13. Januar 2019, 18:17 Uhr

Mehr als alte Kracher

13. Januar 2019, 18:17 Uhr
Peter Howarth, Pete Lincoln und Mike Wilson zeigen als »Frontm3n«, dass sie noch lange nicht zum alten Eisen gehören. (Foto: axc)

Die älteste Nummer war ein uralter Cliff-Richard-Hit von 1958, die neuesten Songs stammten von »All for One«, der aktuellen CD der drei englischen Frontmänner alias »Frontm3n«. Reiseleiter dieses Musiktrips in der Kongresshalle in die 60er und 70er waren am Freitagabend die aktuellen Leadsänger dreier ehemals großer Bands. Am bekanntesten dürfte Rockfans Pete Lincoln (62) sein, der seit 2006 bei den noch sehr aktiven The Sweet am Mikro steht. Peter Howarth (58) ist seit 15 Jahren Leadsänger der Hollies, deren letzter Hit 45 Jahre alt ist. Und dass es 10cc noch gibt, die in den 70ern mit ihrem raffinierten Pop-Rock einige Hits hatten, ist auch kaum bekannt. Mick Wilson (56, der Jungspund des Abends) singt jedenfalls seit 20 Jahren bei 10cc.

Auch wenn böse Zungen Gruppen mit nur einem oder zwei Originalmitgliedern wohl als bessere Coverbands bezeichnen würden: Die drei Engländer boten den etwa 400 Fans in der Kongresshalle deutlich mehr als nur Wiederhörensfreude über alte Kracher wie »Bus Stop«, »Fox on the Run« oder »I’m Not in Love«.

Angekündigt war ein »akustischer Abend«, und wenn Mick Wilson auch mal zum E-Bass und Pete Lincoln in »Rubber Bullets« zur Stromgitarre griff, beschränkten sich die drei Musiker meist auf akustische Sechssaiter ohne übertriebene Effekte. Alle Songs erklangen in cleveren Arrangements – sowohl der Gitarren als auch und vor allem der Stimmen. Pete Lincoln ist als Sweet-Sänger die Rockröhre, während Howarth und Wilson im Vergleich dazu geradezu Belcanto-Sänger des Pop sind. Wilson traut sich sogar an die mörderischen Falsettpassagen des frühen 10cc-Hits »Donna«, Howarth erntet stürmischen Applaus für seine Version von »He Ain’t Heavy, He’s My Brother«.

Die neue CD enthält auch einige Eigenkompositionen, etwa das ermutigende »Open Up« oder »All for One«, die sehr amerikanisch klingen. Das liegt auch an Textzeilen wie »Together we can change the world«, aber vor allem am perfekten Satzgesang, der an die Eagles oder CSN erinnert. Zu Recht gefeiert wird die von Peter Howarth gesungene Ballade »Priceless«.

Dennoch wollen die Fans vor allem alte Hits hören – und die bekommen sie auch reichlich. Die albernen Sweet-Songs »Co-Co« und »Poppa Joe« zünden nicht so richtig, das entspannte Arrangement von »Love Is like Oxygen« umso mehr – wie später auch »Ballroom Blitz«. Mick Wilson macht den Brian (Connolly) recht überzeugend. In der zweiten Hälfte bekommt jeder ein Solo – Lincoln spielt »A Glass of Champagne« von seiner Ex-Band Sailor – und sie feiern Sir Cliff Richard ab, in dessen Band sie sich vor 25 Jahren erstmals trafen: u.a. mit »Lucky Lips«, zur Hälfte auf Deutsch.

Der spezielle britische Humor und die erkennbare Spielfreude der Musiker runden den gelungenen Abend sympathisch ab, der erst nach der dritten Zugabe »Dreadlock Holiday« zu Ende geht.

Am 10. Januar 2020 wollen die »Frontm3n« wiederkommen: nach Butzbach.

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