04. November 2019, 14:00 Uhr

Lidl-Knöllchen

Mit Elektronik gegen Parksünder

Parkplätze sind oft Mangelware.Der Discounter Lidl hat jetzt ein System eingerichtet, das die Parkzeit elektronisch überwacht. Wer länger als 60 Minuten hier steht, riskiert ein Knöllchen.
04. November 2019, 14:00 Uhr
Auch auf dem Lidl-Parkplatz an der Grünberger Straße finden sich die Parksensoren. (Foto: Schepp)

Freitagvormittag auf dem Lidl-Parkplatz in der Sudetenlandstraße: Ein älterer Herr hat gerade seinen Wagen verlassen und steuert den Supermarkt an. Doch dann stutzt er. Vor ihm auf dem Boden befindet sich eine kleine schwarze Abdeckung. Auf der benachbarten Parkfläche ebenfalls, ja auf dem gesamten Parkplatz sind diese ominösen Teile zu finden. »Was ist denn das?«, entfährt es dem Senior. Eine Frage, die sich Lidl-Kunden in den vergangenen Wochen wohl häufiger gestellt haben.

Bei den Vorrichtungen handelt es sich um Sensoren, mit denen die Parkdauer überwacht wird. Sie sind auf allen vier Gießener Lidl-Märkten zu finden. Wer länger als die erlaubten 60 Minuten parkt, muss knapp 20 Euro zahlen. Der Zweck der Maßnahme ist klar: Lidl will gegen Falschparker vorgehen.

Gerade in Innenstädten, wo Parkplätze rar gesät sind, sind die großen Flächen der Supermarktketten verlockend. Wer samstags schon mal auf dem Flohmarkt in der Weststadt war, kann ein Lied davon singen. Oder aber die Filiale an der Grünberger Straße: Bei Heimspielen des FC Gießen im Waldstadion dürfte der ein oder andere Parkplatz von einem Fußballfan besetzt sein. Und auch rund um die Sudetenlandstraße ist der Parkdruck hoch. Bisher ließ sich kaum überprüfen, wie lange die Autos auf den Plätzen standen. Zwar war es auch schon vorher verboten, länger als 60 Minuten hier zu parken, die wenigsten Kunden dürften ihre Ankunftzeit aber mit einer Parkscheibe dokumentiert haben.

Knöllchen über 19,90 Euro

Durch die neuen Sensoren ist das nicht mehr notwendig. Steht ein Wagen länger als erlaubt auf dem Parkplatz, informiert das mit dem Dienst beauftragte Unternehmen, für Gießen ist die Firma »Park Safe« zuständig, einen Lidl-Mitarbeiter vor Ort, der den Falschparker aufschreiben kann. 19,90 Euro werden dann fällig. Allerdings kann die Summe storniert werden, wenn die Betroffenen mit einem Kassenzettel eine längere Einkaufsdauer nachweisen können.

»Lidl ist es wichtig, seinen Kunden während der gesamten Öffnungszeit einen schnellen und bequemen Einkauf sowie ausreichend Parkmöglichkeiten zu bieten. Zu diesem Zweck halten wir entsprechend gekennzeichnete Parkplätze für unsere Kunden frei«, teilt die Lidl-Pressestelle auf Anfrage dieser Zeitung mit. Mit der neuen Vorgehensweise, zwischen Kunden und Falschparkern zu differenzieren, habe man gute Erfahrungen gemacht.

Ein lukratives Geschäft?

Nicht nur in Gießen, auch in vielen anderen deutschen Städten kommt dieses System zum Einsatz - nicht ohne Kritik. Manche sehen in der Maßnahme Abzocke, andere fühlen sich überwacht. Safe-Place-Geschäftsführer André Westhoff wehrt sich gegen solche Vorwürfe. Gegenüber der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung betonte er jüngst, dass es lediglich darum gehe, knappe Ressourcen an Parkplätzen besser zu nutzen. »Unser System soll dafür sorgen, dass es für die Kunden einfach stressfreier wird, ihren Einkauf zu erledigen und diese nicht auch noch an die Parkscheibe denken müssen.« Zudem betonte Westhoff, dass die Nummernschilder nicht erfasst würden. Der Sensor registriere allein die Zeit, die das Fahrzeug dort parke.

Allerdings gibt es Zweifel, ob die Maßnahme allein kundenfreundliche Gründe hat. Das Elektronikportal chip.de berichtet, dass 70 Prozent der Parkplätze bei Lidl verpachtet sein könnten - Tendenz steigend. Neben der Pachtgebühr verdiene der Discounter auch prozentual an den Einnahmen aus den Knöllchen - ein lukratives Geschäft.

Der ältere Herr vom Parkplatz an der Sudetenlandstraße hat sich noch keine abschließende Meinung über die Sensoren gebildet. Auf der einen Seite begrüße er es, künftig keine Parkscheibe mehr auslegen zu müssen. Zudem habe er schon öfters beobachtet, wie Anwohner ihre Wagen hier auch dauerhaft abgestellt hätten. Auf der anderen Seite sei ihm die technische Kontrolle aber auch suspekt: »Überwacht werden möchte ich nicht.«

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