25. Mai 2017, 16:47 Uhr

Mit Rückenwind in den Arbeitsmarkt

25. Mai 2017, 16:47 Uhr

Gießen (pm). Erfolgreiche Projekte zur Integration von Flüchtlingen wurden bei einem Fachforum »Arbeit integriert« der kirchlichen Jugendwerkstatt vorgestellt. »Integration in den Arbeitsmarkt ist ein konkreter Baustein für sozialen Frieden und innere Sicherheit in unserem Land«, hatte der Dekan Frank-Tilo Becher zu Beginn vor den rund 100 Teilnehmern aus Politik, Wirtschaft, Arbeitsagentur und Jobcenter sowie zahlreichen ehrenamtlichen Flüchtlingshelfern gemahnt.

In den Vorträgen und Diskussionen wurde darauf aufmerksam gemacht, dass Arbeitgebern noch die Anreize fehlen, Flüchtlinge zu beschäftigen, wenn sie intensive sprachliche und soziale Betreuung bräuchten. Außerdem gebe es einen »Dschungel von Vorschriften«, so Sigrid Schneider, Personalchefin des Haustechnik-Unternehmens Lück aus Lich. Die Firma kooperiert mit der Jugendwerkstatt in dem vom Landkreis gefördert Pilotprojekt »Dreisprung«. Dabei werden Bewerber nach einer Testphase für ein sechsmonatiges Praktikum ausgewählt. Sie arbeiten auf Baustellen mit, um Sprache und Arbeitsalltag kennenzulernen. Ziel sei es, sie schließlich in die Ausbildung zu übernehmen. Das Unternehmen Lück beschäftigt derzeit fünf Praktikanten. Landrätin Anita Schneider wies darauf hin, dass im Landkreis Gießen mittlerweile 23 Handwerksbetriebe Ausbildungsplätze zur Verfügung stellen.

Dschungel von Vorschriften

In der Jugendwerkstatt können Flüchtlinge in der »Probierwerkstatt« unter anderem in den Holz- und Metallwerkstätten erste Erfahrungen mit der betrieblichen Arbeit sammeln, erläuterte Pfarrerin Anette Bill. In den sechs Monaten trainierten sie zweimal wöchentlich berufsbezogene Sprache und knüpften Kontakte. Sozialpädagoginnen unterstützten sie in Alltagsfragen oder bei der Anerkennung von Qualifikationen im Herkunftsland. In einem weiteren Projekt »Rückenwind« werden Flüchtlinge intensiv unterrichtet, etwa beim Lesen und Sprechen fachbezogener Texte und in Betriebspraktika vermittelt. Ziel sei es, sie in die Ausbildung zu bringen und sie dabei in den ersten Monaten sozialpädagogisch zu betreuen.

Unter den Zuhörern des Fachforums waren auch viele ehrenamtliche Flüchtlingshelfer. Für die Vermittlung von Beschäftigungsmöglichkeiten seien sie mit ihren Kontakten zu Betrieben vor Ort besonders wichtig, betonte Katharina Schuh vom Diakonischen Werk. David Glunde von der Agentur für Arbeit wies darauf hin, dass es notwendig sei, die Vermittlung von Praktika mit seiner Behörde zu koordinieren, um aufenthaltsrechtliche Probleme zu vermeiden.

Es wurde immer wieder davon berichtet, dass es viele Fachkräfte unter den Flüchtlingen gebe, die aber das fachspezifische Deutsch noch nicht beherrschten. Ausbildungsbetriebe seien mit der erforderlichen sprachlichen Betreuung überfordert. Außerdem wurde auch die Forderung laut, dass der Zugang zu Integrationskursen schneller gehen und sich der Deutschunterricht stärker an der beruflichen Praxis orientieren müsse. Wolfgang Hofmann, Geschäftsführer des Jobcenters Gießen, sagte, dass derzeit nur »eine überschaubare Zahl der Flüchtlinge über alltagstaugliche Sprachkenntnisse« verfügten. Allerdings erwarte er, dass sich die Situation in zwei Jahren verbessere sei.

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