25. August 2017, 20:20 Uhr

Mit »Zeitgewinn« gegen die Schwarzarbeit

25. August 2017, 20:20 Uhr
DHG

Gießen (dhg). Dass haushaltsbezogene Dienstleistungen die Zukunft der deutschen Wirtschaft sind, steht für Landrätin Anita Schneider außer Frage. Durch den demografischen Wandel und die erstrebte Vereinbarkeit von Familie und Beruf steigt die Nachfrage an Haushalthilfen an. Laut Schneider sättigt Schwarzarbeit diese Nachfrage. Das soll sich ändern. Das Zentrum für Arbeit und Umwelt (ZAUG) lud zum Fachgespräch mit Vertretern der Landespolitik ein, um das Projekt »Zeitgewinn« als Lösungsvorschlag vorzustellen.

Mit »Zeitgewinn« stellt ZAUG ein mit 17 000 Euro vom Landkreis Gießen gefördertes Modellprojekt vor. Am 15. November 2015 konstituierte sich das Modellprojekt. Als Experten arbeiten in der Steuerungsgruppe Unternehmerin Elisabeth Faber, Andrea Kramer von der Beratungsstelle für ältere und pflegebedürftige Menschen, die JLU-Professorin Uta Meier-Gräwe, die städtische Frauenbeauftragte Friederike Stibane, Uwe Happel von der Stabsstelle Wirtschaftsförderung der Stadt Gießen und Helga Fuß von der Agentur für Arbeit.

240 gemeldete Haushaltshilfen

Der Landkreis Gießen hat laut Schneider einen »großen Schwarzmarkt«. Laut Schneider werden im Jahr 2030 30 Prozent der Gießener über 65 Jahre alt sein – derzeit sind es 20 Prozent. Um dem größer werdenden Schwarzmarkt – derzeit 80 Prozent der beschäftigten Haushaltshilfen – und dem demografischen Wandel vorzubeugen, sei es nötig, Frauenerwerbsarbeit zu fördern. Das Projekt »Zeitgewinn« will daher ein legales und bezahlbares Angebot an haushaltsnahen Dienstleistungen in ganz Hessen schaffen. Das Saarland hat bereits eine Vorreiterstellung in der Bundesrepublik eingenommen und fördert 18 Agenturen, die rund 240 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze geschaffen haben. Damit ein solches Angebot nicht nur von der Mittelschicht, sondern zum Beispiel auch zur Entlastung von Alleinerziehenden genutzt werden kann, schlagen die Experten eine Subventionierung des Staates vor.

Politiker äußern Bedenken

Vertreter der Politik signalisieren Zustimmung, haben aber Bedenken zur Umsetzung. Der Vorsitzende der SPD Hessen, Thorsten Schäfer-Gümbel, und Vizepräsident des Landtages, Wolfgang Greilich (FDP), sind sich einig, dass verschiedene Familienformen unterschiedliche Bedürfnisse haben. »Eine universelle Lösung wird es nicht geben«, so Schäfer-Gümbel. Auch der Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Gerhard Merz, und Marcus Bocklet von den Grünen äußerten Bedenken. »Dem Bürger zu erklären, warum alle Haushalte unterstützt werden, wird schwierig«, so Bocklet. Pflegebedürftige und Alleinerziehende zu unterstützen sei ein anderes Thema.

Am Ende zeigte sich Familienwissenschaftlerin Meier-Gräwe zuversichtlich und prognostizierte. Wenn sich die bundesdeutsche Gesellschaft dem globalen Markt stellen wolle, müsse sie Frauen und den demografischen Wandel miteinbeziehen. Das alte Bild der »Hausfrau« sei überholt und es müssten sozialversicherungspflichtige Arbeitsstellen geschaffen werden, um vor Altersarmut zu schützen. So wird bis zum 15. November »Zeitgewinn« mit dem Ziel, 15 Arbeitsplätze zu schaffen, fortgeführt und anschließend evaluiert.

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