31. Juli 2018, 21:49 Uhr

Neidels Vision vom Brandplatz

Wenn die Fußgängerzone Ende September den 50. Geburtstag begeht, wird eine Gießener Erfolgsgeschichte gefeiert. Seltersweg und Co. haben sich gut aufgestellt. Themen und Probleme, die den Handel in der City bewegen, die gibt es trotzdem immer. Bei einem Rundgang von Wirtschafts-dezernent Peter Neidel wurden sie angesprochen.
31. Juli 2018, 21:49 Uhr
Stadtrat Peter Neidel (l.) und Wirtschaftsförderin Sabine Wilcken-Görich im Gespräch mit Einzelhändler Arno Jung (»Punkt und Strich«). (Foto: Schepp)

Die Hitze lastet am frühen Montagabend über dem Kirchenplatz. Unter Sonnenschirmen vor den Arkaden sitzen einige Gäste und stärken sich mit leichter italienischer Küche. Wieder hat ein Restaurant in der Fußgängerzone aufgemacht. Nebenan sitzen Stadtrat Peter Neidel und Sabine Wilcken-Görich, Leiterin der städtischen Abteilung Wirtschaftsförderung, bei »Punkt und Strich«. Sie ziehen mit Inhaber Arno Jung Bilanz ihres Stadtrundgangs. »Dass sich immer mehr Gastronomiebetriebe in der Fußgängerzone ansiedeln, wird vom Einzelhandel positiv aufgenommen. Das erhöht die Verweildauer der Kunden und belebt die Innenstadt«, sagt der Wirtschaftsdezernent.

Mit Karstadt hat er zuvor den größten Betrieb der Fußgängerzone besucht, weitere Stationen waren mit dem Schuhhaus Waldschmidt sowie »Punkt und Strich« zwei Geschäfte mit heimischen Inhabern und mit dem »Geschmacksverkehr« eines der neuen Restaurants. Auch Jung betont die Bedeutung solcher Angebote für die Kundenfrequenz. Insofern sei es zu bedauern, dass in die Räume der früheren Weinrebe am Lindenplatz nun eine Versicherung und kein Einzelhändler eingezogen ist.

Ein großes Thema für Jung und alle anderen Händler sei der Onlinehandel. »Alle kämpfen damit«, berichtet Neidel. Aber fast alle sind auch dabei, »Punkt und Strich« zum Beispiel mit einigen exklusiven »Nischenprodukten«, mit denen sich das Geschäft überregional auch auf den Hersteller-Websites positioniert hat. »Der Massenmarkt ist nicht unser Ding«, erklärt Jung.

Drogenszene sorgt für »Stress«

Ein Dauerthema für den innerstädtischen Einzelhandel ist die Parksituation. Jung hat zwar den Brandplatz direkt vor der Ladentür, aber am wichtigen Einkaufssamstag findet dort der Wochenmarkt statt. »Die Kunden wollen relativ nah an den Geschäften parken, die Tarife sind sekundär«, weiß Jung.

Parkplätze gibt es nach Einschätzung von Wilcken-Görich genug, vor allem in den Parkhäusern der Einkaufszentren. Nur hätten diese andere Eigentümer, und die Angebote seien nicht zwingend auf den Einzelhandel zugeschnitten. Neidel hält eine Koppelung von Umsatz mit Parkgebühr für sinnvoll. Und am Brandplatz würde der CDU-Politiker am liebsten zwei Fliegen mit der Klappe Tiefgarage schlagen. »Unten hätten wir die Parkplätze und oben Gestaltungsraum«, erläutert er seine Vision.

Als Ordnungsdezernent wiederum ist Neidel der richtige Ansprechpartner, wenn es um die gerade am Kirchenplatz sehr präsente Trinker- und Drogenszene geht. Für seine Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sei die Situation »psychologisch belastend«, wenn sich Personen im Laden aufhielten, von denen man ahne, dass sie dringend Geld bräuchten, um Drogenkonsum zu finanzieren. Jung: »Das stresst.« Zudem werde in Hofeinfahrten der gegenüberliegenden Schlossgasse uriniert. Neidel sicherte zu, dass die städtische Ordnungs- und die Landespolizei an den neuralgischen Punkten weiterhin deutlich Flagge zeigen werden.

Pflanzkübel in Plockstraße?

Positiv hätten die Einzelhändler die neuen Regeln für Straßenmusikanten aufgenommen, die das Stadtparlament im vergangenen Jahr beschlossen hatte. »Das Geschehen verteilt sich jetzt besser, ohne dass die Straßenmusik verbannt wurde«, sagt Neidel.

Im Schuhhaus Waldschmidt sei auch das leidige Thema mit dem Autoverkehr in der Plockstraße angesprochen worden. Aber auch hier sieht Neidel eine Verbesserung, da die fast durchgängige Außengastronomie quasi eine Pollerfunktion übernommen habe. »Für die dunkle Jahreszeit werden wir uns etwas überlegen müssen, vielleicht stellen wir ein paar Pflanzkübel auf.«

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