10. Oktober 2017, 06:00 Uhr

Traditions-Gaststätte

Nach über 50 Jahren: Das wird jetzt aus dem »Panorama«

Eine Tradition endet: Nach über 50 Jahren bekommt das Café »Panorama« einen neuen Anstrich. Der neue Pächter will nicht nur mit der grandiosen Aussicht punkten.
10. Oktober 2017, 06:00 Uhr
Der »Burgen-Blick« fiel dem Nebel zum Opfer beim Fototermin mit Murat Demir (l.) und Mario Cortazzo. (Foto: Schepp)

Was für ein schönes Panorama!« Das rief ein Besucher aus, als er den Rohbau des Cafés in der Marburger Straße betrat und Gleiberg, Vetzberg und Dünsberg hinter dem Lahntal aufragen sah. »Wir haben sofort gesagt: Das ist der ideale Name«, erinnert sich Günter Kreiling im GAZ-Gespräch.

"Zimmer mit lf. Wasser"

1963 eröffnete seine Familie die Gaststätte und führte sie 50 Jahre lang. Kürzlich ist die traditionsreiche Bezeichnung verschwunden. Die jetzigen Pächter wollen auf den Neustart aufmerksam machen durch einen veränderten Namen. Aber auch er hebt das große Plus der unverbauten Lage auf der Höhe in Wieseck hervor: Das Restaurant nennt sich nun »Burgen-Blick«.

















 

Auf der Rückseite einer Postkarte beschrieben die Kreilings ihr »Panorama« der Anfangsjahre so: »Das moderne, gemütliche Familien-Café. Fremdenzimmer mit lf. (also: aus einem Hahn laufendem) Kalt- und Warmwasser. Gutbürgerliche Küche – Gepflegte Getränke – Großer Parkplatz.«

Als die Wiesecker Bäckerfamilie das einst als Sandgrube genutzte Gelände an der Marburger Straße erbte, entschied sie sich, dort ein Café zu bauen. »Das war damals das schickste Café in der ganzen Gegend«, findet Günter Kreiling. Die Einrichtung sei »richtig schön plüschig« gewesen, »darum tut es mir bis heute Leid«. Doch der Betrieb allein mit Kaffee und Kuchen lohnte sich nicht. Nach einigen Jahren stellten sich die Betreiber um und boten auch Mittag- und Abendessen. Pensionszimmer wurden bis vor etwa 15 Jahren vermietet.

Beliebt nach Beerdigungen

Das Café blieb ein wichtiges Standbein. So verbinden etliche Gießener mit dem »Panorama« vor allem Beerdigungen. Denn wer Trauergäste in der Nähe des Neuen Friedhofs einladen möchte, hat nicht viele Möglichkeiten. Das »Café am Rodtberg« (in den Räumen des heutigen Nordstadtzentrums) schloss vor 15 Jahren, das italienische Restaurant »Karlsruh« richtet solche Veranstaltungen in der Regel nicht aus.

Im »Burgen-Blick« sind sie herzlich willkommen, versichert im GAZ-Gespräch Murat Demir. Der 23-Jährige Kaufmann aus einer Gastronomenfamilie hat die Gaststätte übernommen und nach kurzem Umbau Anfang Oktober eröffnet. Sein Plan: Das Angebot und Ambiente, nicht nur die schöne Aussicht sollen die Gäste begeistern.

Gutbürgerliche deutsche Küche

Neben den Gesellschaften nach Bestattungen setzt er auf gutbürgerliche deutsche Küche, Mittagstisch, Abendgäste und auf Stammtische, für die in Gießener Gaststätten der Platz oft knapp ist. Günstig sei die Lage an einer Hauptverkehrsstraße mit nahen Neubaugebieten in einem Stadtviertel, das mit guter Gastronomie nicht überversorgt ist.

Es war richtig schön plüschig. Darum tut es mir bis heute Leid

Günter Kreiling

Geplant sind unter anderem wechselnde saisonale Gerichte, etwa Wild aus heimischen Wäldern und Gänseessen. Am Wochenende und an Feiertagen soll es ein Kuchenbüffet geben. Im Sommer stehen Biergarten und Terrasse zur Verfügung. Im eigentlichen Restaurant haben etwa 80 Gäste Platz. Ein Ruhetag ist erst einmal nicht vorgesehen.

Partnerschaft mit »Karlsruh«

Bauen kann Demir außerdem auf eine Reihe von Unterstützern. So kocht Meinhard Immel vorerst weiterhin. Der 63-Jährige hatte die Gaststätte 2013 gemeinsam mit seiner Frau von Kreiling übernommen und möchte künftig kürzer treten. Zur Seite steht dem jungen Gastwirt außerdem der Mitbewerber von schräg gegenüber. Denn mit der »Karlsruh« bestehen familiäre Verbindungen.

Beide Restaurants sehen sich daher nicht als Konkurrenten, sondern als »Partner«, erklärt »Karlsruh«-Inhaber Mario Cortazzo. So könne man auch einmal Personal von einer Gaststätte in die andere wechseln lassen oder Gästen, wenn es keinen freien Tisch mehr gibt, die nahe liegende Alternative ans Herz legen. Die kulinarischen Konzepte bleiben freilich unterschiedlich: Während die »Karlsruh« italienisch geprägt ist, soll der Schwerpunkt im »Burgen-Blick« deutsche Küche sein.

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