26. Juni 2018, 17:31 Uhr

Schwarzzucht?

Mehrmals kranke Katzen »entsorgt« in Tierklinik Gießen

Sie sind winzig, krank und verwahrlost: Fünf nur wenige Wochen alte Katzenwelpen wurden dieser Tage im Wartezimmer der Kleintierchirurgie Gießen ausgesetzt.
26. Juni 2018, 17:31 Uhr
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Von Christine Steines
Winzig, krank und viel zu früh von der Mutter getrennt: Eines der Katzenbabys. (Foto: pm)

Mittlerweile sind Kleinen im Tierheim. Eines ist am Montag gestorben, die Tierärztin konnte es nicht mehr retten. Was die Tierschützer alarmiert: Es ist das dritte Mal innerhalb weniger Monate, dass jemand auf diese Weise Tiere »entsorgt«. Tierpflegerin Hannah Wern vermutet, dass irgendwo in der Region jemand die Maine-Coon-Rassekatzen hält und nicht in der Lage oder willens ist, sie richtig zu versorgen. Es kann Fall von Animal-Hoarding sein, es ist aber auch denkbar, dass jemand eine Art »Schwarzzucht« betreibt und Geld mit den Tieren verdient. Maine-Coon-Katzen mit Papieren eines anerkannten Zuchtverbandes kosten je nach Fellfarbe mindestens 1000 Euro, häufig auch doppelt oder dreimal so viel. In der Tierklinik hat man keine Ahnung, woher die Patienten kommen. Sie wurden in der Mittagspause oder nach Feierabend ins bzw. vor das Gebäude gestellt. Beim ersten Mal im März lag ein Zettel neben der Box. Darauf stand in englisch, das Tier sei krank und benötige dringend Hilfe.

Diese Katze – die im Tierheim Resi genannt wurde – litt unter heftigem Durchfall, der von Parasiten verursacht wurde. Die Katze wurde einer langwierigen Behandlung unterzogen und hat sich so gut erholt, dass sie inzwischen vermittelt werden konnte. Im zweiten Fall gestaltet sich das Ganze schwieriger. Es handelte sich um zwei Maine-Coon-Jungkatzen, deren verfilztes Fell voller Kot und Urin klebte. Sie waren aufgrund einer Virusinfektion sehr geschwächt und leben auch heute noch in der Quarantäne.

Eine erneute Steigerung gab es nun in der vergangenen Woche mit erst wenige Wochen alten Katzenwelpen und einem Jungtier. Die Babys wurden viel zu früh von der Mutter getrennt. Als die Tierpfleger sie aus der Klinik abholten, war der Zustand extrem kritisch. Ein Kätzchen starb, den anderen geht es langsam besser. Für die Tierpfleger bedeutet die Versorgung der kranken Katzen einen riesigen Aufwand. Fütterung und Medikamentengabe erfordern viel Zeit, außerdem müssen Handtücher und Decken ständig gewechselt und gewaschen werden. Wann die Katzen sich soweit stabilisiert haben, dass sie vermittelt werden können, ist heute noch völlig unklar. Den Tierschützern geht es jetzt erst einmal darum, die unbekannten Täter zu stoppen. Mit dem Weg an die Öffentlichkeit erhoffen sie sich Hinweise auf den Katzenhalter. »Vielleicht hat jemand eine fragwürdige Katzenhaltung beobachtet oder auch ein Tier von einem unseriösen Züchter gekauft«, sagt Wern.

Außerdem wünschen sich die Tierschützer finanzielle Unterstützung. Für ein Tierheim sind solche Belastungen schwer zu stemmen – der letzte Animal-Hoarding-Fall, bei dem es um 85 Chihuahuas ging, ist noch nicht lange her. Sparkasse Gießen: Konto Nr.: 200 505 424, BLZ: 51350025, IBAN: DE76 5135 0025 0200 5054 24, BIC: SKGIDE5F.



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