04. Oktober 2019, 21:32 Uhr

Mord und Appetit

04. Oktober 2019, 21:32 Uhr
CJG
Von Ochsenaugen und Schwarzwälder Kirsch spricht Florian Siebrecht bei Bäcker Braun.

Eines haben alle drei Kurzgeschichten, die Florian Siebrecht für das 16. Gießener Krimifestival am Donnerstag im Gepäck hatte, gemeinsam: Es geht kriminell zu, und dabei ziemlich appetitlich. Schon bei der ersten Erzählung »Ochsenaugen« lief wohl einigen der etwa 70 Zuhörer in der Bäckerei Braun das Wasser im Munde zusammen. Dabei geht es ja eigentlich um ein ernstes Thema - das mysteriöse Verschwinden eines älteren, wohlhabenden Ehepaars. Zufälligerweise handelt es sich bei diesem um die neuen Besitzer des alten Bauernhäuschens, in dem vor Kurzem noch die Großmutter der Hauptakteurin gewohnt - und darin ihre wunderbaren »Ochsenaugen« gebacken hatte. »Außen knusprig, innen weich. Saftig und süß!«, heißt es. Für das Ehepaar - so viel sei verraten - geht es nicht gut aus, dafür endete die Geschichte für das Publikum angenehm: mit dem Rezept für die im Krimi viel gelobten »Ochsenaugen von Oma«.

Auch bei dem zweiten Kurzkrimi gab es zuletzt ein Rezept. Vielleicht zum Trost, immerhin geht es in der Kurzgeschichte wild zu. Ein älteres Ehepaar unternimmt eine Zugfahrt und begegnet dabei einem etwas sonderbaren jungen Herrn. Kurze Zeit später verschwindet er und lässt nur eine einsame Schwarzwälder Kirschtorte zurück. Was zunächst harmlos erscheint, ist es in Wirklichkeit gar nicht - den Namen »Tortenschlacht« trägt die Story nicht umsonst.

Und auch in dem letzten Kurzkrimi, den Florian Siebrecht zum Besten gab, geht es hoch her. Mehr oder weniger das Thema: französische Köstlichkeiten. Eine, selbstverständlich tragisch endende, Erwachsenengeschichte mit dem anregenden Namen: »Aber bitte mit Mandeln«. Vor allem hier gelang es Florian Siebrecht, sein Können als Geschichtenerzähler unter Beweis zu stellen. Besonders amüsierte er seine Zuhörer mit dem französischen Akzent, in den er zum Teil wechselte. Und natürlich mit einigen lockeren Sprüchen am Rande. Dass er bei seinen Zuhörern gut ankam, bestätigten nicht zuletzt die zahlreichen positiven Rückmeldungen. Sein mitreißender, lebhafter, abwechslungsreicher und fesselnder Stil überzeugte.

Als echter »Schlammbeiser« ist Florian Siebrecht nicht nur in Gießen geboren, er hat auch hier »Angewandte Theaterwissenschaften« studiert. Heute »lebt er vom Lebenretten«, ist seiner Leidenschaft fürs Theater aber trotzdem treu geblieben. So führt er regelmäßig Regie am Gießener »Keller Theatre«. (Foto: cjg)

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