plus ungerade ist gerade« zu belegen. Noch älter ist das erste bekannte »magische Quadrat«, das schon vor mehr als 4000 Jahren auf einen Schildkrötenpanzer gezeichnet worden sein soll. Die erste Null wurde 786 in Indien nachgewiesen, erst sie ermöglichte das Dezimalsystem.

Sinn von Grenzwerten erläutert

Warum lösten irrationale Zahlen »die erste Krise der Mathematik« aus? Wie hat man früher Zahlen geschrieben? Wie entstand »die Tragödie um die Gleichungen fünften Grades«? Solche Fragen erläutert Beutelspacher so, dass ihn nicht nur Kollegen verstehen können. So erklärt er den Sinn von Grenzwerten anhand einer Geschichte vom Wettrennen zwischen dem schnellen Achill und der langsamen Schildkröte. Außerdem erfährt der Leser, in welche praktischen Anwendungen diese logischen Überlegungen münden, etwa in die Verschlüsselung von Botschaften oder in moderne Strichcodes.

Wem das zu schwierig wird, der kann auf das nächste Vorhaben des JLU-Mathematikprofessors hoffen, der »richtig gern« schreibt, wenn er denn die Zeit dafür findet. Der noch vage Plan: Nach Werken für Kinder und Erwachsene soll ein Buch für Jugendliche entstehen. »Eines, das man vielleicht zur Konfirmation bekommt und das einem dann einige Jahre zur Seite steht.«

Albrecht Beutelspacher: Zahlen. Geschichte, Gesetze, Geheimnisse. Verlag C.H. Beck, München 2013, ISBN 978 3 406 64871 7, 114 Seiten, 8,95 Euro.

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