28. August 2019, 06:00 Uhr

Ex-Hauptpost

Neue Ideen für das frühere Briefsortierzentrum

Eigentlich suchte Mark Pralle Räume für seine Firma »Fabrik 19«. Jetzt wird er damit - nebenbei - im Herbst den Leerstand des ehemaligen Briefsortierzentrums in der »neuen« Hauptpost beenden.
28. August 2019, 06:00 Uhr
Mark Pralle zeigt auf den Plänen, was aus dem seit vielen Jahren leer stehenden ehemaligen Briefsortierzentrum werden soll. (Foto: mac)

Die alten Türschilder sind die letzten Zeugen. In Zimmer 1711 saß einmal der Hausmeister, in der 1713 die Abteilung 39, Personal. Doch es ist lange her, dass es in den Büros in diesem Teil der »neuen« Hauptpost am Gießener Bahnhof noch etwas zu tun gab. Seit vielen Jahren stehen im ersten Stock mehr als ein Dutzend Räume sowie eine gut 1000 Quadratmeter große Halle leer. Sie war eigentlich mal für die Briefsortierung gedacht. Schon bei der Einweihung vor gut 25 Jahren galt die Post-Immobilie mit einer Gesamtfläche von 12 000 Quadratmetern aber als überdimensioniert. Das schwerfällige Staatsunternehmen hatte das 75-Millionen-Mark-Flaggschiff unverdrossen gebaut wie einst geplant, obwohl sich die Zeiten unter anderem durch die Wiedervereinigung und das immer stärkere Aufkommen von Emails verändert hatten. Der Standort war nicht nur zu groß, sondern auch mit Hallen für die elektronische Bearbeitung von Briefen und Paketen gebaut, die für andere Nutzer kaum geeignet sind.

Jetzt aber könnte ein Wendepunkt in der langen Pannengeschichte des Gebäudes erreicht sein. Der Gießener Unternehmer Mark Pralle möchte in der großen Halle und den angrenzenden Büros im Herbst gemeinsam mit einem Geschäftspartner einen sogenannten Coworking-Space eröffnen. Dort werden auf etwa 1800 Quadratmetern Arbeitsplätze - Stuhl und Schreibtisch - und die notwendige Infrastruktur aus Netzwerk, Drucker, Scanner, Fax, Telefon, Beamer und Besprechungsräumen zeitlich befristet zur Miete angeboten. Ein Trend in der modernen Arbeitswelt, der sich auch in Gießen immer mehr durchsetzt und unter anderem bereits im Alten Schlachthof oder in der Raumstation3539 zu finden ist.

Eigentlich war Pralle lediglich auf der Suche nach neuen größeren Büroräumen für sein wachsendes Softwareunternehmen »Fabrik 19«. »Es war aber nichts im Angebot, sodass ich die Suche irgendwann auf Hallen und Lagerflächen ausgeweitet habe«, sagt er. So sei er auf die Hauptpost gestoßen. Da diese Fläche für sein Unternehmen aber wiederum zu groß war, kam Pralle auf die Idee, mit Sebastian Schmidt, dem Gründer des Coworking-Anbieters »Sleeves Up!« aus Frankfurt, zu kooperieren. Das Unternehmen betreibt bereits vier Standorte in Frankfurt und wird noch in diesem Jahr in sechs weiteren Städten einen Coworking-Space anbieten. In Gießen ist die Eröffnung auf der Homepage für das vierte Quartal dieses Jahres angekündigt. Pralle wird nicht nur als Partner fungieren, sondern mit »Fabrik 19« auch der Ankermieter.

Als ein Manko der Fläche galt bei Maklern in der Vergangenheit immer die Tatsache, dass es an Fensterfronten fehle und die tiefen Räume in der Mitte zu dunkel seien. Für Pralle kein Problem. Die Arbeitsplätze werden an den Fenstern entstehen, im Inneren werden sich später Besprechungsräume sowie eine Bühne für Veranstaltungen, Vorträge und Präsentationen für bis zu 100 Zuhörer befinden, die allesamt auch von externen Kunden stundenweise gebucht werden können. Auch an ein Lounge-Bereich und eine Küchenzeile ist gedacht. Die Buchungsoptionen in solchen Einrichtungen sind sehr variabel. Von einem flexiblen Arbeitsplatz über einen festen Schreibtisch bis zu einem eigenen Büroraum ist alles denkbar, auch ein Tarif mit Zugang außerhalb der eigentlichen Öffnungszeiten und eigenem Schlüssel. Sogar eine Geschäftsadresse mit Briefkastenservice ist im Angebot.

»Meiner Meinung nach fehlt es in Gießen nicht nur an solchen Arbeitsplätzen auf Zeit, sondern vor allen Dingen auch an Möglichkeiten, Konferenzen und Meetings durchzuführen«, sagt Pralle. Diesen Missstand wolle er mit dem neuen Konzept beheben. Mit dem Angebot richtet sich der 45-jährige, der sein Unternehmen vor sieben Jahren gegründet hat, auch, aber nicht nur, an Startups. »Natürlich ist es für Gründer interessant, denn die wollen sich verständlicherweise nicht gleich zehn Jahre an einen Mietvertrag binden, um flexibel zu bleiben«, sagt Pralle. Der Post war das damals relativ egal.

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