19. Juni 2018, 10:53 Uhr

Millionenschaden

Millionenschaden an Uni-Mensa Gießen

Seit dem Unwetter ist die große Mensa in der Universität Gießen teilweise unbenutzbar. Der Schaden geht in die Millionen. Langfristige Empfehlung eines Gutachters: Komplettsanierung.
19. Juni 2018, 10:53 Uhr

Es riecht nach Bratwurst in der Otto-Behagel-Straße. Vor der größten Mensa der Justus-Liebig-Universität sind zwei Grills aufgebaut auf denen es brutzelt. Mitarbeiterinnen des Studentenwerks wenden Grillgut, geben Brötchen über Tische und nehmen Geld entgegen. »Notbetrieb in der Mensa« steht auf einem großen roten Schild am Eingang. »Aktuell ist es recht angenehm«, sagt eine Mitarbeiterin. »Solange die Sonne scheint, ist es sogar sehr schön.« Was gerade idyllisch aussieht, hat eine Vorgeschichte.

Das Herz der Mensa, Küche und Gastraum im ersten Stock, steht seit gut zwei Wochen still. Durch die Schäden am Dach als Folge des großen Unwetters ist eine Nutzung zu gefährlich. Sanierungsbedürftig war das Dach schon zuvor. Nun rät ein Gutachter zu Maßnahmen, die nach einer groben Schätzung des Studentenwerks um die 1,2 Millionen Euro kosten – viel Geld angesichts des geplanten Mensa-Neubaus an der Rathenaustraße.

Wann wieder Normalbetrieb herrschen wird, ist offen

Eva Mohr, Pressesprecherin des Studentenwerks

Für erste Sofortmaßnahmen sucht das Studentenwerk dennoch nach Auftragnehmern. Über alles Weitere sind die Verantwortlichen im Gespräch. »Wir arbeiten mit Hochdruck daran«, sagt Eva Mohr, Pressesprecherin des Studentenwerks. »Wann wieder Normalbetrieb herrschen wird, ist aber offen.« Bis dahin gilt: zwei statt bis zehn Gerichte, angelieferte statt vor Ort gekochte Speisen, zwei statt fünf Essensausgaben und etwa 1400 statt 2400 Sitzplätze.

 

Ausnahmezustand nach Unwetter

Zwischen den Betontreppen im Erdgeschoss hat sich gegen 12 Uhr eine Schlange gebildet. Die Treppen, die normalerweise zu den fünf Essensausgaben im ersten Stock führen, sind abgesperrt. Über einem Menü-Bildschirm hängt eine Plastikplane. Im Foyer hingegen reichen Mitarbeiter Schnitzel mit Frischkäsesoße und Tagliatelle oder Brokkoli-Blumenkohl-Kartoffel-Gratin über lange Tischreihen. »Wir haben zwei Interimsausgaben untergebracht«, sagt Mohr. »Zufrieden kann damit niemand sein, aber es trägt ja auch keiner die Schuld daran.«

 
Fotostrecke: 29. Mai: Unwetter trifft Gießen am Dienstag

Rückblick: In der Otto-Behagel-Straße wird zur Abendmensa aufgetischt, als das Unwetter hereinbricht. Starkregen prasselt auf das Flachdach, Hagelkörner trommeln auf die Oberlichter. Während die letzten Gäste flüchten, saugt sich das Moos auf dem Dach mit Wasser voll. Der Regen läuft nicht ab und dringt in das Gebäude ein. Die Platten, mit denen die Decke abgehängt ist, saugen sich mit Wasser voll – einige stürzen in den Gastraum. Auch in die Küche bahnt sich das Wasser den Weg. Das war am 29. Mai. Seitdem herrscht Ausnahmezustand.

Wir müssen umdenken – bei der Logistik und der Speisenproduktion

Lars Enders, Betreibsleiter
 

»Es gibt viel zu organisieren«, sagt Lars Enders. Der Betriebsleiter verlässt einen Lagerraum, in dem beheizbare Container für Speisen stehen. »Wir müssen umdenken – bei der Logistik und der Speisenproduktion«, sagt er. Während Brötchen nach wie vor in der Otto-Behagel-Straße belegt und an andere Uni-Cafeterien ausgeliefert werden, geht das mit gekochtem Essen nicht mehr. 3000 Gerichte für die große Mensa plus 1000 bis 1500 Menüs für Cafeterien müssen deshalb ersatzweise im Mildred-Harnack-Fish-Haus im Leihgesterner Weg zubereitet werden. »Personell und finanziell ist das ein hoher Aufwand«, sagt Mohr. Die Studierenden gutieren die Mühe. »Es läuft so gut, wie es unter diesen Umständen möglich ist«, sagt Josephine Blum, Mitarbeiterin am historischen Institut.

 

1000 Sitzplätze fehlen

Unterdessen begutachten Experten die Elektrik in der Küche. Nur mit Helmen dürfen sie das obere Stockwerk betreten. Zeitnah will das Studentenwerk eine Firma beauftragen, um das Dach vom Kies zu befreien und eine zusätzliche Dachhaut aufzubringen. Zahlen muss dafür das Land. »Wir gehen im Augenblick davon aus, dass die Mensa nach Umsetzung der Sofortmaßnahme nutzbar sein wird«, sagt Mohr. Sicher ist das nicht, denn die langfristige Empfehlung des Gutachters lautet Komplettsanierung. Über das weitere Vorgehen werde sich das Studentenwerk mit der Universität und dem Landesbetrieb Bau und Immobilien verständigen, sagte Mohr.

Während die Studierenden mit Tabletts aus der Mensa zu Holzbänken mit gelben Sonnenschirmen strömen, ist von Katerstimmung nichts zu spüren. Das Essen mundet und dass rund 1000 Sitzplätze weniger zur Verfügung stehen, sorgt nicht für Engpässe. »Wir haben zurzeit Glück mit dem Wetter«, sagt Mohr. »Ich weiß nicht, was passiert, wenn es wieder regnet.«

Info

Das gibt es im Notbetrieb zu essen

Die Mensa der Justus-Liebig-Universität Gießen in der Otto-Behagel-Straße bietet im Notbetrieb ein reduziertes Speisensortiment an. Zur Auswahl stehen zwei täglich wechselnde, warme Gerichte – davon eines vegetarisch und eines mit Fleisch. Als Dessert gibt es dazu Obst. Salate werden nur in abgepackter Form angeboten. Jeden Tag gibt es zudem Rinds- oder Bratwürstchen im Brötchen. Geöffnet ist die Mensa von Montag bis Freitag von 11.30 bis 19.15 Uhr und samstags von 11.30 bis 14.15 Uhr. Die wechselnden Gerichte werden bis 15 Uhr ausgegeben. Danach hat nur noch die Grilltheke geöffnet, erweitert dann aber die Auswahl.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Brötchen
  • Gießen
  • Justus-Liebig-Universität Gießen
  • Mensen
  • Sanierungskosten
  • Studentenwerke
  • Transport und Logistik
  • Unwetter
  • Gießen
  • Eva Diehl
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos