20. Februar 2018, 21:01 Uhr

Mit breiter Farbpalette

20. Februar 2018, 21:01 Uhr
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Von Sascha Jouini
Die Schwestern Anna (l.) und Ines Walachowski umrahmen Karla-Maria Cording.

Gießen (jou). Zum Ausklang der Winterkonzerte ging das Programm am Montag im Rathaus in kompositorischer Vielfalt und Musikeraufgebot über das Gewohnte hinaus. Aufmerken ließ schon eingangs das Arrangement für Klavier zu sechs Händen der Ouvertüre zu Wolfgang Amadeus Mozarts Oper »Le nozze di Figaro«: Die Schwestern Anna und Ines Walachowski förderten gemeinsam mit Karla-Maria Cording eine breite orchestrale Farbpalette zu Tage. Klanglich ausbalanciert spielten die drei Pianistinnen; glockenartig brachte Cording den Diskantpart zum Leuchten.

Über weite Strecken gelungen schien auch, wie das Walachowski-Duo Mozarts vierhändige Sonate C-Dur KV 521 interpretierte. Der Vortrag des Allegro-Kopfsatzes strahlte große Eleganz aus, war frei von verstaubter Antiquiertheit, vielmehr ganz zugeschnitten auf das kräftige Klangpotenzial des modernen Steinway-Flügels.

Hohes Niveau

Wohlgemerkt muteten auch leise Passagen expressiv an. Das folgende Andante gelang zwar solide, konnte man sich indes feindynamisch noch differenzierter vorstellen. So hätten die Schwestern plastischer herausarbeiten können, wie sich Phrasen öffnen und schließen. Etwas besser gefiel das Allegretto-Finale mit ansprechend ausgekosteten Verzögerungen, Beschleunigungen und überraschenden Wendungen.

Technisch wie gestalterisch auf noch deutlich höherem Niveau agierte das Klaviertrio Würzburg bei dem Trio Nr. 1 F-Dur op. 18 von Camille Saint-Saëns. Dies zeigte sich bereits im eröffnenden Allegro an der Fülle ausgeklügelter Details. Karla-Maria Cording bildete zusammen mit ihrer Schwester Katharina (Violine) sowie Peer-Christoph Pulc (Cello) ein perfekt aufeinander eingespieltes Ensemble. So konnte man sich dem sehnsuchtsvoll-leidenschaftlichen Tonfall kaum entziehen. Einem nuancierten, etwas mysteriösen Seelenporträt gleich kam die Musik im Andante und dürfte, verstärkt durch latente Unruhe, die Fantasie vieler Hörer beflügelt haben. Auch beim Scherzo begeisterte die ausgefeilte Interpretation restlos. Das Allegro-Finale rundete mit den weitgespannten musikalischen Bögen den ausgezeichneten Gesamteindruck ab.

Hinter den komplexen Hauptwerken verblassten ein wenig Sergei Rachmaninows »Romanze und Walzer« für Klavier zu sechs Händen, die sich an der Grenze zum Trivialen bewegten und die man nur als ausgleichenden Ruhepol gelten lassen konnte. Beschwingte Akzente setzte das Walachowski-Duo demgegenüber bei drei »Slawischen Tänzen« von Antonin Dvorák und demonstrierte hier lebhaftes Temperament.

Als starker Programmabschluss erwies sich das Arrangement von Mendelssohn Bartholdys Symphonie Nr. 1 c-Moll op. 11 für Klavier zu vier Händen, Violine und Cello. Gekonnt spitzte das Ensemble im Kopfsatz die Dramatik zu, widmete sich dann voller Empfindsamkeit dem poetisch tiefgründigen Andante. Das virtuose Intermezzo führte zu einem mit Nachdruck, ganz satt koloriert zu Gehör gebrachten Finale. Für den begeisterten Applaus der zahlreichen Besucher dankte das Ensemble mit Johannes Brahms’ »Ungarischem Tanz« Nr. 5 als Zugabe. (Foto: jou)



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