31. Oktober 2018, 22:12 Uhr

Messerattacke geahndet

31. Oktober 2018, 22:12 Uhr
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Von Harold Sekatsch

Glück hatten Täter und Opfer gleichermaßen. Das Opfer, weil der Stich im Nacken keine nachhaltige Verletzungen verursacht hatte, der Täter aus dem gleichen Grund, denn so blieb ihm eine noch härtere Strafe erspart. Dennoch sprach das Jugendschöffengericht unter dem Vorsitzenden Richter Harald Wack am Mittwoch eine Strafe aus, die der Angeklagte nicht auf die leichte Schulter nehmen sollte. Acht Monate Jugendarrest mit einer zweijährigen Bewährungszeit, eine Geldauflage in Höhe von 400 Euro sowie die Auflage, innerhalb der nächsten zehn Monate acht Beratungsgespräche zur Eindämmung seines Alkoholkonsums durchzuführen, lautete das Urteil. Außerdem muss er dem Gericht und der Bewährungshilfe das Ergebnis der zweimonatigen Abstinenzkontrollen vorlegen.

Warnschussarrest verhängt

»Sie müssen ihre Ausbildung fortsetzen und – das ist die wichtigste Auflage – straffrei bleiben«, nannte Wack zwei weitere Direktiven. Ganz ohne Haft ging es dann doch nicht für den 20-Jährigen aus. Wack verhängte außerdem einen zweiwöchigen Arrest, den sogenannten Warnschussarrest. »Er hat eine Bewährungschance verdient, denn er stand heute erstmals vor Gericht«, sagte Wack, musste aber auch einschränken: »Der Angeklagte ist einschlägig vorbelastet.«

Der Gießener, dahingehend stimmen Anklage und Einlassung des inzwischen Verurteilten überein, hatte am 25. Mai einem anderen Mann mit einem Messer in den Bereich zwischen Hinterkopf und Nacken gestochen, nachdem er von diesem zuvor bedroht und beschimpft worden war. Tatort: Der Bahnhofsvorplatz in Gießen. Hintergrund: Der Täter war zu der Zeit mit der ehemaligen Freundin des Opfers liiert. Als der 20-Jährige mit der 17-Jährigen, von der er sich inzwischen wieder getrennt hat, obwohl sie ein Kind von ihm erwartet, gegen 18.50 Uhr an jenem Abend über den Bahnhofsvorplatz ging, wurde er vom späteren Opfer beschimpft, bedroht und verfolgt. Als das Opfer sich abwenden wollte, stach ihm der etwas kleinere Täter von hinten in den Nacken und verließ den Tatort Richtung Alter Wetzlarer Weg. Er wurde gestellt, leistete bei der Festnahme Widerstand und verletzte dabei zwei Polizeibeamte leicht.

Der Angeklagte hatte die Sieben-Zentimeter-Klinge des Taschenmessers bereits in seiner Tasche aufgeklappt. Vor der Tat hatte er Alkohol getrunken. Der Blutalkoholtest ergab einen Wert zwischen 1,2 und 1,6 Promille. Da der Angeklagte an Alkohol gewöhnt war, konnte das nicht als strafmildernd angesehen werden. Wack bejahte sogar eine besondere Schwere der Schuld, denn zur Tat hatte sich das Opfer von seinem Gegenüber weggedreht. Außerdem hätte der Stich in den Nacken eine lebensbedrohende Verletzung hervorrufen können. »Ich wollte die Schulter treffen«, sagte der Angeklagte.

Das Opfer war als Zeuge vorgeladen, erschien aber ebenso wenig wie ein weiterer Zeuge. Da aber die Aussage des Täters sowie die Ermittlungsergebnisse in wesentlichen Punkten nicht voneinander abwichen, wurde auf eine Vernehmung der Zeugen verzichtet.



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