05. Juni 2019, 11:00 Uhr

Ärger an der Lahn

Nach Fahrverbot für Boote übernimmt Klaus Emrich wieder Marine-Verein

Paukenschlag beim Gießener Marine-Verein: Der bisherige Vorstand ist am Montagabend geschlossen zurückgetreten. Ex-Vorsitzender Klaus Emrich ist erneut am Steuer. Und schon am Donnerstag soll das erste Boot wieder zu Wasser gelassen werden.
05. Juni 2019, 11:00 Uhr
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Von Marc Schäfer
Schon bald sollen die Boote des Marine-Vereins wieder auf der Lahn schippern können. (Fotos: Schepp/pm)

Von internen Querelen im Vorstand, vielen unzufriedenen Mitgliedern und fehlenden Einnahmen durch das selbst verschuldete »Fahrverbot« der vier Boote war am Montagabend bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung des Gießener Marine-Vereins die Rede. Das Ergebnis: Nach der für den Gesamtzustand des Vereins ernüchternden Aussprache im Vereinslokal am Wißmarer Weg ist der amtierende Vorstand mit dem Butzbacher Jürgen Müller an der Spitze geschlossen zurückgetreten und hat den Weg für Neuwahlen freigemacht. Neuer Vorsitzender des mehr als 125 Jahre alten Traditionsvereins ist nun ein alter Bekannter: Der Gießener Klaus Emrich ist zurück an der Spitze. Zum zweiten Vorsitzenden wurde Harry Jungk gewählt, neuer Kassierer ist Thorsten Massow.

Die Lahnlust muss ins Wasser

Emrich war nach Streitigkeiten im Vorstand erst im März diesen Jahres als Vorsitzender zurückgetreten. »Ich hatte schon damals kein Vertrauen mehr in meine Vorstandskollegen und bin von ihnen hintergangen worden«, sagte Emrich am Dienstag auf Anfrage dieser Zeitung über seinen damaligen Entschluss. »Jetzt ist mir wichtig, dafür zu sorgen, dass der Verein keinen weiteren Schaden mehr nimmt. Wir müssen die Boote so schnell wie möglich ins Wasser bekommen. Wenn alles klappt, können wir die Lahnlust schon am Donnerstag wieder auf die Lahn bringen«, sagt Emrich. Dies wird nötig, da der Gießener Regattaverein, auf dessen Gelände das neun Tonnen schwere Flaggschiff des Marine-Vereins derzeit auf dem Trockenen liegt, den Platz zur Unterbringung von Sportlern und deren Booten benötigt, die an der Pfingstregatta teilnehmen. Um dies zu realisieren, stehe Emrich eigenen Angaben zufolge derzeit sowohl mit dem Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt in Koblenz als auch mit entsprechenden Firmen in Kontakt. Die Lahnlust muss mit einem Kran auf den Fluss gehievt werden. Eine Genehmigung, das Boot am Anlieger des Ruderclubs Hassia zu befestigen, steht seitens der Behörde aber noch aus.

Intern brodelte es im Marine-Verein wohl schon lange. Grund für die außerordentliche Mitgliederversammlung war vor allen Dingen aber das Festmacheverbot für die vier Boote Lahnlust, Lahnperle, Schlammbeiser II und Schlammbeiser Royal, das das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt ausgesprochen hatte, indem die Koblenzer dem Verein die Genehmigung für das Festmachen der Boote verweigert hatten.

Probleme seit 2016 bekannt

Aus heiterem Himmel kam das rigorose Eingreifen der Behörde nicht. Wie Andreas Oberegger, in Koblenz zuständig für die Wasserstraßenüberwachung, bestätigt, sei man bereits 2016 zum ersten Mal auf den Marine-Verein zugegangen, nachdem man bemerkt habe, dass die Festmacheeinrichtungen, an, an denen die Boote vertaut werden, den statischen Anforderungen nicht genügen. »Es hat sich sehr lange hingezogen, sodass wir nun keine andere Wahl hatten, die Genehmigung nicht zu erteilen, bis die Anlegestelle, ertüchtig wurde«, erklärt Oberegger.

Für Hartmut Sorg, seit Montag Schriftführer und damit ebenfalls Teil des neuen Vorstands ist klar, dass letztlich die internen Querelen für das Versäumnis verantwortlich sind. »Der alte Vorstand hat auf Zeit gespielt und Schreiben nicht beantwortet. Auch ein von Klaus Emrich angebotener Lösungsvorschlag wurde von den anderen Vorstandsmitgliedern damals nicht angenommen«, berichtet Sorg.

Er schätzt, dass »das Problem mit dem Amt in den nächsten 14 Tage gelöst« werde. »Die Verantwortlichen hatten ja nie das Ziel, die Boote lahmzulegen. Sie fordern bloß eine rechtlich sichere Grundlage, um die Genehmigung zu erteilen und haben uns Hilfe angeboten«, erklärt Sorg und fügt hinzu »Es wird Zeit, dass wir unsere Schiffe in ruhiges Fahrwasser bekommen«.

Geologe untersucht Pier

Aus Sorgs Sicht handelt es sich bei den dazu nötigen Schritten um »kleinere Bauarbeiten am Pier«. Sicher ist, dass die Festmacher nachgebessert werden müssen, gegebenenfalls gilt das auch für die Zutrittsbrücke. »Wir haben bereits einen Geologen beauftragt, der Bohrungen durchführt, um die Bodenbeschaffenheit zu analysieren. Danach kann berechnet werden, wie tief gebohrt werden und betoniert werden muss. Ich gehe davon aus, dass alle Boote schon in der Woche nach Pfingsten wieder fahren dürfen«, sagt Emrich. Ganz so schnell wird es laut Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt aber nicht gehen. »Es ist zwar keine Sache von Monaten, aber noch liegt uns ja nicht einmal ein Vorschlag vor, den wir überprüfen könnten«, sagt Oberegger.



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