10. Januar 2012, 20:03 Uhr

Nachricht vom Tod des Rentners hat Angeklagten berührt

Gießen (kan). Unscheinbar sah die kleine silberne Hantel aus, die Richter Bruno Demel gestern im Prozess um den Mord im Anneröder Weg den Verfahrensbeteiligten im Landgericht zeigte. Und doch ist das drei Kilogramm schwere Sportgerät möglicherweise die Waffe, mit der im Dezember 2010 ein 65-Jähriger getötet wurde.
10. Januar 2012, 20:03 Uhr
(Foto: dpa)

Zugeschlagen haben soll damit ein 38 Jahre alter Mann, der sich dafür seit Mitte Oktober vor der Fünften Großen Strafkammer verantworten muss.

Schon kurz nachdem der Rentner im vergangenen Februar tot in seiner Wohnung gefunden wurde, hat die Polizei das Telefon des Angeklagten überwacht. Das geht aus den Protokollen hervor, die Thema des letzten Verhandlungstages waren. Im ersten Gespräch berichtete der Angeklagte davon, wie er nachts am Haus des Rentners vorbeigefahren sei und sich gewundert habe, dass weder das Auto noch das Fahrrad auf dem Hof standen. Auch das Namensschild an der Klingel sei entfernt worden. Zwei Tage später benachrichtigt ihn ein Bekannter – ebenfalls am Telefon – darüber, dass der 67-Jährige tot sei. »Das hat mein Herz schon berührt«, heißt es im aus dem Russischen übersetzten Protokoll.

Außerdem ging es in den Telefonaten immer wieder um Geld. Geld soll auch der Grund für den Mord gewesen sein: Der Angeklagte habe Bargeld in der Wohnung des Rentners vermutet, steht in der Anklageschrift. In den Telefonaten unterhält er sich mit Bekannten über eine dritte Person, die 60 000 Euro vom Getöteten in einem Bankschließfach aufbewahrt haben soll. Der 38-Jährige überlegte, zu diesem Mann zu fahren, um wenigstens einen Teil des Geldes einzufordern. Dann hatte er aber wohl Angst davor, dass das ein schlechtes Licht auf ihn werfen würde, sollte die Polizei darauf aufmerksam werden. Überhaupt wunderte er sich darüber, dass er von den Ermittlern noch nicht kontaktiert wurde, war er doch einer der wenigen Freunde des Opfers.

Der Angeklagte erzählte kurz nach dem Auffinden des Getöteten, der Rentner habe ihm im Dezember 10 000 Euro geliehen. Dann habe er ja einen Grund gehabt, den Mann zu töten, witzelte ein Freund am Telefon, so müsse er das Geld wenigstens nicht zurück zahlen.

Im April endete das Protokoll der Ermittler, denn Ende März 2011 wurde der Angeklagte festgenommen. Ein letztes Gespräch seiner Ehefrau mit einer Freundin dokumentiert ihre Angst, ihr Mann könne etwas mit dem Tod des Rentners zu tun haben. Das Geld schien für sie kein Motiv gewesen zu sein, meinte sie doch, die eigenen Einkünfte reichen zum Leben.

Die Verhandlung wird am morgigen Donnerstag fortgesetzt. Gehen keine weiteren Anträge beim Gericht ein, wird dann möglicherweise bereits die Beweisaufnahme geschlossen.

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