01. Januar 2013, 16:33 Uhr

»Nacht der fünf Tenöre« in der Kongresshalle

Keine Frage, der Veranstalter der »Nacht der fünf Tenöre«, die am vorletzten Abend des Jahres in der Kongresshalle über die Bühne ging, hatte einen Glücksgriff getan. Das beste Argument lieferten die etwa 300 Besucher, die den großen Saal gut füllten, mit stehenden Ovationen nach dem offiziellen Ende des Kunstgenusses ab.
01. Januar 2013, 16:33 Uhr
Die fünf Tenöre präsentieren »Musica con passione«. (has)

Das konnte nicht ohne Folgen bleiben, und das waren in diesem Fall lautstark geforderte und gerne gewährte Zugaben. Denn ganz ohne Zweifel hatten auch die Künstler an diesem Abend unter dem Motto »musica con passione« (Musik mit Leidenschaft) ihre helle Freude, denn ihre Gesangsleidenschaft und die überzeugende Begleitung durch die Plovdiver Symphoniker mit dem souveränen Dirigenten Nayden Todorov ließ den Funken der Begeisterung gleich auf das Auditorium überspringen und beweist, dass es nicht unbedingt die Weltstars sein müssen, die einen solchen Abend zum Hörerlebnis machen.

Allerdings weisen die Biografien der Sänger überzeugend nach, dass sie auf den Bühnen der Welt zu Hause sind. Und einen ganz großen Namen hatten die fünf Tenöre denn doch auch vorzuweisen: Lanza! Der Enkel Christian des großen Mario ist ebenfalls ein hervorragender Tenor, was er unter anderem mit zwei Arien aus Puccinis »Tosca« unterstreichen konnte.

Die Frage, wie viel Tenöre ein Konzert vertragen kann, mag jeder für sich beantworten. Ob drei, wie zu Beginn der Mehr-Tenöre-Programme, oder zehn: Fünf genügen offensichtlich, um Künstlern und Publikum schöne Stunden zu bereiten. Allerdings gilt es hier zu erwähnen, dass Andrea Hörkens ein beachtlicher Anteil am Erfolg zu verdanken ist. Sie erwies sich in einigen Duetten und Soli, wie etwa »Solveigs Lied« aus Edvard Griegs »Peer Gynt« oder Mascagnis »Ave Maria«, als Sopranistin erster Güte. Zugleich sorgte sie dafür, dass sie in ihrer Rolle als Moderatorin selbst die wenigen unter dem fachkundigen Publikum, die nicht als Opernfreunde geboren wurden, über die Themen der Lieder und das Leben der Komponisten informierte. Des Weiteren demonstrierte sie in ihrem »Duetto di due gatti« von Gioachino Rossini mit Tenor Vincenzo Sanso komische Katzenmusik im Wortsinne.

Womit schon gesagt ist, dass nicht nur die Tragik der großen Opernarien den Abend prägte, sondern auch eine gute Portion Komik für entspanntes Lachen sorgte. Dass er neben Belcanto auch dieses Genre beherrschte, demonstrierte gerade Sasso immer wieder bis hin zu Slapstick-Elementen. Da wurde denn der Mund eines Sängerkollegen schon einmal mit einer Banane gestopft, um selbst wieder an die Reihe zu kommen.

Selbstverständlich hatte jeder Tenor seine Soli, die es ihm ermöglichten, die eigene stimmliche Qualität zu demonstrieren. Luigi Frattola (»Musica probita«, »Nontiscordar di me«), Orfeo Zanetti (»Vesti la giubba«, »Avucchela«) und nicht zuletzt der Bulgare Stovan Daskalov (»Parmavedere le lagrime« und »Amigos para siempre« im Duett mit Andrea Hörkens) ersangen sich begeisterten Beifall. Doch nicht nur große Opernarien erklangen, auch neapolitanische Volksweisen, denen nicht zuletzt Caruso zum weltweiten Durchbruch verhalf, und so beliebte Lieder wie »Cielito liondo«, »O sole mio«, »Funiculi Funicula« und ganz zuletzt »Time to say goodbye« schmeichelten sich ins Ohr.

Wenn das neue Jahr so viel Freude bringt wie dieser Abend, wird keiner klagen können. Hans-Wolfgang Steffek

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