02. Juli 2019, 06:00 Uhr

Outlet-Aus

Nach Outlet-Aus: Gießens OB weist Pohlheims Bürgermeister in die Schranken

Das Aus für das geplante Outlet-Center in Pohlheim hat in der Stadt Gießen zu Erleichterung geführt. Die OB weist zudem Pohlheims Bürgermeister in die Schranken.
02. Juli 2019, 06:00 Uhr
Mit diesem Plakat am Rathaus haben Stadt und Einzelhandel gegen das FOC demonstriert. Nun kann es abgehängt werden. (Fotos: chh/pm)

Im Gießener Rathaus ist die Nachricht aus Pohlheim mit großer Freude aufgenommen worden. Nachdem am Freitagabend bekannt geworden ist, dass die Stadt Pohlheim und die beteiligten Investoren davon absehen werden, in Garbenteich ein Factory-Outlet-Center (FOC) zu bauen, hat Gießens Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz gleich am Montag angeordnet, das große Plakat am Rathaus abzuhängen. Es war Teil einer übergreifenden Kampagne, mit der sich Stadt und Handel vor dem damaligen Bürgerentscheid in Pohlheim gegen das FOC gerichtet hatten. »Auch wenn das Planungsrecht einem Outletcenter entgegenstand, war es wichtig, politisch Zeichen dafür zu setzen, dass ein FOC in einem Unterzentrum deplatziert ist und den Einzelhandel in den Oberzentren, die noch viele andere Aufgaben für die Region zu erledigen haben, schwächen würde«, sagte die OB am Montag. Für das Zusammenstehen dankte sie u.a. den Nachbarstädten Wetzlar und Marburg, den Einzelhandelsvertretern, der Justus-Liebig-Universität und allen anderen, die die Interessen der Stadt und der Region vertreten hatten. »Dies ist ein Erfolg von uns allen für uns alle«, erklärte Grabe-Bolz. Offensichtlich habe der Investor verstanden, dass »wir es ernst mit unserer Ankündigung meinten, mit allen politischen und rechtlichen Mitteln gegen das Outletcenter vorzugehen«. Als ungeheuerlich bezeichnete sie indes die Äußerung des Pohlheimer Bürgermeisters Udo Schöffmann, Gießen habe »gefakte Gutachten« vorgelegt. »Fundierte Analysen und Ergebnisse eines anerkannten Marktforschungsinstituts so zu bezeichnen, sei eines seriösen Politikers nicht würdig«, betonte die OB.

Auch das Präsidium der Justus-Liebig-Universität hat das Aus für das Outlet mit Erleichterung zur Kenntnis genommen. »Dass die Pläne nicht umgesetzt werden, liegt im Interesse unserer Universitätsstadt und damit auch der JLU«, sagte Präsident Joybrato Mukherjee. »Die vergleichsweise gute Einzelhandelssituation und die damit einhergehende lebendige Innenstadt Gießens sind ein wichtiger Standortfaktor - gerade in Zeiten des härter werdenden Wettbewerbs um die besten Köpfe«. Das Präsidium hatte die Befürchtungen der Stadt geteilt, dass das Outlet-Center den Einzelhandel in Gießen substanziell gefährdet hätte, und sich frühzeitig gegen die Pläne ausgesprochen.

Markus Pfeffer, Geschäftsführer des BID Seltersweg sagt, die Entscheidung, sei richtig und nachvollziehbar. »Nicht nur die Widerstände aus den umliegenden Städten und Gemeinden haben das erreicht, sondern hauptsächlich die Einsicht der Planer und Investoren, dass man ohne Sondergenehmigung der Landesregierung Rechtsbruch begannen hätte. Dieser hätte lange und teure Verfahren nach sich gezogen.« Laut Pfeffer habe es der Seltersweg derzeit schwer genug. »Wir brauchen auch die Kunden aus der Region, um die Innenstadt attraktiv zu halten. Eine Verödung wäre ein Unglück, das wir gemeinsam verhindern müssen. Ich würde mich freuen, wenn die Wut einiger Pohlheimer, die wir in den sozialen Netzwerken zu spüren bekommen, abklingt und sie ihre Region wieder unterstützen.«

Heinz-Jörg Ebert, Chef des Schuhhauses Darré und Vorsitzender des BID Seltersweg, habe Verständnis für Konsumenten gehabt, die sich durch ein FOC noch mehr Shoppingmöglichkeiten vor der eigenen Haustüre gewünscht haben. »Unabhängig von der ökologischen Betrachtung wusste ich gleichzeitig, dass die Komplexität und die Auswirkungen für die Funktionsfähigkeit einer ganzen Region bei einer solchen Ansiedlung für viele nicht gleich greifbar sein konnten. Die ahnt man erst, wenn man sich intensiv mit solchen Entwicklungen beschäftigt, und sich andere Standorte anschaut, die nach einer Installation in sich zusammengebrochen sind. Ich bin sehr froh, dass uns dies erspart bleibt«, sagt Ebert. Das Engagement der Stadt, die im Schulterschluss mit zahlreichen Institutionen in einer selten dagewesenen Gemeinsamkeit die Zeichen erkannt und Flagge gezeigt habe, fand Ebert. bemerkenswert. Dies sei sicher nicht geschehen, weil man »protektionistisch Pfründe sichern« wollte, sondern weil man das aufkommende Unheil an viel zu vielen Standorten anderen Orts bereits schmerzhaft vor Augen geführt bekommen hätte. »Ich würde mich für die Zukunft freuen, wenn man diese spürbare Kraft des gemeinsamen Miteinanders nicht nur dann entfacht, wenn es Negatives zu verhindern gilt, sondern vor allem dann, wenn es Konstruktives zu entwickeln gilt.«

Schlagworte in diesem Artikel

  • Dietlind Grabe-Bolz
  • Einzelhandel
  • Gießen
  • Heinz-Jörg Ebert
  • Justus-Liebig-Universität Gießen
  • Markus Pfeffer
  • Pfeffer
  • Prof. Dr. Joybrato Mukherjee
  • Schuhhäuser
  • Udo Schöffmann
  • Gießen
  • Redaktion
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 10 x 2: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.