29. Juni 2017, 21:50 Uhr

Mit Marihuana getröstet

29. Juni 2017, 21:50 Uhr

Im Grunde genommen war es purer Zufall. Aber immerhin einer, der Polizeibeamten ein gutes halbes Kilo Marihuana bescherte. Ein 45-jähriger Gießener hatte – versteckt hinter einer Schrankwand – in einem abgeteilten Raum seiner Wohnung eine Cannabisplantage betrieben. Dafür kassierte der geschiedene Familienvater am Donnerstag ein Jahr und drei Monate Haft auf Bewährung.

Eigentlich hatten die Polizisten am 15. Oktober 2015 die Wohnung des Angeklagten inspiziert, weil sie dort illegale Waffen vermuteten. Nachbarn hatten berichtet, der gelernte Kaufmann habe eine Kalaschnikow in seinen Räumen versteckt. Zwar fanden die Beamten tatsächlich Waffen. Die entpuppten sich jedoch als »Dekogeräte aus Plastik«, wie ein Zeuge vor einem Schöffengericht des Gießener Amtsgerichts erläuterte. Also harmlos. Zu beanstanden hatten die Ermittler lediglich 45 Patronen, die der Gießener in seiner Wohnung aufbewahrt hatte, ohne einen entsprechenden Erwerbsschein zu besitzen. Der Angeklagte gab an, diese Munition irgendwann einmal beim Entrümpeln gefunden und aufgehoben zu haben.

Viel interessanter war jedoch, was die Kriminalpolizisten hinter der genannten Schrankwand entdeckten. Laut Staatsanwältin Daniela Zahrt eine »professionelle« Plantage mit 18 erntereifen Cannabispflanzen. In einem speziellen Trocknungsschrank hingen bereits fünf abgeerntete Pflanzen. Weitere 24 Gramm Haschisch befanden sich in der Küche.

Gelenkschmerzen betäubt

Eine stattliche Menge. Allerdings beteuerte der Familienvater, er habe diese Pflanzen nur für den Eigenkonsum gezogen. Tatsächlich fanden Ermittler keinerlei Hinweise darauf, dass der Angeklagte »gedealt« hatte. Über seinen Verteidiger Carsten Marx sagte er, dass die Drogen medizinischen Zwecken gedient hätten. Er habe massive Gelenkschmerzen, aber kein Arzt könne eine Ursache finden. Außerdem habe er sich damals – nach der Trennung von Frau und Kindern – in einer Lebenskrise befunden und auch seine Psyche betäuben wollen. Jetzt sei seine Situation stabiler, er habe einen neuen Job gefunden und bekämpfe die Gelenkschmerzen mit indischen Gewürzen.

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