19. Juli 2018, 22:08 Uhr

»Monsignore«-Kumpel gesteht nun doch

19. Juli 2018, 22:08 Uhr

Ein falscher Erzbischof mit Siegelring, diskrete Treffen in Luxemburger Hotels, gierige Geschäftsleute, die sich zinsgünstige Kredite in Höhe von 100 bzw. 400 Millionen Euro erhofften – und zwar von der Hausbank des Papstes, der Vatikanbank, der solche Geschäfte mit Privatleuten eigentlich verboten sind: »Skurril wie die Hitlertagebücher« war für den Staatsanwalt vor einem Jahr der Prozess am Amtsgericht, bei dem ein wegen Betrugs Angeklagter aus Gießen am Ende freigesprochen wurde – aus Mangel an Beweisen, denn auch die Richterin hielt es für möglich, dass der heute 67-jährige, studierte Architekt mit dem Hauptverdächtigen, einem »Monsignore Kamper«, unter einer Decke gesteckt haben könnte.

Weil die Staatsanwaltschaft gegen das Urteil des Amtsgerichts Berufung eingelegt hatte, kam es nun am Landgericht zu einem neuen Prozess. Und der endete mit einer Verurteilung des Mannes, ohne dass neue Zeugen gehört worden wären.

Möglich machte es eine in der Strafprozessordnung vorgesehene Absprache zwischen Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung, bei der sich die Beteiligten über das weitere Vorgehen verständigen – etwa für den Fall, dass der Angeklagte gestehen sollte. Und genau dies geschah am Donnerstag. Der Gießener räumte ein, dass er an den Betrügereien beteiligt war und erhielt dafür ein Jahr und sechs Monate Haft. Auch Staatsanwalt Rouven Spieler hatte dies gefordert, Verteidigerin Andrea Stauffert-Eck zwei Monate weniger.

Dass die Strafe zur Bewährung ausgesetzt werden könnte, war ebenfalls vorab besprochen worden. Die Bewährungszeit beträgt vier Jahre, hinzu kommen 180 Stunden gemeinnützige Arbeit. Verurteilt wurde der Mann, weil er und »Monsignore Kamper« zweimal Provisionen eingesteckt hatten: 12 000 Euro sowie 30 000 Euro (nicht 90 000 Euro, wovon die Anklage zunächst ausgegangen war).

Vieles bleibt im Nebel

Für den Vorsitzenden Richter Johannes Nink war der Angeklagte in der Betrugsgeschichte eher in der »mittleren oder unteren Ebene« angesiedelt, nicht der »Spiritus Rector«. Diese Rolle kommt wohl jenem ominösen »Monsignore Kamper« zu, dessen wahre Identität bis heute völlig unklar ist. Er wird vermutlich nie verurteilt werden.

So bleibt am Ende dieses Prozesses viel im Nebel: Beispielsweise, wieviele Geschäftsleute auf die falschen Versprechungen hereingefallen sind, denn angeklagt waren nur zwei Vorfälle aus dem Jahr 2010, obwohl es vermutlich deutlich mehr gab. Geradezu fassungslos war Nink beim Verlesen der Anklageschrift aus dem ersten Prozess, wenn er auf die »Naivität« und »Gier« der betrogenen Geschäftsleute zu sprechen kam. Einem 70-Jährigen war ein Kredit mit einer Laufzeit von 30 Jahren in Aussicht gestellt worden, und der griff begeistert zu. Dabei nannten die angeblichen Verträge die Vatikanbank nicht einmal mit korrektem Namen, Stempel stammten nicht von der »Bank Gottes«, sondern aus der vatikanischen Bibliothek.

Vollständig rehabilitiert ist die echte Vatikanbank. Als ein geprellter Münchener Geschäftsmann damit drohte, die angeblichen Verwicklungen des römischen Geldinstituts öffentlich zu machen, kam kurz der Verdacht auf, dass an den Vorwürfen etwas dran sein könnte. Schließlich stellte sich heraus, dass es einen »Monsignore Kamper« im Vatikan nie gegeben hat.

Verurteilt wurde der mehrfach vorbestrafte Gießener auch dazu, die ergaunerte Provision zurückzuerstatten. Doch dazu wird er wohl kaum in der Lage sein. Im ersten Prozess hatte er seine Schulden auf rund 30 Millionen Euro beziffert.

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