03. April 2011, 19:00 Uhr

Mieterverein: Immer mehr Streit um Nebenkosten

Gießen (pm). 3700 Rechtsberatungen hat der Gießener Mieterverein im vergangenen Jahr durchgeführt. Damit sei dieser die »größte außergerichtliche Streitschlichtungseinrichtung in der Stadt«, sagte der Vorsitzende Josef Kaisers in seinem Geschäftsbericht 2009/10 bei der Jahreshauptversammlung.
03. April 2011, 19:00 Uhr

Dem Verein gehören rund 5500 Mitglieder an. Die Zahl sei stabil. Es werde aber zunehmend schwerer, neue und vor allem jüngere Mitglieder längere Zeit an den Verein zu binden, sagte Kaisers.

Im Mittelpunkt der Arbeit stehe die Erhaltung des Rechtsfriedens und die Vermeidung von unnötigen Mietrechtsprozessen. Die Streitigkeiten um die Heiz- und Nebenkosten nähmen immer mehr zu, was in Zeiten rasant gestiegener Energiekosten und stagnierender Einkommen auch nicht verwunderlich sei. Bei den Wohnungsmängeln stünden Schimmelprobleme weiter an der Spitze. Auch das Problem der »angemessenen Wohnkosten« im Rahmen der Hartz-Reform sei in den Beratungen immer wieder ein Thema.

»Gefragt, aber leider Mangelware, sind in Gießen kleinere und preisgünstige Wohnungen«, sagte der Vorsitzende zum lokalen Wohnungsmarkt. Die momentan noch relativ entspannte Lage in Gießen beginne sich zu verschlechtern. Erstes Indiz dafür sei die wieder größer werdende Zahl von Mieterhöhungen. Entscheidend für den Preis einer Mietwohnung sei ihre Lage, Größe, Ausstattung, und ob es ich um Neu- oder Altbau handele. Mieter sollten aber bei der Anmietung ihrer neuen vier Wände unbedingt nach dem Energieausweis fragen, denn eine Wohnung mit geringer Kaltmiete habe nicht selten hohe Energiekosten.

In seinem Referat zur mieterpolitischen Situation ging der Mietervereinsvorsitzende auf den Kampf gegen die rasant gestiegenen Energiekosten ein. Der Heizkostenspiegel sei hierbei ein gutes Mittel, mehr Transparenz auf den Wohnungsmärkten zu schaffen. Die Verbraucher würden leider noch immer nicht ausreichend von der Möglichkeit Gebrauch machen, zu einem preisgünstigeren Anbieter für Strom und Gas zu wechseln.

Die von der Bundesregierung geplanten Einschnitte bei sozialen Mietrecht, etwa die Abschaffung des gesetzlichen Mietminderungsrechtes während der Durchführung von Energiesparmaßnahmen sowie bessere Mieterhöhungsmöglichkeiten lehnt der Mieterverein ab.

Der stetige Rückgang des Bestandes an preisgebundenen, bezahlbaren Wohnungen bereite angesichts des steigendem Bedarfs Sorgen. In Gießen sei die Zahl der Bewerber für eine Sozialwohnung immer noch groß. Kaisers erinnerte daran, dass es eine staatliche Aufgabe sei, die Daseinsfürsorge für die Haushalte sicherzustellen, die sich aus eigener Kraft nicht auf dem Wohnungsmarkt versorgen könnten.

Der demografische Wandel werde in den nächsten Jahren zu einem Trend weg vom Land hin in die Stadt führen, was zu einer wachsenden Wohnungsnachfrage in Gießen führe. Die ehemaligen US-Wohnungen seien da ein willkommener Zuwachs auf dem Wohnungsmarkt, um die Mietpreisentwicklung zu dämpfen.

Bei den Wahlen bestätigte die Versammlung alle Vorstandsmitglieder in ihren Ämtern: 1. Vorsitzender bleibt Stefan Kaisers; Stellvertreter sind Heimo Klemm und Jürgen Hirschmann; die vier Beisitzer Hannelore Hiegert, Susanne Eue, Thomas Richel und Peter Sommer.

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