Stadt Gießen

Neubau des Philosophikums ab 2015

Gießen (csk). Der Bau des Campus Philosophikum der Justus-Liebig-Universität beginnen voraussichtlich 2015. Das gaben die Verantwortlichen am Mittwoch bei einer Informationsveranstaltung im Rathaus bekannt. Geplant ist, den geistes- und kulturwissenschaftlichen Teil der Uni bis 2020 komplett neu zu gestalten.
08. November 2012, 22:33 Uhr
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Die Ausbauplanung für das neue Philosophikum bis 2020: Rechts wird es vom Alten Steinbacher Weg flankiert, links von der Klingelbachaue. Durch die Mitte führt weiterhin die Rathenaustraße, die im Campusbereich verkehrsberuhigt werden soll. Für die Neubauten auf der Ostseite der Rathenaustraße muss Wald weichen.

Unter anderem sollen ein zentraler Platz, mehrere Neubauten und große Grünflächen entstehen. Die 125 Millionen Euro für den ersten Abschnitt bis 2020 kommen aus dem hessischen Hochschulsonderprogramm »Heureka«. Doch zuvor gibt es noch reichlich Diskussionsbedarf, zeigte die Veranstaltung am Mittwochabend.

JLU-Präsident Prof. Joybrato Mukherjee appellierte an die Besucher, bei allen notwendigen Kompromissen müssten Stadt, Hochschule und Bevölkerung stets im Blick behalten, welche »historische Chance für Gießen« der Neubau darstelle.

Seit Herbst vergangenen Jahres haben Experten etliche Gutachten für das Gebiet zwischen Klingelbachweg und Karl-Glöckner-Straße erstellt. Mittlerweile steht fest, dass der Wald am Philosophikum II so weit wie möglich erhalten bleibt. Landschaftsarchitekt Stephan Budatsch betonte, besonders die Bäume entlang der Klingelbachaue seien für den Charakter des Geländes unverzichtbar. Dennoch müsse sich landschaftlich einiges ändern – um eine bessere Orientierung zu ermöglichen, wie Budatsch erläuterte: »Fremde sind auf dem Campus völlig desorientiert.« Besonders der Übergang zwischen Phil I und Phil II müsse offener werden, etwa durch eine Teilrodung des Waldes.

Was wiederum auch dem Verkehr nützen würde. Viele Zuhörer beklagten am Mittwoch, Autofahrer könnten die Rathenaustraße heute kaum passieren, weil Studenten »ungeordnet über die Straße laufen« oder »mit dem Fahrrad aus dem Wald schießen«. Gemeint ist der Bereich an den Bushaltestellen, wo bis 2020 ein zentraler Campusplatz entstehen soll. Dieser Platz sei das Herzstück des neuen Geländes, sagte Architekt Heide, der immer wieder das Schlagwort »Urbanität« bemühte. Beispielsweise durch dicht aneinander platzierte Gebäude, darunter eine neue Mensa, ein Seminargebäude und die um einen Anbau erweiterte Uni-Bibliothek, soll ein stadtähnliches Gefühl bei den Besuchern entstehen. Die 125 Millionen Euro, die für die erste Baustufe (bis 2020) veranschlagt sind, kommen aus dem Hochschulsonderprogramm des Landes »Heureka«.

Weniger Autos erwartet

Im Sinne der Urbanität sieht der Masterplan vor, die Rathenaustraße zur Tempo-30-Zone zu machen, mit dem Campusplatz als verkehrsberuhigtem Abschnitt. Welche Konsequenzen das hat, ist kaum absehbar. Derzeit befahren zu den Stoßzeiten – frühmorgens und am späten Nachmittag – etwa 450 Wagen pro Stunde die Rathenaustraße, berichtete Verkehrsexperte Thomas Weissenberger. Sobald der Neubau abgeschlossen sei, erwarte man weniger Autofahrer: »Wir wollen, dass Menschen mit Bus oder Fahrrad zur Uni kommen.« Um Platz für eine Busspur zu schaffen, wird die Rathenaustraße auf drei Spuren ausgebaut. Auf die Frage, wie sich die breitere Straße und Urbanität vereinbaren ließen, sprach Heide von einem »Zielkonflikt«. Zwar wolle man den Campus zum verkehrsberuhigten Bereich machen – »wir können und wollen aber mit der Straße umgehen.« Dennoch müsse sich im Vergleich zu heute etwas ändern, ergänzte JLU-Präsident Prof. Joybrato Mukherjee; langfristig sei Durchgangsverkehr nicht mehr sinnvoll. Ähnliches gab Bürgermeisterin Gerda Weigel-Greilich (Grüne) zu Protokoll. Sie betonte aber, dass die Stadt kein Verbot plane. Stattdessen wolle man Autofahrer dazu bringen, freiwillig andere Wege zu nutzen.

Fahrten von und zu den Parkplätzen würden freilich weiter anfallen. Während es heute am Phil I deutlich mehr Stellplätze gibt als am Phil II, soll das Verhältnis künftig ausgeglichen sein. Das allein entlaste die Rathenaustraße als Zufahrt, weil dann mehr Autos über die Karl-Glöckner-Straße kämen, erwarten die Planer. Am Phil I würden die Parkplätze später vielleicht über den Klingelbachweg oder den Heegstrauchweg erschlossen, sagte Weissenberger. Einstweilen nutzen Autofahrer noch weiter die Otto-Behaghel-Straße, die im Endausbau – nach 2020 – komplett verschwindet. Wo sie verläuft, entsteht dann ein Teil der geplanten Grünflächen. Während das Phil I eher »parkartig« gestaltet werde, bleibe der »waldähnliche Charakter« des Phil II auf jeden Fall erhalten, versprach Budatsch.

Gemeinsame Interessen

Ehe es so weit ist, beginnen Anfang kommenden Jahres die Architekten-Wettbewerbe für die Gebäude, 2014 folgen die konkreten Baupläne. Mukherjee appellierte, bei allen strittigen Fragen die gemeinsamen Interessen von Stadt und Universität nie aus dem Blick zu verlieren: »Vor fünf Jahren wussten wir nicht, wie wir das Philosophikum weiter betreiben, weil es so baufällig war. Jetzt haben wir eine historische Chance für Gießen.«

Philosophikum wird neu gestaltet

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/stadtgiessen/Stadt-Giessen-Neubau-des-Philosophikums-ab-2015;art71,75868

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