Stadt Gießen

Mensa und »grüne Klassenzimmer« geplant

Den Architektenwettbewerb zur Erweiterung und Sanierung der Käthe-Kollwitz-Schule hat ein Gießener gewonnen. Der Baubeginn ist für Ende 202 vorgesehen.
01. Oktober 2019, 15:45 Uhr
Karen Werner
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Stadträtin Astrid Eibelshäuser (l.) und der Jury-Vorsitzende Dirk Miguele Schluppkotten (r.) gratulieren dem aplus-Team (v. l.) Ute Kramm, Greta Hoffmann und Jacqueline Zimmer. Die dunkleren sind die neuen Gebäudeteile im Modell. (Foto: Schepp)

Wo ist denn hier eine Schule? Die Ansammlung bescheidener Beton-Gebäude hinter dem Zaun sieht so gar nicht offiziell aus. Und ein Eingang ist nirgends zu entdecken. Ortsfremde haben es schwer, die Käthe-Kollwitz-Schule am Spitzwegring zu finden. Etwas repräsentativer im Eingangsbereich, sonst aber so »kleinteilig« wie bisher soll die Grundschule in der Nordstadt an der Grenze zu Wieseck demnächst aussehen. Das ist das Ergebnis des Realisierungswettbewerbs zur Sanierung und Erweiterung.

»Charakter« soll erhalten bleiben

Gewonnen hat ihn - nach »nichtoffener« Ausschreibung und anonymer Beurteilung - das Gießener Architekturbüro aplus. Den zweiten Preis erhält die Lindschulte Thillmann GmbH aus Koblenz, auf Platz drei und vier folgen O5 Architekten aus Frankfurt und Studie SF aus Mannheim.

Welcher Entwurf letztlich verwirklicht wird, werde nun in weiteren Verhandlungen geklärt, erläuterte Schuldezernentin Astrid Eibelshäuser (SPD) bei der Präsentation der Pläne. Sie gehe davon aus, dass der erste Bauabschnitt Ende 2020 beginnen kann. Finanziert werden soll die Sanierung aus dem zweiten Teil des Kommunalinvestitionsprogramms. Der Magistrat hat vor zwei Jahren entschieden, die 17 Millionen Euro komplett in den Schulbau zu stecken. Davon sollen 3,5 Millionen an die KKS fließen, hinzu kommen eigene städtische Mittel.

Steigende Schülerzahlen, Platzmangel, keine Mensa, fehlende Gemeinschaftsflächen, veraltete Technik, Zugangsprobleme für Gehbehinderte: Das sind einige Probleme der Grundschule mit etwa 270 Erst- bis Viertklässlern. Ein Jahr lang hat die Schulgemeinde an ihrem pädagogischen Konzept und dem dafür notwendigen Raumbedarf gearbeitet. Das Ergebnis: Ein großes neues »Herz« mit Mensa und Aula soll entstehen. Außerdem erhält jedes der kleinen Häuser unter dem Stichwort »Jahrgangscluster« gemeinsam nutzbare Räume.

Der Entwurf von aplus sieht dafür dezente Anbauten vor, außerdem für jedes Haus einen eigenen Zugang nach draußen in ein »grünes Klassenzimmer«. Weiterhin geplant sind unter anderem ein großzügiges verglastes Foyer, Aufzüge, eine Bibliothek und ein »Lesegarten«. Behutsam soll in drei Abschnitten gebaut werden, so dass nie mehr als drei Klassen gleichzeitig umgesiedelt werden müssen. Am Ende werden der Hausmeister-Bungalow und der Toilettentrakt abgerissen. Dort soll eine neue Turnhalle entstehen, in deren Obergeschoss die Verwaltung unterkommt.

Alle Preisträger hätten »viel bewahrt« von der »hochwertigen Architektur« und dem Charakter des 51 Jahre alten Ensembles, erklärte Dirk Miguele Schluppkotten als Vorsitzender der Jury. Die »Vermittlung von Alt und Neu« sei aplus besonders gut gelungen. Möglicherweise müsse der Entwurf, falls er realisiert wird, räumlich erweitert werden.

»Wunderschön« sei die Schule, ergänzte die aplus-Inhaberin Ute Kramm. Sie verwies auf die Bäume, das viele - bisher weitgehend ungenutzte - Grün und den gut erhaltenen Sichtbeton. Der Pausenhof bleibe größtenteils erhalten.

Die Konrektorin Iris Einmal zeigte sich ebenso angetan wie Uta Hinkelbein, Leiterin des Schulverwaltungsamts; sowie Katja Buß, stellvertretende Leiterin des Hochbauamts. Für pädagogische Konzepte wie das »selbstständige Lernen« oder für Deutsch-Förderung in Gruppen sei die Raumaufteilung aus den 1960er-Jahren nicht mehr zeitgemäß.

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/stadtgiessen/Stadt-Giessen-Mensa-und-gruene-Klassenzimmer-geplant;art71,632091

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