22. August 2017, 11:00 Uhr

Raubüberfall

Nach Raubüberfall mit Schwert: Das sagt der Täter

Sie waren mit Pistole und Schwert bewaffnet. Nun mussten sich zwei Langgönser für einen Tankstellenraub vor Gericht verantworten. Nicht die einzige Straftat, die ihnen vorgeworfen wird.
22. August 2017, 11:00 Uhr
Die Tankstelle am Leihgesterner Weg wird Anfang 2017 zweimal überfallen. Womöglich waren die Täter identisch. (Foto: mac)

Seit dem 22. Februar in Untersuchungshaft sitzen die beiden Langgönser, die sich seit Montag vor der
9. Strafkammer des Landgerichts Gießen verantworten müssen. Ihnen wird vorgeworfen, am Abend zuvor die Tankstelle im Leihgesterner Weg überfallen und knapp 1500 Euro erbeutet zu haben.

Die Angeklagten, die kurz nach der Tat auf der Flucht festgenommen worden waren, legten am Montag ein umfassendes Geständnis ab. Das könnte auch damit zu tun haben, dass sie den Ermittlungen der Gießener Kriminalpolizei zufolge zuvor schon fünf weitere Raubüberfälle auf heimische Tankstelle und Spielotheken verübt hatten, in absehbarer Zeit also erneut vor Gericht stehen werden.

Handelt es sich um Serientäter?

Laut Anklage und den Geständnissen waren der 31-Jährige und der 28-Jährige, die Wollmützen mit Sehschlitzen trugen, gegen 21.35 Uhr an der Tankstelle aufgetaucht, als die Angestellte gerade die Außentoilette absperren wollte.

Mit vorgehaltener Pistole dirigierte der Ältere die Frau in das Kassenhäuschen, zwang sie zum Öffnen der Registrierkasse und fordert sie auf, sich auf den Boden zu legen. Während der Jüngere das Geldfach leerte, fragte sein nervös wirkender Komplize die Angestellte vergebens nach dem Tresor: Die Tankstelle hat keinen.
 

»Wenn Du nicht ruhig bist, erschieße ich Dich«

»Wenn Du nicht ruhig bist, erschieße ich Dich«, drohte der Haupttäter. Sein Komplize, der ein japanisches Krummschwert mit sich führte, versicherte ihr: »Dir passiert nichts, wenn Du ruhig bleibst«.

Im Hinausstürmen nahmen die Räuber in ihrem Beutel noch zwei kleine Flaschen Whisky und ein paar Dutzend Schachteln Zigaretten mit.

Flucht zu Fuß ist nur von kurzer Dauer

Die Langgönser, die ihr Auto in der Nähe abgestellt hatten, flüchteten dann zu Fuß in Richtung Stadtmitte. Aber sie kamen nicht weit. Denn ein Zeuge hatte von der anderen Straßenseite aus den Beginn des Überfalls gesehen und sofort die Polizei alarmiert.

Die war deshalb schnell zur Stelle und konnte die Räuber im Ohlebergsweg stellen. Kurz zuvor hatten sie ihre Beute weggeworfen.

Ihren von den Verteidigern vorgetragenen Angaben zufolge hatten die Täter am Nachmittag zuvor den Plan zu diesem Raubüberfall gefasst. Die Waffen, eine defekte silberfarbene Schreckschusspistole, die nicht geladen war, und das Krummschwert, hätten sie daheim liegen gehabt. Die Tankstelle ausgesucht hätten sie, weil da »nicht viel los ist«.


Kassiererin geschockt

»Als ich die mit den Waffen gesehen habe, wusste ich sofort , um was es geht«, schilderte die Tankstellen-Kassiererin den Beginn des Überfalls. Sie habe Angst gehabt, obwohl ihr klar war, dass die Maskierten es nur auf das Geld abgesehen hatten. Sie sei besorgt gewesen, dass der aggressivere Täter ausflippt.

Damals sei sie nervös gewesen und habe tagelang schlecht geschlafen, beschrieb die 32-jährige Gießenerin die Folgen der Tat. Den Rat ihres Hausarztes, einen Psychologen aufzusuchen, habe sie aber nicht befolgt: »Ich habe gedacht, das kriegt man auch so irgendwie hin«.

Ein Woche lang hatte die Angestellte damals gar nicht gearbeitet und dann zwei Monate lang nur in der Tagschicht. Sie habe auch jetzt immer noch ein ungutes Gefühl, schilderte die Zeugin auf Nachfrage von Staatsanwalt Schneider.

Der jüngere Angeklagte, dessen Ehefrau mit Kleinkind im Zuhörerraum saß, nutzte die Gelegenheit, sich bei seinem Opfer zu entschuldigen: »Das war eine Riesendummheit von mir, die ich bereue«.

Auch im Januar schon Tankstelle überfallen?

Die Freie Tankstelle am Leihgesterner Weg war bereits am 5. Januar spät abends überfallen worden. Die beiden Täter trugen damals Clownmasken; einer hatte eine silberfarbene Pistole dabei, der andere ein Messer.

Die Vorgehensweise war ähnlich wie am 21. Februar: Der Kassierer wurde gezwungen, sich auf den Boden zu legen, ehe die Räuber das Geldfach leerten und sich im Hinauslaufen noch einige Zigarettenschachteln einsteckten. Die Kriminalpolizei glaubt, dass die Räuber in beiden Fällen dieselben waren.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Landgericht Gießen
  • Linden-Leihgestern
  • Pistolen
  • Polizei
  • Raubüberfälle
  • Räuber
  • Schwerter
  • Tankstellen
  • Gießen
  • Guido Tamme
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos