15. Oktober 2018, 17:20 Uhr

Tumulte

Nach Chaos in Butzbach: Nun spricht die Bahn

Nach den tumultartigen Szenen am Butzbacher Bahnhof meldet sich nun die Bahn zu Wort. Das Unternehmen erklärt die Hintergründe des Chaos-Abends aus seiner Sicht.
15. Oktober 2018, 17:20 Uhr
Chaos in Butzbach. (Foto: bf)

Die Nerven liegen blank: Menschen rennen zum Bus, eine Traube Fahrgäste bedrängt den Fahrer. Es kommt zu Handgreiflichkeiten, Leute schreien und weinen. Diese tumultähnlichen Szenen haben sich laut Augenzeugenberichten am Samstagabend am Butzbacher Bahnhof abgespielt. Der Grund: Um die 150 Fahrgäste der Deutschen Bahn waren in der Wetterau gestrandet. Wegen einer Baustelle fuhren ihre Züge nicht weiter in Richtung Gießen, der bereitstehende Ersatzbus konnte aber längst nicht alle Wartenden aufnehmen. Die Situation spitzte sich derart zu, dass sogar die Bundespolizei anrücken musste.

 

Bahn kann Ärger verstehen

Am Montag hat die Deutsche Bahn auf Nachfrage dieser Zeitung Stellung bezogen. »Ja, es gab diese Vorfälle. Das ist sehr unangenehm. Wir müssen uns in aller Deutlichkeit bei den Fahrgästen entschuldigen«, sagte ein Sprecher und machte ein »Kommunikationsdefizit« für den Vorfall verantwortlich. Demnach hätte der erste der beiden Züge 17 Minuten Verspätung gehabt und sei erst um 20.42 Uhr in Butzbach angekommen. Die beiden für diese Fahrgäste vorgesehenen Ersatzbusse hätten die Verspätung jedoch nicht abgewartet und seien ohne Fahrgäste losgefahren. Eine halbe Stunde später, um 21.11 Uhr, sei der zweite Zug eingefahren. Der für diese Fahrgäste vorgesehene Gelenkbus sei dann auch von den bereits eine halbe Stunde wartenden Fahrgästen angerannt worden. Das Ergebnis: Chaos.

 

»Wir können verstehen, dass die Fahrgäste ungehalten wurden. Die Leute wollten nach Hause«, sagt der Bahnsprecher. Gleichzeitig betont er, dass man versuche, solch eine Situation in Zukunft auszuschließen. »Wir haben die beauftragten Busunternehmen noch einmal schriftlich angewiesen. Sollten zur geplanten Abfahrtzeit keine Fahrgäste vor Ort sein, müssen die Fahrer bei der Fahrleitung der Bahn nachfragen. Auch unsere Fahrleitung wurde schriftlich angewiesen, dass die fahrplanmäßigen Anschlüsse sicherzustellen sind.«

 

Busse hätten alle Fahrgäste aufnehmen können

Auf Nachfrage betont der Bahnsprecher, dass die Busse von der Kapazität her alle Fahrgäste hätten aufnehmen können. Ein Gelenkbus biete Platz für 70 Personen, wären die ersten Busse nicht unbesetzt fortgefahren, wären alle Menschen untergekommen, sagt der Sprecher.

Doch war der Vorfall von Samstagabend tatsächlich ein »einmaliges Ereignis«, wie es der Bahnvertreter formuliert? Der Hessische Rundfunk zitiert aktuell einen Sprecher der Polizei Mittelhessen, wonach es vor acht Wochen schon einmal einen Polizeieinsatz in Butzbach gegeben habe. Auch damals hätten aufgebrachte Bahnkunden beruhigt werden müssen, da Ersatzbusse gefehlt hätten. Der Bahnsprecher dazu: »Wir haben immer mal wieder Schienenersatzverkehr. Da kommt es auch mal vor, dass die Fahrgäste warten müssen. Aber ein Vorfall in diesem Ausmaß hat es seinerzeit nicht gegeben. Wir haben damals auch keine Beschwerden erhalten.«

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