04. November 2008, 21:38 Uhr

Neue Gedenktafeln liegen ungenutzt im Regal

Gießen (jri). Die Stadt Gießen kommt bei der öffentlichkeitswirksamen Würdigung des Medizin-Nobelpreisträgers Elias Metschnikoff, der von 1864 bis 1865 an der Justus-Liebig-Universität Zoologie studierte, nur schleppend voran.
04. November 2008, 21:38 Uhr
Das Bild zeigt eine der beiden Schautafeln, die seit rund einem Jahr vergeblich darauf warten, angebracht zu werden. (Foto: jri)

Gießen (jri). Die Stadt Gießen kommt bei der öffentlichkeitswirksamen Würdigung des Medizin-Nobelpreisträgers Elias Metschnikoff, der von 1864 bis 1865 an der Justus-Liebig-Universität Zoologie studierte, nur schleppend voran. Zwar wurden bereits vor rund einem Jahr anlässlich des 400. Geburtstages der Uni zwei Gedenktafeln zu Ehren Metschnikoffs produziert, die an den russisch-ukrainischen Gelehrten und Mitbegründer der Immunologie erinnern sollen. Doch diese Metall-Tafeln sind bis heute noch nicht angebracht.

Hängen sollen sie eigentlich an Metschnikoffs einstigem Wohnhaus am Marktplatz 8 sowie am rechten Teil des Gebäudes der Hauptpost in der Bahnhofstraße. Dort stand im 19. Jahrhundert das Uni-Anatomiegebäude, in dem der Bakteriologe den Grundstein für seine Immunitätstheorie legte. Dafür wurde er 1908 in Paris mit dem Nobelpreis bedacht. Metschnikoff hatte schon während seines Studiums in Gießen die Immunabwehr-Mechanismen gegen Bakterien durch weiße Blutkörperchen (Phagozytose) erforscht. Aber obwohl sich die Verleihung des begehrten Nobelpreises an den einstigen Gießener vor kurzem schon zum hundertsten Mal jährte, ist Metschnikoff der hiesigen Bevölkerung bisher weitgehend unbekannt geblieben.

Mit den Schautafeln sollte sich dies ändern. Doch vor allem die Sandsteinverzierung an dem Postgebäude hat Kulturdezernent Dr. Reinhard Kaufmann bislang einen Strich durch die Rechnung gemacht, die knapp 50 Zentimeter lange Tafel dort anbringen zu können. Die Fassade eigne sich nicht zum Anbohren, erfuhr Kaufmann von der Deutschen Post AG, nachdem er mehrere Wochen lang mit verschiedenen Dienststellen des Konzerns kommuniziert hatte. Als er schließlich im Frühjahr dieses Jahres über eine andere Lösung - zum Beispiel an das Aufstellen einer Stehle, an die die Gedenktafel angeschraubt werden kann - nachdachte, kam es zu einem überraschenden Besitzerwechsel der Immobilie in der Bahnhofstraße: Im Rahmen eines Milliardendeals verkaufte die Deutsche Post das Gebäude zusammen mit rund 1300 weiterer ihrer Immobilien an den amerikanischen Investor »Lone Star«.

Ein Sprecher der Post, die das Objekt in der Bahnhofstraße trotzdem weiterhin als eine Art »Hausmeister« betreut, bat damals auf Anfrage dieser Zeitung höflich um Verständnis dafür, dass man vorerst »andere Prioritäten setze, als sich um das Anbringen einer Gedenktafel zu kümmern.« So passierte erneut rund drei Monate lang nichts. Inzwischen liegt Kulturdezernent Kaufmann - der übrigens ebenfalls in Gießen Zoologie studierte - jedoch endlich ein Schreiben des neuen Eigentümers des Postgebäudes vor. Darin heißt es, dass es der Stadt Gießen nun gestattet werde, auf dem Grünstreifen vor dem Postgebäude ein Metallrohr oder eine Stehle in den Boden zu zementieren, an der die Gedenktafel angebracht werden kann. So scheint dem kleinen Denkmal Metschnikoffs' zwar formell nichts mehr im Wege zu stehen. »Doch wir müssen uns jetzt erst einmal mit der Frage beschäftigen, wie wir eine solche Stehle per Fundament fest und frostsicher errichten können«, erklärte Kaufmann auf eine erneute AZ-Anfrage.

Das Haus am Marktplatz 8, an dem die zweite Tafel auf Metschnikoff hinweisen soll, ist übrigens ein Privathaus. Die Eigentümerin hat bereits ihre Zustimmung zur Anbringung der Plakette signalisiert. Insofern ist davon auszugehen, dass der 1916 gestorbene Metschnikoff nach längerem Hin und Her nun doch in Form zweier Schautafeln zumindest ein bisschen wieder zum Leben erweckt wird.

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