04. Juli 2019, 22:08 Uhr

Mit »Feuer« kranken Kindern geholfen

04. Juli 2019, 22:08 Uhr
Im grünen Trikot für die gute Sache: Dutzende Male sang Costa Cordalis - meist mit Sohn Lucas (links hinten) - allein in Gießen sein Tourlied »Das Feuer«. (Archivfoto: Schepp)

»Widerlich« fand er die »Prüfungen« in der australischen Wildnis. Dennoch kämpfte sich Costa Cordalis zum »Dschungelkönig« durch - indem er an kleine Krebspatienten in Gießen und anderswo dachte. »Jeden Tag hatte ich das Bild vor Augen von den kranken Kindern, und das hat mich dazu gebracht, durchzuhalten. Ich wollte für sie gewinnen«, erzählte der Schlagerstar am Abschlussabend der »Tour der Hoffnung« 2004. Die 35 000 Euro Prämie überwies er komplett an die Gießener Hilfsaktion. »Costa hat die Tour mitgeprägt«, sagt »Tour der Hoffnung«-Organisator Gerhard Becker im GAZ-Gespräch. Er und die ganze »Tourfamilie« denken nach dem Tod des 75-Jährigen dankbar zurück an einen »ganz lieben Menschen«.

Locken wehen, Schröder »sauer«

Cordalis gehörte zu den ersten Unterstützern der Idee des Gießener Kinderklinikleiters Fritz Lampert, mit einer Rennrad-Tour Spenden für Krebsforschung zu sammeln. Schon 1991 rollte er erstmals mit Ärzten und Prominenten durch Weißrussland, zunächst unter dem Namen »Tour Peiper«, später » Tour Gingko«. Eigens für die Aktion hatte er das Lied »Das Feuer« geschrieben, das er neben seinem größten Hit »Anita« überall zum Besten gab. Bis 2007 blieb er der »Tour der Hoffnung« treu. Ausgestiegen sei er nur wegen Terminschwierigkeiten »und weil er auch nicht mehr der Jüngste war«, so Becker. »Wir haben Kontakt gehalten, ab und zu kam er zu einer Spendenübergabe.«

»In all den Jahren habe ich nie ein böses Wort von ihm gehört. Er konnte zum Beispiel mit Kindern gut umgehen.« Bundesweit haben Kindergartengruppen »Das Feuer« gelernt und mit Costa Cordalis auf der Bühne präsentiert. Auch sonst war der Star »zu jedem nett«, erinnert sich Becker. »Wenn wir gesagt haben, wir müssen weiter, hat er erst einmal alle Autogrammwünsche erfüllt und den Tross dann eingeholt.« Meist saß er auf dem Rennrad und nicht etwa im Begleitfahrzeug. »Im verschwitzten grünen Trikot« griff er zur Gitarre, hebt Becker hervor.

In einer Hinsicht freilich scherte Cordalis aus dem für alle anderen gültigen Regelwerk aus: Er fuhr ohne Helm und wurde dank seiner wehenden Locken allerorts erkannt und bejubelt. Das gefiel nicht jedem Prominenten. Der damalige niedersächsische Ministerpräsident und angehende SPD-Kanzlerkandidat Gerhard Schröder soll 1997 - so erinnert sich der damalige GAZ-Berichterstatter - »richtig sauer« gewesen sein, als der Grieche ihm die Schau stahl. Schröder selbst fiel als Helmträger, umringt von Sicherheitsleuten, seinem Volk kaum auf.

Costa Cordalis begleitete die Tour als Überzeugungstäter und Botschafter, der Zugewandtheit und gute Laune verbreitete. Ohne Berührungsängste brachte er Olympiasieger zum Singen und tanzte 2002 mit Verkehrsminister Kurt Bodewig bei einem außerplanmäßigen Zwischenstopp kurzerhand auf der Straße Sirtaki. 1992 hat er sogar das Gießener Stadtfest eröffnet: Oberbürgermeister Manfred Mutz überließ es dem Star, das Freibierfass anzuzapfen. Gekonnt brachte Cordalis den Hahn mit zwei Schlägen an und schwang sich in den Sattel - Spenden sammeln für kranke Kinder.

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