27. November 2017, 10:00 Uhr

OKB-Schau

Mensch monumental

»Mensch« lautet das Thema der Jahresausstellung des Oberhessischen Künstlerbundes im KiZ. Sie trifft offenbar einen Nerv.
27. November 2017, 10:00 Uhr
Foto: dkl

Das Thema Mensch zieht sich wie ein roter Faden durch die Kunstgeschichte, das reicht von idealisierten Körpern über Selbstbefragung im Porträt bis zu universellen Seinsfragen. Von allem ist in dieser Gruppenausstellung etwas dabei. Breit gefächert sind die verwendeten Materialien und Techniken, wenn auch die zweidimensionalen Werke dominieren. Skulpturen und Objekte sind nur wenige dabei. 30 Mitglieder hatten Beiträge eingereicht, so viele wie lange nicht mehr, wie OKB-Vorsitzende Dieter Hoffmeister sagte. In seiner Begrüßungsrede am Freitagabend im KiZ wies er zudem auf das bevorstehende 75-jährige Bestehen des OKB hin, das im Mai 2018 gefeiert wird.

Für die aktuelle Ausstellung hat die Mitglieder-Jury die Auswahl getroffen und für die Hängung gesorgt, unterstützt von Gastjurorin Dr. Anja Eichler. Die Leiterin der Wetzlarer Museen hielt auch die kunsthistorisch fundierte Einführungsrede. Über die städteverbindende Kooperation freute sich die Hausherrin, Kulturamtsleiterin Simone Maiwald, besonders.

 

Gesichtsskizzen

 

Eindringliche Porträts schuf Neumitglied Thomas Wörsdorfer. Die Riesenformate führte er mit dem Kohlestift aus, setzt akribisch ein Selbstporträt neben das Bildnis einer älteren Frau. Der Blick durch die Lupe macht neugierig, ist zugleich unangenehm dicht. Ähnliches gilt beim Bild von Tanja Lengler, die aus einem kleinen Foto das monumentale Porträt eines Jugendlichen machte. Der abstrahierende Umgang von Susanne Jakobs mit dem Thema ist gewohnter, in seiner skizzenartigen Auffassung fast entlastend.

Yizheng Lin bringt mit seinen von Farbspuren überzogenen Gesichtsskizzen Humor in die weitgehend ernste Ausstellung. Ebenso Marion Fischer, die skurrile Figurationen in einem fantasievollen Dress-Code zeigt. Lebensbejahende Porträts kommen von Susanne Ledendecker, die jungen Gesichtern Schriftzüge beifügt wie Zukunft, Freude, Sehnsucht.

 

Verblüffende Lösung

 

Die andere traditionsreiche Variante zum Thema Mensch ist der Akt, den Andreas Rück in Mehrfachskizzierung untereinander auf einer langen Papierfahne zeigt. Es beweist sich einmal mehr die Besonderheit des KiZ-Ausstellungsraumes, der mit seiner umlaufenden Galerie eine in die Tiefe reichende Wandfläche bietet. Hier kann neben der Papierfahne noch ein überlängter »brettmann« stehen, den der Gastkünstler Martin Fischer aus einem Holzbrett gefertigt hat.

Den nackten Ganzkörper zeigt Dietrich Skrock in fotografischer Überblendung, er variiert das Thema Mann, Frau und ein drittes Geschlecht. Asal Koshravis bezeichnet ihre junge Hauptfigur als »Spinnerin«, ihre Unschuld scheint bedroht von dunklen Gestalten im Hintergrund. Der Mensch als Forscher in fremden Welten ist bei Christian Malitzki zu erahnen, mit einer kleinen Taschenlampe untersucht der Mann einen Baum, hinter dem Flammenmeer hell leuchtet. Text und Bild kombinieren Maggie Thieme und Volker Kusterer in eindringlichen Fotocollagen. Papier collagiert Renate Donecker und Christel Dütge arrangiert Fundstücke zu aparten Setzkästen.

 

Irritierende Fotografien

 

Als einziger Keramiker zeigt Karl-Heinz Till ein Objekt aus amorph-runden Formen. Silvia Roedler kreiert aus Holzfundstücken archaisch anmutende Skulpturen. Mit dem feinen Stift zeichnet Renate Bechthold Menschen und ihre Schatten, Anne Held erschafft auf digitalem Weg eine befremdliche Metamorphose. Dagmar Miklau-Bolterauer hat zwei irritierende Fotografien beigesteuert, die Ton-in-Ton Ornamente zu zeigen scheinen. Die Lösung erstaunt: es handelt sich um staubige Schuhabdrücke von documenta-Besuchern. Ornamental im Großen ist auch der Beitrag von Gisela Denninghoff, sie zeigt ein Gemälde von 1984, auf dem sie eine Antiatomwaffen-Demo interpretiert.

Noch ein monumentales Werk beeindruckt, ein riesiger menschlicher Schädel von Henrik Wienecke in Bronze gegossen. Zu Vergänglichkeit und Tod setzt Ria Gerth quasi einen Schlusspunkt mit ihren kleinen Schwarzweiß-Fotografien: die polierten Metallbahren eines Bestattungsinstituts symbolisieren die Abwesenheit des Menschen.

Weitere KünstlerInnen dieser Schau sind: Kristin Bald, Werner Braun, Katja Ebert-Krüdener, Hans-Jürgen Hädicke, Paulina Heiligenthal, Wennemar Rustige.

 

Kultur im Zentrum (KiZ), ehemalige Stadtbibliothek an der Kongresshalle, bis 21. Januar, geöffnet Di-So 10-17 Uhr.

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