01. Februar 2011, 14:05 Uhr

Musikalischer Hochgenuss für guten Zweck

Das Fauré-Quartett gab auf Einladung der Soroptimistinnen ein Benefizkonzert. Der Erlös ist für Ausbildungspatenschaften bestimmt.
01. Februar 2011, 14:05 Uhr
Dirk Mommertz, Sascha Frömbling, Erika Geldsetzer und Konstantin Heidrich (von links) in der Uni-Aula.

Selten verbindet sich musikalischer Hochgenuss so ideal mit dem guten Zweck wie beim ausverkauften Benefizkonzert des Soroptimist International Clubs zugunsten von Ausbildungspatenschaften bei der Jugendwerkstatt am Sonntag in der Uni-Aula. Wie Ingrid Naß-Herfurth, die Präsidentin des Gießener Clubs hervorhob, sei der Erlös für Jugendliche und junge Erwachsene gedacht, die es besonders schwer hätten, einen Ausbildungsplatz zu finden. Sie zeigte sich stolz darüber, dass mit dem Fauré-Quartett »Ausnahmemusiker« das Projekt unterstützten. Landrätin Anita Schneider wünschte sich als Schirmherrin eine Politik, die ausreichend in Bildung investiere; zur Zeit sei hierbei noch das Engagement von Initiativen notwendig. Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz lobte den Club dafür, die »Gießener Welt ein Stück menschenwürdiger und gerechter zu gestalten«.

Das Fauré-Quartett - hier bereits zum zweiten Mal zu Gast, außerdem schon einmal im Rahmen der Winterkonzerte zu hören gewesen - zeigte gerade in der ersten Hälfte bei Gustav Mahler und Felix Mendelssohn Bartholdy internationales Format. So trafen Dirk Mommertz (Klavier), Erika Geldsetzer (Violine), Sascha Frömbling (Viola) und Konstantin Heidrich (Cello) in Mahlers Quartettsatz a-Moll von Beginn an geistvoll den leidenschaftlichen Ausdrucksgestus; mehrmals intensivierten sie die Dynamik ganz allmählich bis hin zu vehementen Höhepunkten. Die Intonation der Musiker fügte sich zu einem dichten, transparenten Gesamtklang. Recht ansprechend gerieten die Kontraste zwischen ruhiger Kantabilität und geballter Expressivität.

Ebensolches Vergnügen bereitete Mendelssohn Bartholdys Quartett Nr. 2 f-Moll. Mit Spielfreude brachte das Ensemble den Allegro-Kopfsatz zu Gehör. Präzise gelang die rhythmische Koordination zwischen Klavier und Streichern. Mommertz' Tongebung wirkte kernig und klar, doch nie zu gewichtig, vielmehr fein auf seine Musizierpartner abgestimmt. Im Ganzen riss die temperamentvolle Themengestaltung regelrecht mit. Von ganz anderer, liedhaft-beschaulicher Art ist das folgende Adagio, in dem das Ensemble seine lyrische Nuancierungsfähigkeit unter Beweis stellte. Das turbulente »Allegro molto vivace«-Finale ließ sich kaum virtuoser gespielt vorstellen; eine pointierte Interpretation wie aus einem Guss mit deutlich herausgearbeiteten kontrapunktischen Elementen.

Prägnant eröffnete Mommertz nach der Pause das Quartett
E-Dur op. 20 von Sergei Tanejew am Klavier, dann traten die Streicher hinzu, und die Musik entwickelte sich in einem klanglich opulenten, an Johannes Brahms erinnernden Stil. Das Ensemble reizte in seiner sorgfältigen Interpretation die intensive Atmosphäre ganz aus, trug hier allerdings manchmal fast zu dick auf; die Streicher gaben den ganzen Bogen dran, mit gleichermaßen großem Krafteinsatz spielte der Pianist. Auch das Adagio und das Schluss-Allegro bot das Fauré-Quartett mit kaum steigerbarer Energie dar, vermochte dank ausgeklügelter Spannungsbögen stark in den Bann zu ziehen. Für den begeisterten Applaus dankte es mit einer Bearbeitung des Stücks »Gatekeeper« der kanadischen Sängerin und Songwriterin Leslie Feist als Zugabe. Sascha Jouini



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