28. Juni 2018, 19:00 Uhr

Bahndurchstich

Nach Brutto-Netto-Desaster: Gießener Bahndamm-Durchstich freigegeben

Vor 16 Jahren tauchte der Plan auf, von der Dammstraße eine Bahnunterführung zur Lahn zu bauen. Nun wurde der Durchstich von den ersten Fußgängern, Radlern und Autos durchquert.
28. Juni 2018, 19:00 Uhr

Elisabeth und Martin Grote waren die ersten, die am Donnerstag kurz vor Mittag durch die vier Meter breite Unterführung rollten und in die Bootshausstraße einbogen, wo zwischen Baugeräten und Public-Viewing-Zelt die Lahn in der Sonne glitzerte. »Ich finde das ganz toll. Wir können die Stadt und die Lahn mit dem Fahrrad ganz anders genießen, seit es die Brücken und jetzt diesen Durchstich gibt«, freute sich Elisabeth Grote.

Eine Stunde zuvor dominierten die kritischen Töne. Um die 20 Aktivisten der Bürgerinitiative »Wieseckaue«, die allermeisten weit im Rentenalter, waren mit Transparenten und Schildern zur Einweihung des »Eisenbahnüberführungsbauwerks Dammstraße« gekommen, um ihrem Unmut vor allem über die Entwicklung der Kosten Luft zu machen. »Denkmal der Gießener Misswirtschaft« oder »Unsere Brutto-Netto-Rechenkünstler« stand da geschrieben, und der Stadtverordnete Michael Janitzki (Gießener Linke) diktierte den Zeitungsleuten in die Blöcke: »Augen zu und durch war das Motto bei diesem Projekt.«

 

»Hoher Nutzwert«

An ein ganz anderes Motto erinnerte die für die Durchstich-Planung zuständige Bürgermeisterin Gerda Weigel-Greilich. Unter der Überschrift »Auf zu neuen Ufern« habe die Landesgartenschau 2014 gestanden. Mit dem Durchstich werde es – wenn auch verspätet – ein weiteres Mal verwirklicht. Man müsse sich daran erinnern, wie es vor der Gartenschau rechts und links der Sachsenhäuser Brücke ausgesehen habe und welche Aufwertung das ganze Gebiet bis zum Rübsamen-Steg mittlerweile erfahren habe. Mit seinem »hohen Nutzwert« reihe sich der Durchstich in die erfolgreichen LGS-Projekte ein, sagte Weigel-Greilich. Die Baukostensteigerung von 1,7 (2011) auf jetzt 3,6 Millionen Euro sei eine Tatsache, aber Misswirtschaft müsse sich der Magistrat angesichts von Haushaltsüberschüssen in Höhe von 25 und 38 Millionen Euro in den Haushaltsjahren 2016 und 2017 nicht vorwerfen lassen.

»Viel Spaß mit dem Durchstich« wünschte der Stadt Gießen Ulrich Achterberg für die Netz AG der Deutschen Bahn und betonte, dass der Lärmschutz bei der Planung eine große Rolle gespielt hatte. »Aus der Brücke heraus hören Sie fast nichts, wenn ein Zug drüber fährt«, sagte Achterberg.

Als Gewinner des Projekts sieht sich die Gießener Rudergesellschaft. »Wir erhalten einen zweiten Zugang zur Stadt. Das vereinfacht den Transport der Boote und wertet unsere Gastronomie weiter auf. Der Standort wird immer besser«, lautete das Fazit des GRG-Vorsitzenden Christopher Nübel.

Die Kritiker geben die Kosten des Projekts unter Hinzurechnung der langfristigen Unterhaltung und der Kosten für die Straßenanbindung mit fünf Millionen Euro an. Ein Anwohner meinte: »Die Gießener werden die Unterführung nutzen, aber fünf Millionen Euro sind schon sehr viel Geld für so ein Bauwerk.«

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